Nach 0:5-Pleite gegen ManU: Spott für "Bayer 05"

Am liebsten würde Leverkusens Stürmer Stefan Kießling sich
unsichtbar machen. Mit 0:5 ist die Werks-Elf in der Champions
League gegen Manchester United untergegangen. Nach der höchsten
Heimniederlage der Vereinsgeschichte muss die Mannschaft von
Trainer Sami Hyypiä Hohn und Spott über sich ergehen lassen.
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Am liebsten würde Leverkusens Stürmer Stefan Kießling sich unsichtbar machen. Mit 0:5 ist die Werks-Elf in der Champions League gegen Manchester United untergegangen. Nach der höchsten Heimniederlage der Vereinsgeschichte muss die Mannschaft von Trainer Sami Hyypiä Hohn und Spott über sich ergehen lassen.

© Patrik Stollarz - AFP
28.11.2013 - 13:17 Uhr

Am Ende eines grausamen Abends war die Ignoranz der Fans fast schon eine tröstliche Nachricht: "Nur" 5,59 Millionen Menschen und damit bis zu 50 Prozent weniger als sonst hatten bei der Free-TV-Premiere in dieser Saison das denkwürdige 0:5 (0:2)-Debakel von Bayer Leverkusen gegen Manchester United verfolgt. Vor Hohn, Spott und herber Kritik bewahrte das die Rheinländer nach der höchsten Heimniederlage der Vereinsgeschichte aber nicht.

Vor allem Bayers früherer Manager Reiner Calmund redete sich als Experte bei Sky angesichts der ängstlichen, peinlichen und erschütternden Vorstellung seines Ex-Vereins richtig in Wallung. "Das war zum Kotzen", schimpfte der 65-Jährige: "Das hatte mit Champions League nicht im Geringsten etwas zu tun und ist nicht im Ansatz zu akzeptieren." Am schlimmsten seien für ihn "Spieler, die große Scheiße spielen und andere auch noch anmachen. Das ist das Letzte."

Dicht neben ihm rang auch "Kaiser" Franz Beckenbauer um Fassung. "An solchen Tagen bleibst du besser zu Hause und schaust nicht einmal zum Fenster raus. Das war ein rabenschwarzer Tag", analysierte er schließlich. Im ZDF sah Experte Oliver Kahn "einen Klassen-Unterschied in allen Belangen, die den Fußball ausmachen". Und die britische Zeitung Telegraph lästerte: "Statt Bernd Leno hätte Bayer auch Jay Leno ins Tor stellen können."

Die Leverkusener verstanden direkt nach dem Schlusspfiff noch gar nicht so recht, was in den 90 Minuten zuvor passiert war. Doch auf das mediale Echo waren sie vorbereitet. "Was immer ihr schreiben werdet, es ist zurecht. 5:0 geht gar nicht", sagte Kapitän Simon Rolfes zu den Journalisten. Sportchef Rudi Völler erwartete mit der Erfahrung von 35 Jahren im Profifußball, "dass wir jetzt ein bisschen durch den Kakao gezogen werden. Das haben wir auch verdient."

Auch Mittelfeldspieler Stefan Reinartz befand, "dass 5:0 schon scheiße aussieht". Die Frage, ob es ein "peinlicher" Auftritt gewesen sei, ging ihm aber zu weit. "Es tut mir leid, wenn wir Schande über den deutschen Fußball gebracht haben", meinte der 24-Jährige mit bitterer Ironie: "Ich wüsste nicht, bei wem wir uns entschuldigen sollten. Es war immer noch Manchester United, auch wenn sie im Moment Sechster sind."

Trotz des Fehlstarts in der Liga und des Ausfalls von vier Stammspielern nahm United Bayer auseinander und machte 20 Monate nach dem 1:7 Bayers in Barcelona klar: Gegen europäische Großmächte stößt der Bundesliga-Zweite schmerzhaft an Grenzen. Die Pleite nach Toren von Antonio Valencia (22.), Jonny Evans (65.), Chris Smalling (77.) und Nani (88.) sowie einem Eigentor von Emir Spahic (30.) war die höchste Heimniederlage eines deutschen Klubs und der höchste Auswärtssieg eines englischen in der Königsklasse.

Die Gelegenheit, sich endlich einmal einem Millionenpublikum zu präsentieren und als dritter deutscher Spitzenklub zu positionieren, setzte Bayer grandios in den Sand. "Das haben wir leider völlig verpatzt", gab Rolfes zu. "Im Nachhinein würde ich mir wünschen, es wäre ein anderes Spiel von uns übertragen worden", ergänzte Reinartz.

Spannend wird, wie die in dieser Saison bisher so überzeugende Werkself mit dem Rückschlag umgeht. "Für die Tabellenkonstellation ist es scheißegal, ob das Spiel 1:0 oder 5:0 ausgeht", erklärte Rolfes: "Aber wir müssen zusehen, dass wir jetzt keinen Knacks bekommen."

Eine schwierige Aufgabe. Seine überwiegend jungen Spieler seien "alle total geknickt", berichtete Völler: "Damit hatte ja niemand gerechnet. Das war ein sehr, sehr bitterer Abend für uns, das tut richtig weh." Trainer Sami Hyypiä stellte bereits die Charakterfrage: "Ich mache mir Gedanken, was ich besser machen kann. Ich hoffe, das tun die Spieler auch."

Denn es stehen wichtige Wochen für "Bayer 05" an. In der Liga wollen die Rheinländer am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg und eine Woche darauf in Dortmund das Etikett "Bayern-Jäger Nummer eins" verteidigen. In der Champions League ist das Weiterkommen noch möglich, wenn Bayer am 10. Dezember in San Sebastian mehr Punkte holt als Donezk in Manchester.

Diese Aussicht beschämte Völler fast ein wenig. "Es ist ja fast schon makaber, vom Weiterkommen zu reden, wenn man gerade 0:5 verloren hat", meinte er: "Aber wir müssen uns in San Sebastian rehabilitieren und diesen furchtbaren Abend vergessen machen."

sid/hei

Quelle: 2013 AFP
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Pl Verein SP Tore Pkt
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2 Schalke 31 49:35 56
3 Dortmund 31 61:41 54
4 Leverkusen 31 55:41 51
5 Hoffenheim 31 60:44 49
6 RB Leipzig 31 47:47 47
7 Frankfurt 31 41:40 46
8 M'gladbach 31 42:48 43
9 Hertha BSC 31 38:35 42
10 Stuttgart 31 29:35 42
11 Augsburg 31 40:40 40
12 Werder 31 34:38 37
13 Hannover 31 38:47 36
14 Wolfsburg 31 30:40 30
15 Mainz 05 31 32:49 30
16 Freiburg 31 26:51 30
17 Hamburg 31 24:48 25
18 Köln 31 31:60 22
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