Silberschatz der Kronan

Silberschatz der Kronan
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Silberschatz der Kronan

30.11.2005 - 23:00 Uhr

von Reinhard Hauke

Schwedische Taucher haben in dem Wrack eines versunkenen Schiffes einen riesigen Silberschatz gefunden. Nach Aussagen des Meeresarchäologen Lars Einarsson umfasst der Fund 6500 Münzen und ist damit vermutlich der größte in der Geschichte Schwedens. Der Schatz ist im Juli in dem Kriegsschiff Kronan entdeckt worden, das 1676 in der Ostsee explodierte und versank.

Die Kronan, das größte Holzkriegschiff des 17. Jahrhunderts, war der Stolz der schwedischen Marine. Ihr Kiel wurde am 27 Oktober 1665 auf Skeppsholmen, der königlichen Werft in Stockholm, aufgelegt, der Rumpf kam am 31 Juli 1668 hinzu. Mangels Kapital verzögerte sich jedoch die endgültige Fertigstellung bis 1672.

Das von dem englischen Konstrukteur Francis Sheldon entworfene Regalschiff bestand komplett aus Eichenholz. Die Kronan verdrängt etwa 2200 Tonnen; sie war 53 Meter lang und 14 Meter breit. Der Hauptmast maß zirka 197 Fuß vom Kiel bis zur Spitze. Zur Mannschaft gehörten 500 Matrosen und 300 Soldaten. Auf ihren drei ebenen Decks (Achterdeck, Vorderdeck und Poop) trug sie insgesamt 126 Bronzekanonen.

Der schnelle Untergang

Ab 1675 war die Kronan das Flaggschiff der schwedischen Marine und sollte während des Krieges gegen die dänisch-niederländische Flotte im Juni 1676 erstmals seine Schlagkraft unter Beweis stellen. Doch es kam völlig anders, als erwartet.

Am 1. Juni dann, noch bevor die so genannte Schlacht von Öland richtig begann, wurde das Schiff nach einem riskanten Wendemanöver von einer Windbö erfasst; es bekam Schlagseite, explodierte plötzlich und sank mitsamt seiner Besatzung wie ein Stein in die Tiefe. Nur 42 Mann überlebten die Katastrophe.

Wie es zur Explosion kam, ist bis heute ein Rätsel. Möglicherweise brach oder löste sich während des Wendemanövers im Lagerraum die Verankerung der Pulverfässer. Vielleicht fiel dabei eine Petroleumlampe um, eine Flamme entfachte und entzündete das Munitionspulver.

Die Schuld an der Tragödie hatte wohl in erster Linie Freiherr Lorentz Creutz, der frisch ernannte Kapitän und Admiral der Flotte. Bevor Creutz zum Kommandant ernannt wurde, hatte er keinerlei Erfahrung im Navigieren eines Schiffes. Dennoch gab er den verhängnisvollen Befehl zum Wenden des Schiffes.

Der Untergang der Kronan (zu deutsch: die Krone) im Sund zwischen Kalmar und Öland war eine der größten Schiffskatastrophen in der schwedischen Geschichte. Die Kronan war eines der verloren gegangenen Schiffe, dessen Beschreibung der Ingenieur und Archäologe Anders Franzén in schwedischen Archiven fand und auf eine Suchliste setzte.

Franzén hatte zuvor auch das weltberühmte Wrack der Vasa im Hafen von Stockholm entdeckt und begab sich nach eingehendem Quellenstudium auf die Suche – mit Erfolg. Zusammen mit Bengt Grisell und Sten Ahlberg konnte er das Schiff am 8. August 1980 vor der Ostküste Ölands im Südbaltischen Meer in 27 Meter Tiefe orten.

Die Taucher fanden ein Gewirr aus Eichenplanken und menschlichen Knochen vor. Die Hülle des Schiffes war entzweigebrochen, doch ein großer Teil der Backbordseite erwies sich noch als intakt und liegt bis heute mit der Außenfläche auf dem Meeresgrund.

Wertvolle Fundstücke

Die Bergung der Kronan avancierte schnell zum größten Projekt in der Geschichte der Meeresarchäologie Schwedens. Was im Jahre 1980 begann, wird wohl noch einige Monate in Anspruch nehmen. Viele gut erhaltene Gegenstände konnten in dieser Zeit sichergestellt werden. Unter den Fundstücken befinden sich neben den Knochen von Opfern mehr als 26.000 Objekte, darunter Musikinstrumente, Orden – und Kanonen.

Bereits zwischen 1680 und 1686 konnten mit primitiven Tauchglocken 60 Kanonen geborgen werden. Danach geriet das Schiff für drei Jahrhunderte in Vergessenheit. Zwischen 1980 und 1987 wurden weitere 32 Kanonen gefunden. Sie wogen zwischen sechs und 36 Pfund und wurden im 16. und 17. Jahrhundert gegossen. Einige stammten von der Vasa, die 1628 gesunken war. Die älteste Kanone entstand 1514. Es ist die älteste Vorderlader-Kanone Skandinaviens.

Weiterhin wurden zwischen 1982 und 1983 etwa 260 Goldmünzen gefunden – seinerzeit der größte Goldmünzenfund in der schwedischen Geschichte. 1998 fand man ein komplett erhaltenes Stabkreuz und eine Kiste mit Tintenfässern. Im Jahre 2001 kam ein Arzneischrank hinzu, gefüllt mit 70 Medizinflaschen und -dosen.

Der jetzt aufgespürte Silbermünzenschatz, ein Klumpen mit 6.500 Münzen, ist vermutlich der wertvollste in der Geschichte Schwedens. Offenbar war das Geld als Sold für ranghohe Offiziere der Kronan bestimmt.

Aufgrund der fragmentalen Überreste und der starken Zerstörungen am Wrack werden die Bergungsarbeiten wohl noch einige Monate weitergehen. Dann wird auch eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob die noch erhaltene Schiffsseite gehoben und präpariert werden soll. Aber ein solches Vorhaben ist sehr kostspielig. Viele private Sponsoren werden benötigt, um ein solches Projekt zu realisieren.

Wer die Kronan im originalgetreuen Zustand vorab schon sehen möchte und an der Geschichte des Kriegsschiffes interessiert ist, wird im Landesmuseum im Hafen von Kalmar fündig werden. Die Kronan wurde nachgebaut und kann komplett mit Mannschaft und Kanonen besichtigt werden.

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