Freerider in der Zwickmühle: Schnee als Fluch und Segen

Freerider in der Zwickmühle: Schnee als Fluch und Segen
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Freerider in der Zwickmühle: Schnee als Fluch und Segen

 © SID

Eigentlich freut sich jeder Skifahrer über Schnee - das gilt auch für die Freeride-Szene. Doch wenn der Contest ansteht, sind Wolken kontraproduktiv.

Verbier (SID) - Manchmal wartet Felix Wiemers gerne auf die Sonne. "Als ich die Wolken gesehen habe, habe ich mich nochmal umgedreht und noch eine Stunde geschlafen", sagt der Extrem-Skifahrer dem SID. Felix Wiemers ist das Warten gewohnt - auch beim Finale der Freeride World Tour in Verbier macht es der Wettergott spannend. Eigentlich ist Schnee ein Segen, doch für den Wettkampf braucht es nun mal einen klaren Himmel.

"Alles andere ist viel zu gefährlich", sagt Nicolas Hale-Woods. Für den Gründer der Tour hat die Sicherheit seiner Athleten die höchste Priorität. "Wir zeigen den anderen Freeridern, den jungen Leuten, dem Nachwuchs, wie man richtig und sicher fährt. Wir haben hier eine Vorbildfunktion." Heute fahren alle Athleten mit Helm, jeder hat einen Lawinenrucksack dabei. Die Tour kümmert sich darum, das Risiko zu minimieren - dazu gehört auch eine intensive Vorbereitung auf den Wettkampf.

Für das "Xtreme Verbier" braucht es ein Jahr Vorbereitungszeit, 200 Mitarbeiter kümmern sich in dem Schweizer Bergort um den reibungslosen Ablauf - doch die Witterungsbedingungen kann niemand beeinflussen. "Wir reagieren darauf, indem wir ein möglichst langes Wetterfenster vorhalten. Außerdem haben wir von Anfang an immer drei bis vier Alternativen geplant, damit möglichst kein Wettkampf ausfallen muss", sagt Hale-Woods.

Auch ein Meteorologe gehört zum Team - er beobachtet das Wetter an den verschiedenen Wettkampfstätten das ganze Jahr über. Am liebsten würde Hale-Woods im Winter stündliche Updates zur Situation bekommen. "Aber das macht einen verrückt - es gibt zweimal am Tag eine Zusammenfassung, dann wird geschaut, ob wir an der Planung etwas ändern müssen."

Zur sogenannten Face Inspection, bei der die Rider die Gelegenheit haben, den Hang zu studieren und sich ihre eigene Linie zur waghalsigen Abfahrt zu suchen, ist der 3223 Meter hohe Roc de Besses wolkenverhangen. Für Fahrer und Organisatoren heißt es daher schon wieder: "Termin verschoben". Hale-Woods konsultiert den Fachmann, am Freitagnachmittag soll der Himmel aufreißen. 

"Wir müssen den Hang auf jeden Fall vorher gesehen haben", sagt Wiemers: "Es ist dieses Jahr schon knifflig. Es gab ein paar Verschiebungen, und das macht es nicht gerade leicht. Aber fürs Wetter kann ja nunmal keiner was, und damit müssen wir irgendwie umgehen." 

Der 24-Jährige ist ein Multitalent, im Sommer tritt er in der Kunstturn-Bundesliga beim KTV Obere Lahn an. In seinem zweiten Jahr auf der Tour hat sich Wiemers erstmals für das Finale der besten zwölf Skifahrer in Verbier qualifiziert - die Unwägbarkeiten nimmt er wie ein alter Hase.

"Ich habe aufgehört, mich über das Wetter aufzuregen, das kostet mich zu viel Energie", sagt er. Beim letzten Tourstopp in Alaska mussten Wiemers und Co. neun Tage überbrücken, bis der Wettkampf endlich über die Bühne gehen konnte. Das gibt dem einzigen Deutschen unter den besten Freeridern der Welt die nötige Gelassenheit.

"Irgendwann wird es schon passen, und bis dahin gehen wir vielleicht noch mal in den Wellness-Bereich. Irgendwas findet sich immer." Am Ende zeigt sich Verbier von seiner besten Seite: Bei strahlendem Sonnenschein ging es am Samstag wie geplant den Bec de Rosses hinab. Und Wiemers hatte Pech. Er verlor bei einem Sprung einen Ski und schied schnell aus.

Quelle: 2015 SID (Sport Informationsdienst Neuss)
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