UN-Kritik an Konzernen: Schwerer Raubbau an der Natur

Die Vereinten Nationen wollen den Schutz der Ökosysteme zur Aufgabe der Politik machen.
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Die Vereinten Nationen wollen den Schutz der Ökosysteme zur Aufgabe der Politik machen.

 © jonfeinstein (Lizenz: cc-by)
20.07.2010 - 15:31 Uhr von Henning Schultze

Laut einer aktuellen UN-Studie sterben Arten heute 100-mal schneller aus als von der Evolution vorgesehen. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert UN-Umweltchef Achim Steiner die Ignoranz der großen Konzerne in Hinblick auf den Umweltschutz und warnt davor, dass "das natürliche Kapital der Welt im großen Stil vernichtet" wird. Die Großkonzerne zeigen sich von dieser Entwicklung allerdings wenig beeindruckt.

Und warum sollten sie auch? Immerhin haben Umweltverschmutzung und die wirtschaftliche Ausbeutung verschiedener Ökosysteme in den meisten Fällen keinerlei Auswirkungen auf die Bilanz der Unternehmen.

"Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und Steuerzahler." berichtet UN-Umweltchef Achim Steiner im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Dabei sollten gerade an dieser Stelle die Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden. Denn laut einer aktuellen UN-Studie sind alleine die 3000 bedeutendsten, internationalen Unternehmen für Umweltschäden in Höhe von bis zu zwei Billionen Euro pro Jahr, durch Verschmutzung von Luft und Gewässern und das Aussterben von Arten, verantwortlich.

Bedenkt man, dass diese Kosten in der Regel von Versicherungen und Steuerzahlern getragen werden, bleibt fraglich, warum sich "der Raubbau an der Natur durch die Wirtschaft […] seit Jahren ungebremst […]" fortsetzen konnte, wie Steiner in der Süddeutschen Zeitung kritisiert.

Inzwischen sterben heute ganze Arten etwa 100-mal schneller aus als es von der Evolution vorgesehen ist. Jeden Tag werden etwa 130 Arten durch die Rodung von Urwäldern, das Verschwinden von Mooren, die Einbetonierung von Flüssen oder die Erosion von Berghängen vom Antlitz der Erde getilgt.

Experten des UN-Umweltprogramms reden gar von einem "sechsten globalen Massensterben", in dem neben den Arten auch die Wildnis, Lebensräume und Ökosysteme so schnell wie niemals zuvor verloren gehen.

Eine alarmierende Entwicklung und eine ernstzunehmende Warnung vor allem für die großen internationalen Konzerne sollte man meinen. Doch diese scheinen sich für das Problem, dass nicht nur wirtschaftliche, sondern auf lange Sicht auch ganz elementare Folgen nach sich ziehen kann, nicht besonders zu interessieren.

Nach einer UN-Studie haben sich von den hundert größten Unternehmen gerade einmal zwei den Umweltschutz als strategisches, langfristiges Handlungskonzept zur Aufgabe gemacht, während von 1100 befragten, internationalen Top-Managern nur jeder Vierte das Artensterben und den Verlust von Ökosystemen als mögliche Bedrohungen für das eigene Unternehmen sieht.

Aus diesen Gründen fordern die Vereinten Nationen die Regierungen weltweit zum Handeln auf und verlangen, dass neben dem Klimaschutz auch der Schutz der Ökosysteme als Umwelt-Politikfeld eingeführt werden muss. Durch Abgaben und Steuern könne so der Umweltschutz reglementiert und das Bewusstsein für den Umweltschutz geschärft werden.

Und das scheint gerade in Europa notwendig zu sein: Während in Afrika 50 Prozent der Konzernchefs in der Umweltverschmutzung eine Gefahr für das eigene Geschäft sehen, sind es in Lateinamerika noch 45 Prozent und in Europa lediglich 20 Prozent der Führungskräfte. In Sachen Umweltschutz scheinen viele Europäische Länder demnach noch den Status eines Schwellen- oder Entwicklungslandes zu besitzen.

Quelle: freenet.de
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