"Das muss aufhören": Schwarze Fußballfans beklagen in TV-Doku "Krebsgeschwür" Rassismus

Auch wenn Robbie Lyle den Fußball als seine große Liebe
bezeichnet, beklagt er nach wie vor das "Krebsgeschwür" Rassismus
in den Stadien und im Internet.
Bild 1 von 4

Auch wenn Robbie Lyle den Fußball als seine große Liebe bezeichnet, beklagt er nach wie vor das "Krebsgeschwür" Rassismus in den Stadien und im Internet.

© ZDF/Appeal TV

Anti-Rassismus-Kampagnen von UEFA, FIFA und Co. in allen Ehren, doch Diffamierungen in den Fan-Kurven von Fußballstadien gehören noch immer zum Alltag schwarzer Fußballfans. Welche schockierenden Erfahrungen dunkelhäutige Fans machen mussten, zeigt nun eine Dokumentation.

Fliegende Bananenschalen, Affenlaute aus den Kurven und Schmähgesänge von Ultras und Hooligans - bevor die Coronakrise die Fußballstadien leerfegte und Geisterspiele zur Normalität wurden, hatte man diese Bilder immer wieder gesehen. Seit Jahren machen rassistische Anfeindung auf Profis schwarzer Hautfarbe Negativschlagzeilen und offenbaren: Rassismus ist und bleibt ein Problem im Fußball - und das nicht nur auf dem Platz. In der Dokumentation "Fußballszene England - Die Fans und der Rassismus" (ab sofort in der ZDF-Mediathek, Freitag, 23. April, 9.15 Uhr, ZDFinfo) schildern dunkelhäutige Fans ihre teils erschütternden Erfahrungen in englischen Arenen.

Anders als der sehenswerte Amazon-Dokumentarfilm "Schwarze Adler" zuletzt, der die Geschichten schwarzer Ex-Profis erzählte, wechselt die britische Doku die Perspektive. Protagonist und Erzähler des 45-minütigen Beitrages ist Robbie Lyle, ein leidenschaftlicher Arsenal-Fan, der mit seinem YouTube-Kanal "Arsenal Fan TV" zum Internetstar wurde. "Die Liebe zu Arsenal ist, als ob Arsenal zur Familie gehört", schwärmt er. Fußball habe ihm "die besten Momente meines Lebens beschert".

Doch als Lyle gefragt wird, wie es als schwarzer Fußballfan sei, ziehen sich Sorgenfalten über das Gesicht des Gunners-Fans. Er berichtet von Hate Speech in den sozialen Medien, von diffamierenden Tweets, in denen er als Affe verunglimpft wird: "Online erleben wir gerade leider viel Rassismus."

"Echt erbärmlich"

Und auch im echten Leben wurde Robbie Lyle zur Zielscheibe. Bei einem Videodreh an der White Hart Lane, der ehemaligen Heimstätte von Tottenham Hotpurs, wurde er von Fans bedrängt und unflätig beschimpft. "Es ist frustrierend, dass es immer noch Menschen mit dieser Einstellung gibt", so Lyle in der sehenswerten Dokumentation. Das müsse aufhören, so die unüberhörbare Forderung.

Noch schockierender sind die Erinnerungen an Stadionbesuche in der Vergangenheit, die der Fußballfanatiker schildert. "Die Leute wollten einem den Schädel einschlagen, weil man schwarz war. Es war schlimm", denkt Lyle zurück. "Jeder wusste, wenn du als schwarzer Fan zum Spiel gehst, kann das lebensgefährlich werden." Ähnlich erschütternde Erfahrungen machten auch befreundete schwarze Fans von Lyle. Der Chelsea-Fan Rene Carayol erlebte bei einem Stadionbesuch als Kind mit seinem Vater, wie dieser von anderen Fans bespuckt wurde. Ron Bell, Anhänger von Millwall, und dessen kleine Kinder wurden auf dem Heimweg von einem Spiel beschimpft und mit einer Verkehrspylone beworfen - "echt erbärmlich", verurteilt Bell den Vorfall.

Heute hat der Rassismus im Fußball neue Gesichter, findet oft online statt, wie die sehenswerte Doku zeigt. 2015 machte ein Video in den sozialen Medien die Runde. Es zeigte Chelsea-Fans, die am Rande eines Auswärtsspiels ihrer Mannschaft in Paris nicht nur "Wir sind Rassisten" in einer U-Bahn-Station skandierten, sondern auch einem schwarzen Passagier das Einsteigen in den Zug verwehrten. Allgemein nimmt der Rassismus gegenüber Minderheiten - auch gegenüber indischsstämmigen Fans und Muslimen - zu, so das Gefühl, das die Macher der Dokumentation und deren Protagonisten vermitteln. "Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir das Krebsgeschwür namens Rassismus im Fußball loswerden", resümiert Robbie Lyle am Ende des Films.

Alternativ zur linearen Ausstrahlung ist "Fußballszene England - Die Fans und der Rassismus" ab sofort in der ZDFmediathek abrufbar.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Top-Themen
Als Tom Bartels am Montag das EM-Spiel zwischen Dänemark und Russland kommentierte, kritisierte das Netz, er sei zu ...mehr
Elizabeth Hurley ist mit ihren 56 Jahren stolz auf ihren Körper und zeigt ihn gerne ihren Instagram-Followern. Mit ...mehr
Der Ehemann der Moderatorin Verena Wriedt ist gestorben. Das hat ihr Anwalt nun bestätigt. Wriedt und ihr Mann Thomas ...mehr
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.