Der emotionalste Song der Welt: Über den Mythos "You'll Never Walk Alone"

"Walk on, walk on, with hope in your heart. And you'll never
walk alone ...": Fans des FC Liverpool skandieren einmal mehr ihren
ureigenen Welthit.
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"Walk on, walk on, with hope in your heart. And you'll never walk alone ...": Fans des FC Liverpool skandieren einmal mehr ihren ureigenen Welthit.

© 2020 Simon Stacpoole/Offside/Simon Stacpoole/Offside

Ein Lied, ein Fan, eine Geschichte: Joachim Król erforscht in einer sehenswerten Dokumentation den Mythos hinter dem Kultsong "You'll Never Walk Alone".

Zur Fußball-EM erinnert eine Dokumentation mit Joachim Król an die Geschichte des vielleicht emotionalsten Songs der Welt. Illustre "Musikfachleute" wie Jürgen Klopp, Lars Ricken, Campino, Dirigent Thomas Hengelbrock oder der Liverpooler Kultsänger Gerry Marsden erzählen dessen Geschichte. Der WDR strahlt den Film am Mittwoch, 9. Juni, 23.00 Uhr, aus.

In England käme man nie auf die Idee, die Liverpooler Kulthymne "You'll Never Walk Alone" in einem anderen Stadion als an der Anfield Road zu spielen. Dass die vielleicht wirksamste künstlerische Durchhalte-Parole der Weltgeschichte hierzulande in Dortmund, St. Pauli und wahrscheinlich noch in einigen anderen Stadien als emotionales Fanseelen-Rüstzeug variabel zum Einsatz kommt, wäre auf der Insel nicht denkbar. Schließlich gehört der Song auch deshalb so sehr zu Liverpool, weil die Hinterbliebenen der Hillsborough-Stadionkatastrophe in Sheffield, bei der am 16. April 1989 96 Menschen starben und 766 verletzt wurden, fast drei Jahrzehnte mit diesem Lied um Gerechtigkeit kämpften.

Auch Jürgen Klopp erinnert im Interview mit Film-"Host" und Dortmund-Fan Joachim Król daran, dass die Menschen vor dem Gerichtsgebäude "You'll Never Walk Alone" sangen, als man immer wieder darauf wartete, dass - von Rechts wegen - nicht die Fans selbst für die Massenpanik mit schrecklichem Ausgang verantwortlich waren. Fehler der Polizei wurden in disem Fall lange Zeit vertuscht. Die Boulevardzeitung "The Sun", die man laut Klopp seitdem sofort bei Ankunft am Liverpooler Flughafen in den Mülleimer entsorgen muss, damit einen niemand damit erwischt, machte damals zudem Stimmung gegen die Fans.

Es ist nur eine, wenn auch die tragischste der vielen Geschichten um einen Song, der 1945 von den Musical-Komponisten Richards Rodgers und Oscar Hammerstein für den Broadway geschrieben wurde. In deren (hochgelobten) Musical "Carousel", dessen Story sie dem ungarischen Exil-Dramatiker Ferenc Molnár abgekauft hatten, geht es um ein 15-jähriges Mädchen, dessen Vater sich vor ihrer Geburt selbst tötet und der später für einen Tag aus dem Himmel zur Erde zurückkehren darf.

Hochemotionaler Stoff, aus dem später ein nicht ganz so überzeugender Film entstand, den der Liverpooler Beat-Musiker Gerry Marsden im Kino weitgehend verschlief. Nur als in der Schmonzette "You'll Never Walk Alone" ertönte, war der Frontmann von Gerry and the Pacemakers wieder hellwach - und so gerührt, dass er daraufhin mit seiner Band eine Coverversion aufnahm.

Ein Song als Gefühls-Booster

Doch auch die wurde nicht per Dekret zur Liverpooler Fußballhymne erklärt, sondern war 1963 erst mal Teil der Hitparaden-Show, die der Stadionsprecher vor den Spielen über die blechernen Stadionboxen ertönen ließ. Als der Song aus der Charts-Rotation herauskullerte, sagen ihn die Fans an der Anfield Road einfach weiter - und so war der Fußballkult um "You'll Never Walk Alone" geboren.

Für seinen Dokumentarfilm "You'll Never Walk Alone - Die Geschichte einer Fußballhymne", den der WDR leider nur in einer auf 45 Minuten heruntergekürzten Version zeigt - eigentlich hat der Film 99 Minuten! -, schickte Regisseur André Schäfer 2017 den Fußball-empathischen Schauspieler Jachim Król auf die Reise zu prominenten Gesprächspartnern zum Lied. In Budapest trifft Król den Enkel des Dramatikers Ferenc Molnár. Er reist an den New Yorker Broadway und zum deutschen Star-Dirigenten Thomas Hengelbrock, der ebenfalls über das Lied räsoniert und eine wunderschöne Chor & Ensemble-Version vor einem tief gerührten Król zur Aufführung bringt.

Natürlich ist auch Kultsänger Gerry Marsden im Interview zu sehen, der Anfang dieses Jahres verstarb. Ebenso wie Liverpool-Kenner Campino oder Menschen aus Dortmund, die an eine Szene erinnern, als ein Fan auf der berühmten Gelben-Wand-Stehtribüne während eines Bundesligaspiels Dortmund gegen Mainz verstarb, dann zunächst Totenstille herrschte und schließlich "You'll Never Walk Alone" aus zehntausenden Kehlen angestimmt wurde.

Manche Dinge sind eben größer als Fußball - auch wenn sie komischerweise oft mit Fußball zu tun haben. Dann nämlich, wenn der Fußball zum Katalysator für große Gefühle wird. "You'll Never Walk Alone" ist wahrscheinlich der größte Gefühls-Booster, den die Welt der Musik in dieser Hinsicht hervorgebracht hat.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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