Hoffnung auf Boom: Deutschland will Frauenfußball-WM 2027

Der Deutsche Fußball-Bund bewirbt sich zusammen mit Belgien und
den Niederlanden um die Ausrichtung der Frauen-WM 2027.
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Der Deutsche Fußball-Bund bewirbt sich zusammen mit Belgien und den Niederlanden um die Ausrichtung der Frauen-WM 2027.

 © Francisco Seco

Deutschland will wieder eine Frauenfußball-WM ausrichten. Nicht allein, diesmal gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden. Nach der Männer-EM 2024 in Deutschland wäre das ein weiterer Fußball-Höhepunkt in den kommenden Jahren.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2027 soll dem stagnierenden Frauenfußball in Deutschland einen neuen Boom bescheren. Der Deutsche Fußball-Bund gab die Bewerbung für den internationalen Titelkampf bekannt, gemeinsam mit den Niederlanden und Belgien.

Die Initiative dafür war von den Niederlanden ausgegangen. Der DFB war bereits Gastgeber der Frauen-WM 2011. Ein Zeitpunkt der WM-Vergabe steht noch nicht fest.

"Nach der EURO 2024 in Deutschland wäre die Frauen-WM 2027 ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte des Fußballs, dem wir in Deutschland gemeinsam mit unseren Nachbarn gerne eine Heimat geben würden", sagte DFB-Präsident Fritz Keller in einer Mitteilung. In einer Zeit, da der größte Einzelsportverband der Welt mit vielen Negativschlagzeilen aufwartet, kommt die Bewerbung gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Gesicht der deutschen Bewerbung wird Silvia Neid, die als Co-Trainerin und Bundestrainerin 2003 und 2007 Weltmeisterin wurde und 2016 den Olympiasieg errang. "Es macht Spaß, für eine Sache zu kämpfen. Nämlich, dass wir diese WM 2027 in unsere Länder bekommen", sagte Neid in einem DFB-Video. Vor allem für die Entwicklung an der Basis sei es enorm wichtig. "Wir haben seit vier Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Wir müssen aber Titel gewinnen. Die Zuschauer müssen in die Stadien kommen, die Mädels brauchen Vorbilder", betonte Neid. Dafür wäre die Präsenzzeit mit der Nationalmannschaft im Fernsehen sehr wichtig genauso wie ein erfolgreiches Abschneiden.

Die DFB-Auswahl hatte bei der WM 2015 Kanada den vierten Platz belegt und war 2019 in Frankreich im Viertelfinale ausgeschieden. Derzeit versucht Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ein schlagkräftiges Team für die EM 2022 in England aufzubauen. Die nächste WM steht 2023 in Australien und Neuseeland an.

Zudem erhofft sich Neid einen Hype wie 2011, als das Interesse am Frauenfußball vornehmlich medial gewaltig Fahrt aufnahm. Das aber stagniert seit einiger Zeit - vor allem in der Bundesliga, die durchschnittlich nicht einmal tausend Zuschauer pro Spiel hat. Zwar hat die Zahl der weiblichen Mitglieder im DFB im vergangenen Jahr von 813 104 auf 821 920 leicht zugenommen, die Frauen-Mannschaften aber gingen innerhalb eines Jahres von 5952 auf 5385 zurück, die der Mädchen-Teams bis 16 Jahre von 4842 auf 4525.

Wie der DFB mitteilte, hätten die drei Verbände bereits in den vergangenen Wochen beim Weltverband FIFA und der UEFA ihre Pläne vorgetragen. Jetzt sollen weitere Grundsätze für das Turnier entworfen werden, Ende des Jahres solle es eine Vereinbarung geben. "Wir wissen, wie hoch die Hürden sind, bis man den Zuschlag für die Ausrichtung eines solchen Turniers erhält. Unsere organisatorische Erfahrung, die Stärke unseres neuen DFB und die Perspektive der internationalen Zusammenarbeit lassen uns jedoch optimistisch in die Zukunft schauen", sagte Keller.

Der Generalsekretär des niederländischen Verbands (KNVB) betonte, dass die Zusammenarbeit zum Sport passt. "Der Frauenfußball ist traditionell bekannt für sein starkes Gemeinschaftsgefühl, wobei alle Beteiligten das höhere Ziel im Blick haben, nämlich den Sport weiter bringen. Dass wir dieses Projekt als drei Fußball-Konkurrenten und zugleich gute Nachbarn gemeinsam aufgreifen, knüpft bei dieser Idee an", sagte Gijs de Jong.

Peter Bossaert, Vorstandsvorsitzender des belgischen Fußballverbandes (RBFA), sagte bei "sporza.be": "Die Organisation der Weltmeisterschaft wäre ein enormer Schub für unser Land und für die weitere Entwicklung des Frauenfußballs in Belgien, der ganz oben auf unserer Prioritätenliste steht. Es wird ein herausfordernder Prozess, aber wir schätzen unsere Chancen als hoch ein."

Der DFB feiert am 31. Oktober dieses Jahres ein Jubiläum: Vor 50 Jahren hob der Verband sein Verbot des Frauenfußballs auf. Dass die Protagonistinnen den langen und harten Kampf um Anerkennung nicht vergessen haben, zeigt das Bewerbungsvideo: Da sitzen Neid und ihre Mitstreiterinnen Femke Maes (Belgien) und Sarina Wiegman vor einem altmodischen Kaffeeservice - kleine Reminiszenz an die DFB-Prämie für die deutschen Europameisterinnen 1989.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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