Vize-Weltmeister: Thole/Wickler werden "nicht abheben"

Julius Thole (l) und Clemens Wickler wurden WM-Zweite in
Hamburg.
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Julius Thole (l) und Clemens Wickler wurden WM-Zweite in Hamburg.

 © Christian Charisius

Ein wenig schmerzt die verpasste große WM-Sensation noch immer. Doch bei Pasta und Pizza im Kreis der Familien, Trainer, Betreuer und einiger Fans gibt es für die Vize-Weltmeister Thole/Wickler nur Anerkennung. Die Messlatte für die neuen Beachboys liegt nun höher.

Hamburg (dpa) - Bei der kleinen Vize-Feier in einem italienischen Restaurant im Kultkiez St. Pauli präsentierten Julius Thole und Clemens Wickler ihr schönstes Lachen.

"So sehen Sieger aus", schmetterten die rund 50 Gäste beim Schein von Wunderkerzen, obwohl die beiden Beachvolleyball-Youngster nach einem sensationellen Verlauf der Heim-WM im Finale den bärenstarken Russen Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski knapp mit 1:2 unterlegen waren.

"Es ist unglaublich, was in zehn Tagen passiert ist. Es wäre natürlich ein riesen Ding gewesen, gleich bei unserer ersten WM den Titel zu gewinnen", sagte Vize-Weltmeister Wickler noch einmal etwas wehmütig und versprach: "Abheben werden wir garantiert nicht. Ich hole Julius auf den Teppich zurück und er mich."

Bei Pasta und Pizza wurde dann vor allem von rosige Perspektiven gesprochen. "Wenn wir gelassen auftreten und uns regulieren, können wir jedes Team der Welt schlagen", erklärte 2,06-Mann Thole. Im Endspiel wirkte der Blockspezialist nicht mehr so fit wie bei den starken Auftritten zuvor, was auch mit leichten Kreislaufproblemen zusammenhing und im Tiebreak zu einer medizinischen Pause führte.

Als mitentscheidend für den verpassten Triumph aber wollte Thole das nicht herausstellen. Vielmehr hob er die Stärke der Russen hervor: "Beim 8:8 fängt Oleg an, wie ein Wahnsinniger aufzuschlagen."

Der Sieg in Hamburg soll nur aufgeschoben sein. "Hoffentlich haben wir noch viele Turniere hier, um mal eins zu gewinnen", sagte Jura-Student Thole. "Wir haben gesehen, wie viel mit Spaß und Freude geht", fügte der 24 Jahre alte Wickler an, der neben dem Leistungssport noch ein BWL-Fernstudium absolviert.

Hamburg war für das Duo ein Quantensprung, für den Deutschen Volleyball-Verband ein Glücksfall. Denn die anderen deutschen Teams hinken der Weltklasse derzeit mit größerem Abstand hinterher. So müssen Olympiasiegerin und Ex-Weltmeisterin Laura Ludwig und ihre neue Partnerin Margareta Kozuch nun beim nächsten Welttour-Turnier in Gstaad ab Dienstag schon in der nervigen Qualifikation ran.

Die neuen Vizeweltmeister Thole/Wickler verzichten nach der kräftezehrenden Heim-WM entgegen der ursprünglichen Planungen auf einen Start in der Schweiz. Die medizinische Abteilung will zunächst ausschließen, dass ein Infekt die Ursache für Tholes Probleme war. Ihr nächster Welttour-Auftritt ist nun ab dem 17. Juli beim Vier-Sterne-Turnier im portugiesischen Espinho geplant.

Die Hamburger wissen, dass die Messlatte für sie jetzt weiter oben liegt. Ob sie schon dauerhaft in der Weltspitze angekommen sind? "Ich weiß nicht", sagte Thole. Auf jeden Fall aber sei "das Selbstbewusstsein extrem gestiegen", betonte der 22-Jährige: "Wir haben bei der WM vier absolute Topteams geschlagen, teilweise sogar souverän. Das gibt uns mehr Gelassenheit."

In der Weltrangliste sind Thole/Wickler, im Juni 2018 noch auf Rang 65, auf Platz sieben geklettert. Im Ranking für Tokio 2020 sind sie sogar Fünfte. Die ersten 15 bekommen Ende Juni nächsten Jahres ein Olympia-Ticket. "Das ist unser großes Ziel", betonte Wickler.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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