Sonne und Klimawandel

Sonne und Klimawandel
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Sonne und Klimawandel

 

Für den Geschmack der Astronomen ist die Sonne im Moment viel zu ruhig. Seit Monaten warten die Forscher darauf, dass ein neuer Zyklus an Sonnenflecken das Ende der Ruheperiode einläutet. "Es ist die längste fleckenlose Zeit seit gut hundert Jahren - und wir wissen nicht warum", sagt Sami Solanki, Leiter der Forschungsgruppe Sonne am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau dem "Hamburger Abendblatt".

Die Sonne, unser Zentralgestirn, steht unter ständiger Beobachtung. Mit Spezialteleskopen auf der Erde, Satelliten im Weltraum und mit Höhenballons versuchen die Forscher den 150 Millionen Kilometer entfernten Stern zu ergründen. Quasi im eigenen Hinterhof können Astronomen an der Sonne Dinge studieren, die sie bei entfernten Gestirnen bislang nicht erkennen können.

"Oftmals werfen diese Details zugleich auch wieder Fragen auf," erklärt Sami Solanki dem "Hamburger Abendblatt". Mit bloßem Auge wirkt die Sonne wie ein ruhiger Stern. Doch in Wahrheit handelt es sich um einen Höllenofen mit Temperaturen von über 5000 Grad an der Oberfläche und mehreren Millionen Grad im Kern. Doch gerade an der Oberfläche gibt es Stellen, die mehr als 1500 Grad kälter sind, als ihre Umgebung - sogenannte Sonnenflecken.

Sonnenflecken sind immer wieder ein Indiz für eine Erhöhte Aktivität auf der Oberfläche. So führten große Eruptionen, Masseauswürfe von der Oberfläche ins All, in der Vergangenheit schon öfters zu Problemen auf der Erde. Am 1. September 1859 traf ein besonders schwerer Sonnensturm unseren Planeten. Innerhalb weniger Stunden brach damals das neue Telegraphennetz weltweit zusammen. Heute wären Funknetze, Handys, Satelliten, Radaranlagen, interkontinentale Kommunikation und möglicherweise das Internet von einem solchen Ereignis betroffen.

Noch sind sich die Astronomen jedoch nicht einig, wie der kommende Sonnenfleckenzyklus aussehen wird. Wird er besonders stark, wie manche vermuten und im Jahr 2012 seinen Höhepunkt erreichen und für die beschriebenen Probleme sorgen, oder wird die Sonne weiterhin so ruhig sein? Phasen von längerer Ruhe gab es in der Vergangenheit ebenfalls mehrfach - mit unerwarteten Folgen für die Erde.

So wie die Forscher bislang einen Sonnensturm nicht rechtzeitig vorhersagen können, ist es ihnen auch nicht möglich die Stärke des zukünftigen Zyklus vorherzusagen. Einig sind sich die Astronomen jedoch, dass unser Zentralgestirn in den vergangenen Jahren, vor dem Sonnenfleckenminimum, eine leicht erhöhte Aktivität gezeigt hatte. Die aktuelle Phase kann also eine Rückkehr zum Normalzustand bedeuten.

Wissenschaftler haben jedoch belegt, dass vor einigen Jahrhunderten die Sonne schon zweimal durch extrem niedrige Aktivität für Probleme auf der Erde sorgte. Vom Jahr 1400 bis 1510, im sogenannten Spörer-Minimum und während der Jahre 1645 bis 1715, im Maunder-Minimum herrschte eine "Kleine Eiszeit". Das kühle, regnerische Wetter führte zu Missernten und Hungersnöten. Im Winter 1422/23 fror die Ostsee vollständig zu - so dass Reisen nach Schweden per Pferdeschlitten möglich wurden.

Verschiedene Forscher behaupten nun, dass die Klimaerwärmung der letzten Jahre vor allem durch die erhöhte Sonnenaktivität zustande gekommen sei. Und dass nun, nachdem die Sonnenflecken ausbleiben, eine Abkühlung des Weltklimas folgen würde. Vor allem die Gegner der Klimaschutzbewegung führen diese scheinbar wissenschaftlich untermauerten Argumente ins Feld. Seriös sind solche Aussagen hingegen ebenso wenig, wie Aussagen, die das genaue Gegenteil behaupten.

"Wir waren etwas verwöhnt", erklärt Sami Solanki, "denn gut 60 Jahre lang war die Sonnenaktivität ungewöhnlich hoch - höher als jemals zuvor im vergangenen Jahrtausend. Jetzt pendelt sie sich vermutlich wieder auf ihr normales Niveau ein", sagt der Forscher dem "Hamburger Abendblatt" zuversichtlich.

Quelle: freenet.de
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