Hattrick beendet Ajax-Märchen: Spurs im Finale gegen Klopp

Lucas Moura feiert seinen dritten Treffer zum 3:2-Sieg und dem
Finaleinzug von Tottenham.
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Lucas Moura feiert seinen dritten Treffer zum 3:2-Sieg und dem Finaleinzug von Tottenham.

© Peter Dejong

Dienstag Spektakel in Liverpool, Mittwoch Spektakel in Amsterdam. Auch Ajax und Tottenham bieten ihren Fans eine große Fußball-Show. Im Finale kommt es nun zu einem englischen Showdown. Daran hat vor allem ein Brasilianer großen Anteil.

Amsterdam (dpa) - Trainer Mauricio Pochettino sank ungläubig auf den Rasen, schlug die Hände vor das Gesicht und konnte es einfach nicht fassen.

24 Stunden nach Jürgen Klopp und dem FC Liverpool hat Tottenham Hotspur für das nächste britische Fußball-Wunder gesorgt. Dank Dreifach-Torschütze Lucas Moura zogen die Londoner in einer weiteren denkwürdigen Europacup-Nacht in das Finale der Champions League gegen die Reds ein und beendeten das Außenseiter-Märchen von Ajax Amsterdam in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

Die Spurs erreichten ihr erstes Königsklassen-Endspiel am 1. Juni in Madrid durch einen 3:2-Sieg und schafften dabei ein ähnlich eindrucksvolles Comeback wie Trainer Klopp und die Reds tags zuvor beim 4:0 nach einer 0:3-Hinspiel-Niederlage gegen den FC Barcelona. "Es war eine unglaubliche Nacht", sagte Pochettino - und er hatte recht.

Nach dem Abpfiff stürmten Trainerteam und Ersatzspieler der Spurs auf den Platz und feierten ihren Hattrick-Helden Lucas Moura. "Die zweite Halbzeit war ein komplett verrücktes Spiel", sagte Tottenhams Ex-Bundesligaprofi Heung-Min Son bei Sky. "Drei Tore von Lucas sind einfach Wahnsinn!" Tottenham gelang am Mittwoch als erst zweitem Verein in der Historie der Königsklasse der Final-Einzug trotz einer Hinspiel-Niederlage zu Hause - und machte dabei sogar noch einen 0:2-Pausenrückstand wett. "Wir sind sehr, sehr glücklich. Das kann man nicht in Worte fassen", sagte Son. "Ich glaube immer noch nicht, dass wir gewonnen haben." Sein Team habe "gefightet bis zum Ende".

Das tat auch Ajax, doch es brachte nichts. "Das ist hart und die schlimmste Art und Weise, aus der Champions League auszuscheiden", sagte Kapitän und Torschütze Matthijs de Ligt. "Wenn man so nah am Finale ist und in letzter Sekunde verliert, ist das unbeschreiblich."

Das Spiel in der stimmungsvollen Johan-Cruijff-Arena stand der Europacup-Sternstunde vom Vortag in Sachen Tempo, Dynamik und Atmosphäre in wenig nach. Nach den Treffern von de Ligt (5.) und Flügelstürmer Hakim Ziyech (35.) wähnte sich Ajax schon im ersten Finale seit 23 Jahren. Lucas Moura (55./59./90.+6) als Ersatz des weiter verletzten Superstars Harry Kane drehte aber das Spiel und verschaffte sich einen Platz in den Geschichtsbüchern des Wettbewerbs. Während Ajax das mögliche Triple verpasste, winkt der Premier League nun ein großer Triumph in den Europacups. Denn auch in der Europa League ist ein rein englisches Finale zwischen Frankfurts Gegner FC Chelsea und dem Londoner Stadtrivalen FC Arsenal durchaus möglich.

Der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart, der für beide Vereine spielte, hatte vor der Partie die Vermutung geäußert, Ajax müsse irgendwie die Anfangs-Offensive von Tottenham überstehen. Doch das Gegenteil war der Fall - Ajax erwischte einen Traumstart.

Dusan Tadic scheiterte zunächst mit einem abgefälschten Schlenzer noch an Tottenham-Keeper Hugo Lloris, doch nach der anschließenden Ecke hatten die Ajax-Fans Grund zu ohrenbetäubendem Jubel: Lasse Schöne flankte in die Mitte und Verteidiger de Ligt köpfte unhaltbar zum 1:0 ein. Der mit 19 Jahren jüngste Kapitän in einem Halbfinale der Königsklasse, an dem im vergangenen Sommer auch der FC Bayern Interesse gezeigt haben soll, hatte schon im Viertelfinal-Rückspiel getroffen und das entscheidende 2:1 gegen Juventus Turin erzielt.

Die Spurs ließen sich von dem Gegentor und der Wahnsinns-Kulisse jedoch nicht lange schocken. Nur eine Minute nach dem Rückstand hatte Son die Chance zum Ausgleich, traf jedoch nur den Pfosten. Beide Mannschaften boten von Beginn an Vollgas-Fußball, lieferten sich packende Zweikämpfe und suchten - wann immer es ging - den Weg nach vorne. Trotz einiger harter Duelle leitete der deutsche Schiedsrichter Felix Brych die Partie insgesamt souverän.

Die Rückkehr des im Hinspiel noch gesperrten früheren Leverkuseners und Hamburgers Son tat den Londonern sichtlich gut. Der Südkoreaner war praktisch in jeden gefährlichen Angriff involviert und scheiterte in der 23. Minute aus aussichtsreicher Position an Ajax-Torwart André Onana. Für die Gastgeber verzog Tadic aus spitzem Winkel (30.).

Sechs Minuten später machte es Ziyech besser. Nach einem schnellen Angriff über links setzte Tadic den Marokkaner im Strafraum mustergültig ein, Ziyech traf den Ball perfekt und sorgte zum zweiten Mal für ekstatische Freude auf den Rängen.

Tottenham gab sich jedoch nicht auf und kam mit einem Doppelschlag zurück ins Spiel. Der Brasilianer Lucas Moura schloss zunächst einen feinen Angriff zum 1:2 ab und traf nach viel Kuddelmuddel im Strafraum zum Ausgleich. Plötzlich musste Ajax mächtig zittern. Die Spurs drängten auf ihr drittes Tor, doch auch Amsterdam beschränkte sich keinesfalls auf die Defensive. Ziyech verpasste mit einem Pfostenschuss das 3:2, dann traf Lucas Moura zum dritten Mal. Der 26 Jahre alte Offensivmann krönte sich zum absoluten Matchwinner.

Quelle: dpa-infocom GmbH
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