Lehner: Suspendierung russischer Athleten "juristisch ganz heikel"

Lehner: Suspendierung russischer Athleten "juristisch ganz
heikel"
Bild 1 von 1

Lehner: Suspendierung russischer Athleten "juristisch ganz heikel"

 © SID
20.12.2017 - 16:30 Uhr

Sportrechtsexperte Michael Lehner sieht juristische Probleme bei einer provisorischen Suspendierung dopingverdächtigter Athleten.

Köln (SID) - Sportrechtsexperte Michael Lehner sieht juristische Probleme bei einer provisorischen Suspendierung dopingverdächtigter Athleten. "Das ist rechtliches Neuland. Aber die Zurechnung einer individuellen Schuld ohne positive Dopingprobe ist juristisch ganz heikel", sagte der Heidelberger Rechtsanwalt dem SID: "Außerdem sind lebenslange Sperren völlig überzogen. Das ist nur ein politisches Zeichen."

Am Dienstag hatte die Anti-Doping-Kommission des Bob- und Skeleton-Weltverbandes IBSF sich wegen rechtlicher Probleme gegen eine provisorische Suspendierung der lebenslang von Olympia ausgeschlossenen Sotschi-Sieger Alexander Tretjakow und Alexander Subkow ausgesprochen. Wie die IBSF mitteilte, sieht das Gremium nach Studium der detaillierten Urteilsbegründungen der Oswald-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) juristische Hindernisse bei der Durchsetzung der Strafe.

Dies könne neben den Suspendierungen vom Weltcup auch die vom IOC verhängten lebenslangen Olympia-Sperren betreffen. Die betroffenen russischen Athleten gehen vor dem Internationale Sportgerichtshof CAS gegen ihre Sperren vor. Lehner empfiehlt daher, "das System Russland zu sperren", denn "der russische Verband ist überführt".

Die Vorgehensweise des Bob- und Skeleton-Weltverbandes verstoße nach Ansicht seines eigenen Anti-Doping-Panels gegen den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und die Regelungen der IBSF. Außerdem sei dies höchstwahrscheinlich nicht vereinbar mit internationalem Recht, Schweizer Verfahrensrecht und der Europäischen Konvention für Menschenrechte.

Das Exekutivkomitee der IBSF hatte am Dienstagabend angekündigt, Einspruch gegen die Entscheidung des Gremiums vor dem CAS einzulegen. Insgesamt wurden bisher durch die Oswald-Kommission 32 russische Sportler lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen, 13 davon fallen in die Zuständigkeit der IBSF.

Auch das IOC reagierte mit Unverständnis und unterstützt die IBSF bei dem Gang vor den CAS. "Wir können die Schlussfolgerungen des IBSF Anti-Doping-Panels nicht nachvollziehen oder akzeptieren", sagte ein IOC-Sprecher auf SID-Anfrage. Die Ergebnisse der Oswald-Kommission stützten sich demnach "auf umfangreiche forensische Beweise".

Skeleton-Pilot Tretjakow darf nach der Entscheidung der IBSF weiter im Weltcup an den Start gehen. Bob-Pilot Subkow ist inzwischen zurückgetreten und mittlerweile Präsident des russischen Schlittenverbandes. Ihre Goldmedaillen von Sotschi wurden den beiden Athleten vom IOC aberkannt.

Quelle: 2017 SID (Sport Informationsdienst Neuss)
Kommentare
Top-Themen
Das 0:0 in Liverpool ist kein gefahrloses Ergebnis für die Bayern. Der Abend in Anfield zeigt, dass eine wilde ...mehr
Schon wieder kein Sieg für Borussia Dortmund, der Vorsprung auf Verfolger Bayern in der Bundesliga schmilzt immer weiter.mehr
Die deutsch-englischen Fußball-Wochen gehen weiter. Die Kraftprobe Liverpool gegen Bayern vermittelt fast schon ...mehr
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Video
Medaillenspiegel
#TeamGSBGesamt
1.Norwegen14141139
2.Deutschland1410731
3.Kanada1181029
4.USA98623
5.Niederlande86620
6.Schweden76114
7.Südkorea58417
8.Schweiz56415
9.Frankreich54615
10.Österreich53614
Sport-Quiz
Von Fußball bis Olympia, von Tennis bis Wintersport: Beantworten Sie Fragen aus allen Bereichen und testen Sie Ihr Fachwissen!mehr
Anzeige