Betroffener Ex-Profi über Fall Eriksen: "Die Angst ist schlimmer als jeder Schmerz"

Daniel Engelbrecht (rechts) erklärte "sternTV"-Moderator Steffen
Hallaschka, warum ihm der Fall Christian Eriksen an ihn selbst
erinnere.
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Daniel Engelbrecht (rechts) erklärte "sternTV"-Moderator Steffen Hallaschka, warum ihm der Fall Christian Eriksen an ihn selbst erinnere.

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Er habe sofort gewusst, was Sache ist, bekräftigte Ex-Profi Daniel Engelbrecht bei RTL zum Fall des kollabierten EM-Stars Christian Eriksen. Er selbst hat eine fast identische Situation auf dem Platz überlebt. Engelbrecht erklärte auch, welche Tortur ein Defibrillator-Implantat mit sich bringt.

Vielen Millionen TV-Zuschauern weltweit fuhr am vergagenen Samstag der Schock in die Glieder: Bei der EM-Vorrundenpartie Dänemark gegen Finnland brach der dänische Spieler Christian Eriksen unvermittelt zusammen und musste minutenlang auf dem Platz wiederbelebt werden. Einer, den die Szene in ganz persönlicher Weise betroffen machte, ist der deutsche Ex-Fußballer Daniel Engelbrecht. "Ich weiß, wie er sich fühlt, ich kann mich in die Situation hineinversetzen", erklärte der frühere Profi von Alemannia Aachen, Rot-Weiß Essen und dem VfL Bochum am Mittwochabend im Gespräch bei "SternTV": "Diese Hilflosigkeit, die er in dem Moment gespürt hat, diese Angst, die sich breit macht, ist schlimmer als jeder Schmerz."

Wie jüngst Eriksen hatte Engelbrecht am 20. Juli 2013 im Trikot der Stuttgarter Kickers einen Herzstillstand auf dem Platz erlitten. "Von jetzt auf gleich habe ich gemerkt, wie mir schwindelig und schwarz vor Auge wurde. Dann bin ich zusammengebrochen", erinnerte er sich an den dramatischen Moment bei RTL. Genau wie der dänische EM-Star habe er sich bei einem Einwurf anbieten wollen: "Es war dieselbe Situation", so Engelbrecht.

Aufgrund seiner eigenen Erlebnisse habe er während der EM-Partie vor dem Fernseher sofort gewusst, "was Sache ist". Engelbrecht: "Ich dachte: 'Oh mein Gott, bitte nicht! Und im nächsten Moment lag er schon da, und ich habe diesen Todesblick in seinen Augen gesehen und nur gehofft: Bitte, steh wieder auf!"

Daniel Engelbrecht: "Das sind Schmerzen, die kann ich nicht in Worte fassen"

Engelbrecht selbst hatte bei seinem Herzstillstand im Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt noch zehn Minuten weitergespielt bis zu seiner Auswechslung. "Warum?", wollte Moderator Steffen Hallaschka vom heute 30-Jährigen wissen. "Ich wusste nicht, was passiert ist", erklärte der Ex-Leistungssportler, der heute Vorträge hält über Gesundheitsvorsorge. Erst im Krankenhaus habe man bei ihm eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, vermutlich aufgrund eines verschleppten grippalen Infekts. "Gerade Fußballprofis sind prädestiniert dafür, eine Herzmuskelentzündung davonzutragen", warnte Engelbrecht bei "sternTV". "Weil sie sagen: 'Ich nehme mich nicht raus, die Grippe kurier' ich schon aus, aber ich trainiere erst mal weiter.' Deswegen denke ich, dass man da unbedingt intensiver draufschauen sollte."

Christian Eriksen, so wurde aktuell bekannt, muss ein implantierbarer Defibrillator (ICD) eingesetzt werden. Auch diese Erfahrung hat ihm Daniel Engelbrecht voraus. Dreimal habe das Implantat nach dem Fortsetzen der Karriere bei ihm ausgelöst, bis er entschied, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen: "Der Schock eines Defibrillators ist der schlimmste Schmerz, den ich jemals in meinem Leben hatte. Es fühlt sich an, als ob man von innen verbrennt und als ob von außen drei, vier Leute immer und immer wieder auf den Brustkorb eintreten", berichtete der Ex-Sportler. Engelbrecht: "Der Defibrillator hat meines Wissens 830 Volt, und die werden dir durch den ganzen Körper gejagt. Das sind Schmerzen, die kann ich nicht in Worte fassen."

Plötzlicher Herzkreislaufstillstand dritthäufigste Todesursache in Deutschland

Dass Vorfälle, wie sie die beiden Fußballer erlebten, auf die gesamte Gesellschaft betrachtet, keine Seltenheit sind, untermauerte im "sternTV"-Studio Professor Bernd W. Böttiger von der Uniklinik Köln. Das, was sich bei der Europameisterschaft vor einem entsetzten Millionenpublikum abgespielt habe, passiere 200-mal jeden einzelnen Tag in Deutschland: "Wir müssen uns vor Augen führen, dass der plötzliche Herzkreislaufstillstand bei uns die dritthäufigste Todesursache ist", erläuterte der Mediziner. Im Durchschnittsalter seien die Betroffenen 65 Jahre alt und in der Mehrzahl männlich. Komme so etwas bei jungen Leistungssportlern vor, liege die Ursache meist in einer verschleppten Virusentzündung, seltener in angeborenen Anomalien des Reizleitungssystems.

Gut sind die Überlebenschancen der Betroffenen nur dann, wenn schnell und richtig geholfen werde, mahnte der Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung. Aus diesem Grund lud Moderator Hallaschka die RTL-Zuschauer am Mittwochabend zu einer Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses. "Prüfen, rufen, drücken", nannte Professor Böttiger die wichtigste Merkformel. Sie meint: Als Erstes den womöglich Bewusstlosen ansprechen und die Atmung prüfen. Danach den Notruf tätigen und bis zum Eintreffen des Notarztes in der Mitte des Brustbeins mit der Herzdruckmassage beginnen - beim Erwachsenen fünf bis sechs Zentimeter tief mit einer Frequenz von zwei Stößen pro Sekunde.

Als musikalische Eselsbrücke für den richtigen Massage-Rhythmus wurden im RTL-Studio unterschiedliche Pop- und Schlager-Hits eingespielt, an denen sich Erstretter orientieren können. Darunter - thematisch passend - "Staying Alive" von den Bee Gees sowie - auch wenn es eher makaber klingt - "Atemlos" von Helene Fischer und "Quit Playing Games With My Heart" von den Backstreet Boys.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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