Böser Zoff um Esken-Absage bei "Anne Will": "Ich habe sie gerade an der Pommesbude getroffen"

Jens Spahn und Malu Dreyer (rechts), Ministerpräsidentin von
Rheinland-Pfalz, lieferten sich einen Schlagabtausch bei
Gastgeberin Anne Will.
Bild 1 von 25

Jens Spahn und Malu Dreyer (rechts), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, lieferten sich einen Schlagabtausch bei Gastgeberin Anne Will.

© ARD

Der Bundesgesundheitsminister als "Abteilung Attacke" der Union? Jens Spahn verschärfte bei "Anne Will" die Gangart im Wahlkampfendspurt nach dem Triell nochmals. Um die Talkshow-Absage der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken entbrannte ein heftiger und absurder Streit.

Der Ton wurde merklich schärfer im zweiten TV-"Triell": Am Sonntagabend trafen bei ARD und ZDF die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, sowie die Kanzlerkandidaten von SPD, Olaf Scholz, und Union, Armin Laschet, wieder vor laufenden Kameras aufeinander. Besonders Laschet war sichtlich darum bemüht, Scholz unter Druck zu setzen.

Dementsprechend viel zu besprechen gab es im Anschluss bei "Anne Will" - wo der Wahlkampf bruchlos weiterging. Insbesondere Jens Spahn (CDU) hatte sich offenbar vorgenommen, in der ARD-Talksendung ebenfalls in den Angriffsmodus zu schalten. Daraus entwickelte sich ein Privatduell des Bundesgesundheitsministers mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Anne Will: "Herr Spahn. Keine Verschwörungserzählungen konstruieren!"

Als ersten Angriffspunkt hatte Spahn offenbar ausgemacht, dass Olaf Scholz im Triell eine Koalition mit der Linkspartei erneut nicht explizit ausschloss. In dem Zusammenhang kam eine Reizpersonalie zur Sprache: "Bis vor zwei, drei Tagen hieß es, Frau Esken würde heute kommen", entgegnete Spahn, der sich in der Koalitionsfrage nach eigener Aussage mehr Klarheit von der SPD wünscht. "All diejenigen in Ihrer Partei, die gerne mit der Linkspartei koalieren wollen, die werden irgendwie versteckt jetzt die letzten zwei, drei Wochen, die dürfen gar nicht mehr auftreten", lautete seine scharf formulierte Behauptung.

Die Gastgeberin intervenierte energisch: "Nein, Frau Esken hat abgesagt. So war es, Herr Spahn. Keine Verschwörungserzählungen konstruieren!", stellte Anne Will klar. Nach Aussage des ebenfalls anwesenden Journalisten Robin Alexander war die SPD-Parteivorsitzende gar nicht so weit entfernt. Er habe sie gerade noch "an der Pommesbude getroffen", lediglich "300 Meter weg, sie ist da".

Sichtlich angefasst reagierte Malu Dreyer auf die unerwartete Attacke. "Sie ist unsere Parteivorsitzende", stellte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz zu Saskia Esken klar. Man könne sie mögen oder nicht, aber "man kann mit niemandem so umgehen". Es sei "ziemlich unverschämt" von Spahn, "solche Dinge" zu unterstellen.

So reagiert das Netz aufs TV-Triell:

Malu Dreyer unterstellt Laschet "blumige Halbwahrheiten"

Die SPD-Frau ging sofort zum Gegenangriff über - Malu Dreyer sprach über die Vorwürfe, die Armin Laschets im Triell Olaf Scholz im Zusammenhang mit einer Razzia im Finanzministerium machte. Man müsse schon "bei der Wahrheit bleiben", forderte Dreyer. Sie unterstellte Laschet, "blumige Halbwahrheiten" bezüglich der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Finanzministerium - Scholz ist als Finanzminister zuständig - zu verbreiten. Zuletzt gab es Durchsuchungen im Finanz- und Justizministerium: Gegen Teile der Spezialeinheit Financial Intelligence Unit (FIU) wird aufgrund von mutmaßlicher Strafvereitelung im Amt ermittelt.

Die zentralen Themen aus dem TV-Triell:

  1. Vor zwei Wochen war kritisiert worden, dass DIGITALISIERUNG keine Rolle gespielt habe. Nun wurden BaerbockScholz und Laschet danach befragt - und alle drei benannten Fortschritte hier als dringliche Aufgabe der neuen Regierung. "Wir haben viel gemacht, aber es reicht nicht", sagte Laschet. Er bekräftigte seinen Plan, im Fall einer Kanzlerschaft ein Digitalministerium einzurichten. Baerbock lehnte ein solches Ministerium ab, das Zukunftsthema Digitalisierung müsse in den Aufgabenbereich des Kanzlerinnenamtes, forderte sie. Scholz betonte, dass für die Breitbandinfrastruktur schon viel Geld zur Verfügung gestellt worden sei. "Ich glaube, es liegt schon längst nicht mehr am Geld."

