Strom in der Antike?

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22.01.2002 - 23:00 Uhr

Etwas Erstaunliches ist im Jahr 1936 bei Ausgrabungen des Irag-Museums am Hügel Khujat Rabu`a, südöstlich von Bagdad gefunden worden. Damals wurde der Irak von gewaltigen Regengüssen heimgesucht, und beim Abtragen von Sand auf dem besagten Hügel stieß man zufällig auf Spuren von menschlichen Siedlungen.

Der Archäologe Wilhelm König, einst Direktor der irakischen Antikverwaltung, berichtete im Jahre 1938 in der angesehenen Wissenschaftszeitschrift "Forschungen und Fortschritte" in seinem Artikel "Ein galvanisches Element aus der Partherzeit?" von dieser Entdeckung.

So erfuhren die erstaunten Leser darin von König, dass man bei dieser Ausgrabung ein Tongefäß entdeckt hatte, in dem ein Zylinder aus Kupferblech und in diesem wiederum ein Eisenstab steckte. Wilhelm König sah in diesem Fund den Beweis, dass zur parthischen Zeit (etwa erstes Jahrhundert vor Christus) die Menschen aus diesem Gebiet die Galvanisierung beherrschten.

Technik noch heute bekannt
Weiter wurde auch darauf hingewiesen, dass die Funde von goldenen Kunstobjekten aus dem Gebiet um Bagdad, die von den Archäologen in das zweite bis vierte Jahrhundert datiert wurden, derart dünne und feine Vergoldungen zeigen, die nicht mit Methoden wie etwa der Hammer- und Feuervergoldung erklärt werden können. Bei diesem Verfahren nimmt der Schmied ein Goldblech, legt es über das zu vergoldende Objekt und erhitzt es immer wieder, wobei er mit einem Hammer das Gold um das Objekt treibt.

Wilhelm König berichtete in seinem Artikel aber auch, dass er es deshalb für durchaus denkbar hält, dass man mit Hilfe dieses Gerätes kultische Figuren und anderen Gegenstände vergoldete oder versilberte. Er verwies dabei auf die Tatsache, dass in den Silberschmieden von Bagdad noch heute ähnlich primitive Verfahren zur Anwendung kommen würden. Auch wurden bei Ausgrabungen in Tel Umar in Seleukia 1930 vier "ähnliche Tonflaschen" gefunden.


Drei dieser Behältnisse enthielten Kupferzylinder, die aber - nicht wie bei dem Fund von Khujat Rabu`a - an beiden Seiten verschlossen waren. Bei Ausgrabungen 1931/ 32 in Ktesiphon, der einstigen Hauptstadt der Parther, entdeckten die Archäologen weitere fünf Krüge ähnlicher Art. Dort wurde, soweit bisher bekannt, bei Grabungen in den Jahren 1928/29 auch der erste Fund dieser Art gemacht (jedoch mit einem Henkel).

In der Tat sprechen die entdeckten Funde für, sagen wir mal, "magische Anwendungen". König, der als erster auf eine Funktion des Fundes von Khujat Rabu`a als galvanisches Element hinwies, fand überraschenderweise sogar zum Teil Anerkennung für diese Idee.

Medizinische Anwendung denkbar
Wilhelm König gab aber auch zu bedenken, dass dies Gefäß durchaus eine "medizinische" Anwendung gefunden haben könnte, also nicht für die Galvanisierung. So denkt er hier auch an eine Art Entkeimung von Wasser oder anderen Flüssigkeiten. In der Diskussion wird in der Regel von der Bagdad- Batterie ("Trockenbatterie") gesprochen, denn meist beziehen sich die Autoren auf dieses spezielle Gefäß aus Khujat Rabu`a.

Objekt erzeugt Strom
Tatsächlich kann mit dieser "Vase" auch elektrische Spannung erzeugt werden. Der von König angeführte Fund geriet jedoch sehr schnell in Vergessenheit, bis er im Jahr 1940 sein Buch "Neun Jahre Irak" veröffentlichte, in dem der Forscher auch auf diese Batterie eingeht. Doch es vergingen weitere 20 Jahre, bis der erste praktische Versuch unternommen wurde, diese These zu überprüfen.

Dazu fertigte 1960 John B. Pierczynski von der Universität von North Carolina ein Modell der Bagdad-Batterie an. Er gab eine 0,5-prozentige Essiglösung hinzu und das Voltmeter konnte über einen Zeitraum von 18 Tagen 0,5 Volt nachweisen. Der Nachweis, dass mit Hilfe der "Vase" von Khujat Rabu`a Spannung erzeugt werden kann, war folgerichtig erbracht.

Der erste Versuch in Deutschland fand im Jahre 1978 in Hildesheim statt. Damals wurden im dortigen Roemer-Pelizaeus-Museum rund 200 Leihexponate aus dem Museum von Bagdad im Rahmen der Mesopotamien-Ausstellung "Sumer, Assur, Babylon" von Juni bis Ende September ausgestellt.

Der damalige Museumsdirektor Dr. Arne Eggebrecht (Foto) sah dies zum Anlass, vor geladenen Gästen einen eigenen Versuch mit einem Nachbau einer solchen "Batterie" durchzuführen. Dabei nahm er den Khujat Rabu`a-Fund als Vorlage.