  2. Kontroverser wurde es beim Thema MIETENScholz und Baerbock sprachen sich dafür aus, Schranken gegen steigende Mieten zu errichten. Es müsse auf Bundesebene ermöglicht werden, für Städte mit explodierenden Mieten Obergrenzen einzuziehen, sagte BaerbockScholz erläuterte, neben dem Bau von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr strebe die SPD ein "Mietmoratorium" an, damit bei Neuvermietungen Mieten nicht mehr so stark steigen könnten. Laschet legte den Fokus auf Anreize für Investitionen in zusätzliche Wohnungen. Nötig sei "mehr und schnelleres Bauen". Dazu müsse man zum Beispiel die Bauordnung vereinfachen.

  3. Beim Thema KRANKENVERSICHERUNG zogen Scholz und Baerbock an einem Strang. Beide befürworteten die Einführung einer Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Das sei für ihn "eine Herzensangelegenheit schon seit langer Zeit", sagte ScholzBaerbock betonte: "Ja, ich will den Weg zu einer Bürgerversicherung gehen, die bedeutet, dass viel mehr Menschen einzahlen." Der erste Schritt sei, "dafür zu sorgen, dass Menschen, die jetzt privat versichert sind, in die Gesetzliche wechseln können". Laschet lehnte eine solche Versicherung ab. "Hier unterscheiden wir uns fundamental." In Dänemark oder auch Großbritannien habe die Einheitsversicherung ein schlechteres Gesundheitssystem zur Folge.

  4. Konträr ging es auch beim Thema RENTE zu. Scholz sagte, man müsse jungen Leuten die Garantie geben, dass das Renteneintrittsalter und das Rentenniveau stabil blieben. Laschet nannte diese Aussage nicht seriös. Man könne nicht Menschen, die heute ins Berufsleben starten, sagen, es werde alles so bleiben. So müsse bei der betrieblichen Altersvorsorge ein besseres System gefunden werden, die Riester-Rente sei nicht effektiv und attraktiv. Baerbock sprach sich für mehr Fachkräftezuwanderung und einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro aus. Außerdem müssten mehr Frauen in Vollzeit arbeiten können.

Dreyer warf der Union vor, es werde suggeriert, dass gegen Olaf Scholz selbst oder Mitarbeiter im Bundesfinanzministerium ermittelt werde. Dies sei "nicht in Ordnung." Nahezulegen, dass Olaf Scholz ein schwieriges Verhältnis zur Justiz habe, sei "einfach völlig absurd". Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin deutete an, der scharfe Tonfall im Wahlkampfendspurt werde durch die CSU forciert. Es werde "in Nürnberg und München ein ziemlicher Druck gemacht".

Spahn über SPD-Chef Walter-Borjans: "Ich vergess den Namen immer"

Jens Spahn kümmerte dies wenig, er hatte zum Thema Staatsanwaltschaft und Steuerhinterziehung noch mehr beizutragen. "Dass die Staatsanwaltschaft zwei Ministerien durchsuche, "hat es in der bundesrepublikanischen Geschichte noch nicht so häufig gegeben", bekräftigte der Bundesgesundheitsminister. Das gelte auch für die Tatsache, dass der Finanzminister die Staatsanwaltschaft kritisieret habe. Scholz hatte im Zuge der Ermittlungen verlauten lassen, die Staatsanwaltschaft hätte ihre Fragen auch schriftlich stellen können. Auch den Cum-Ex-Skandal brachte Spahn erneut zur Sprache. Dreyer blieb dabei: Ihrer Meinung nach seien Spahns Behauptungen schlicht falsch. "Bleiben Sie einfach bei der Wahrheit, dann haben wir es erheblich leichter."

Ein weitere - versteckte - Bosheit leistete sich Jens Spahn gegen Ende der Sendung. Offenbar hält der CDU-Minister den Co-Vorsitzenden der SPD für so bedeutungsarm, dass er sich nicht einmal die Mühe macht, sich seinen Namen zu merken. Spahn wörtlich: "Sie wollen Steuern erhöhen, werden aber das Wachstum abwürgen. Dafür steht programmatisch eine linke SPD mit Saskia Esken und - ich vergess' den Namen immer - Herrn Walter-Borjans!"

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Top-Themen
Schlagerstar Helene Fischer hat Fotos für ihr neues Album-Booklet gemacht. Auf den Bildern zeigt sie ziemlich viel ...mehr
Salma Hayek zeigt ihre Familie nur selten auf Instagram. Zum 14. Geburtstag ihrer Tochter Valentina machte sie eine ...mehr
Claus-Erich Boetzkes verabschiedet sich von den Nachmittagsausgaben der Tagesschau in den Ruhestand. Für ihn ...mehr
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.