Dieser enthielt als einziger einen Zylinder aus Kupfer, der am Rand mit Erdpech beziehungsweise Bitumen verklebt war und in der kupfernen Hülse steckte eine erodierter Eisenstab, der ebenfalls mit Pech verklebt war. Auch war die obere Spitze dieses "Eisenstabes" einstmals scheinbar mit Blei überzogen. Jeder Besucher konnte nicht nur den Originalfund in einer Vitrine bewundern, sondern sich an einem Modell per Knopfdruck selbst davon überzeugen, dass mit Hilfe von fünfprozentigem Weinessig 0,5 Volt erzeugt werden können bei einer eine Stromstärke von 150 Mikroampere.

Galvanisierung glückte im Versuch
Dr. Eggebrecht, der nach diesen erfolgreichen Versuchen an der Verwendung als "Batterie" keine Zweifel hatte, wollte aber auch die Verwendung zum Zweck der Vergoldung in einer Galvanisierungswanne nachweisen. Zu diesem Zweck luden er und einige Kollegen im September 1978 neben anderen Experten für Batterien der Firma Bosch ein. Nachdem Dr. Eggebrecht und Rolf Schulte Traubensaft in ihren Nachbau füllten, zeigte sich, wie bei der Anordnung für die Besucher, dass 0,5 Volt erzeugt werden konnten.

Die "Vase" wurde nun mit einer Galvanisierungswanne (siehe Skizze rechts) verbunden, in der eine silberne Figur getaucht wurde. Tatsächlich war diese nach zweieinhalb Stunden mit einer rund 0,1 Mikrometer dünnen Schicht vergoldet. Die wissenschaftliche Welt wie auch die Medien waren erstaunt über diesen geglückten Versuch. So berichtete beispielsweise auch der Spiegel am 2. Oktober 1978 von diesem Experiment.

Objekt erzeugte 0,5 Volt
Auch Ralf Lang von der Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (A.A.S.) fertigte vor einigen Jahren ein funktionstüchtiges Modell an. Dieses wurde auf den Weltkonferenzen der A.A.S. 1985 in Zürich, 1991 in Berlin und 1995 in Bern dem Publikum vorgestellt, und auch die Rekonstruktion von Lang erzeugte 0,5 Volt.

Auch der Autor Erdogan Ercivan schildert in seinem umstrittenen Buch "Das Sternentor der Pyramiden" ein nicht näher genanntes Experiment im Jahre 1981, bei dem eine Silberfigur "im Beisein von Fachleuten" vergoldet worden sein soll. Auch berichtet er, dass die nachgebauten Batterien 1,5 bis zwei Volt erzeugen konnten. Jedoch ist hier mangels Quellenangabe seitens Ercivan keine verbindliche Aussage zu machen.

Zur Galvanisierung wie etwa im Versuch von Dr. Eggebrecht ist jedoch eine Lösung aus "Goldsalzen" (Goldcyanidkomplex) vonnöten, das, soweit man weiß, nicht zur Zeit der Parther bekannt war. Wobei hierzu jedoch einige Überlegungen existieren.

Der Galvaniseur Kurt Pengel kam auf die Idee, dass es ein Zufall gewesen sein könnte. Er bemerkte nach dem Versuch von Dr. Eggebrecht und Schulte, dass man schon seit der ersten Verwendung von Blattgold dieses dadurch herstellte, die zu verarbeitenden Goldstücke zwischen zwei Lederlappen mit Hämmern platt zu klopfen. Leder mit schlechter Gerbung oder verrottendes Leder könnte, wenn man es liegen lässt, tatsächlich Goldsalze entstehen lassen.

Was bedeutet die Anordnung der Batterien?
Die "eigentliche" Bagdad-Batterie von Khujat Rabu`a ist im Rahmen der bisherigen Funde einzigartig. Die Archäologen haben aber bei ihrer Arbeit herausgefunden, dass die Tongefäße von Khujat Rabu`a und von Seleukia sich in einer recht ähnlichen und offenbar bewussten Anordnung befanden. Da inzwischen rund zehn solcher Objekte bekannt sind, aber nur bei einem eine Funktion als elektrisches Element nachweisbar ist, bleibt fraglich, um was es sich hierbei tatsächlich handelt.

Der Phänomene-Forscher Jörg Dendl berichtet in einem beachtenswerten Aufsatz für die Deutsche Zeitschrift "G.R.A.L." ebenfalls über die Batterien. Die Recherchen von Dendl ergaben, dass die Funde von Ktesiphon andersartige Bleche enthielten. Dendl: "(...) die kleinen Bleche des Ktesiphon-Fundes (waren) spiralig zusammengerollt, wobei sich dazwischen auch noch Papyrus befand."

Jörg Dendl bezieht sich bei seinen Beschreibungen auf einen umfangreichen Artikel von Emmerich Paszthory in dem Magazin Antike Welt, in dem es heißt, dass die zehn einzelnen und gerollten Bleche innerhalb der "Vase" von einem "faserigen Material aus Zellulose" getrennt wurden.

Funktion als Kondensator
Eine zu vermutende Funktion als Batterie ist hier ausgeschlossen. Jedoch können wir spekulieren und nur das, da das genaue Aussehen dieses Fundes unbekannt ist dass es sich hierbei um einen Aufbau nach Art eines Kondensators handelt. Das heißt, die mutmaßlichen Papyrus zwischen den Metallblechen dienten als Isolator, da auch heute Kondensatoren zwei gewickelte Leiter (Elektroden) besitzen, die von Nichtleitern, dem so genannten Dielektrikum, getrennt werden.

Diese Vermutung muss jedoch solange als dahingestellt betrachtet werden, bis konkrete und detaillierte Beschreibungen dieses Fundes vorliegen.

Autor: Lars A. Fischinger

Quelle: freenet.de
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