Endlich wieder "Tatort": Was bringt die neue Saison?

Der erste neuen "Tatort" nach der Sommerpause kommt aus Wien.
"Pumpen" eröffnet am Sonntag, 6. September, eine frische Saison mit
36 Erstausstrahlungen. Nicht wenige von ihnen entstanden unter
Corona-Bedingungen.
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Der erste neuen "Tatort" nach der Sommerpause kommt aus Wien. "Pumpen" eröffnet am Sonntag, 6. September, eine frische Saison mit 36 Erstausstrahlungen. Nicht wenige von ihnen entstanden unter Corona-Bedingungen.

© ARD Degeto/ORF/Allegro Film/Hubert Mican

Endlich! Am kommenden Sonntag, 6. September, beginnt mit dem Wiener Beitrag "Pumpen" die neue "Tatort"-Saison. Bis Anfang Juli 2021 sind aktuell 36 Erstausstrahlungen geplant. Gute Beobachter werden den unter Corona-Bedingungen gedrehten Folgen die neuen Hygiene-Bestimmungen ansehen.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) aus Wien, die auch beim letzten Wunsch-"Tatort" der Sommerpause zu sehen waren, eröffnen am Sonntag (6. September, 20.15 Uhr) die neue "Tatort"-Saison im Ersten. Der Fall "Pumpen" spielt in der Bodybuilding-Szene. Es folgen ein Agententhriller aus Frankfurt ("Funkstille", 13. September) und eine Psycho-Studie über die Verdächtigungen gegen drei potenzielle Vergewaltiger aus dem Schwarzwald ("Rebland", 27. September). Einige der nun ausgestrahlten "Tatort"-Folgen waren schon vor dem Corona-Lockdown ab März zumindest abgedreht. Andere der voraussichtlich 36 neuen "Tatorte" bis zur (späten) nächsten Sommerpause Ende Juni oder Anfang Juli 2021 entstanden und entstehen unter den neuen Hygieneregeln für Dreharbeiten.

Was bedeutet das? Selbst wenn die ursprünglich erdachte Handlung nicht verändert wurde, in szenischen Details könnten gute Beobachter durchaus feststellen, ob der neue Primetime-Krimi ein Post-Corona-Produkt ist. Im Juni und Juli 2020 haben für die meisten Filmschaffenden in Deutschland wieder Dreharbeiten begonnen. Der WDR, größter "Tatort"-Lieferant der ARD, hat unter anderem die während des Lockdowns verschobenen Produktionen "Es lebe der König!" (Münster), "Brennen sollst Du" (Köln), "Heile Welt" (Dortmund) sowie den 50-Jahre-"Tatort"-Jubiläums-Fall "In der Familie" mit einem gemischten Team aus Dortmund und München wiederaufgenommen. Für alle Drehs neuer "Tatort"-Folgen, so der WDR, sind Drehbuch-Anpassungen an die geltenden Hygieneempfehlungen vorgenommen worden.

Das heißt: Szenen wurden weniger "dicht" geschrieben. Beispielsweise sitzen zwei Kommissare bei der Observation nicht nebeneinander im Pkw, sondern in einem größeren Wagen vorne und hinten. Innenaufnahmen wurden ins Freie verlegt, Aufnahmen auf großen öffentlichen Plätzen gemieden und gegen Orte ohne viel Publikumsverkehr getauscht. Die ab Sommer 2020 gedrehten "Tatorte" dürften also etwas "weitläufiger" aussehen als bisher üblich, enge Massenszenen deuten eher auf einen Dreh vor März 2020 hin.

Münster darf 2020 noch zweimal ran!

Freunde der Komik-Ermittler Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) können jubilieren. Das quotengigantische Duo aus Münster darf 2020 noch zweimal ermitteln. Nach der für Anfang November geplanten Folge "Limbus" soll auch noch "Es lebe der König!" (wegen Corona unterbrochen und im Sommer nachgedreht) 2020 laufen. Selbst das programmliche Highlight zum 50-Jahre-Jubiläum der "Tatort"-Reihe im Spätherbst ist gesichert: Die Dreharbeiten zur Doppelfolge "In der Familie" wurden ebenfalls abgeschlossen. Es wird der letzte Fall von Aylin Tezel sein, die das Dortmunder Kommissars-Quartett verlässt. Ihre Nachfolgerin ist Stefanie Reinsperger, die im kommenden Jahr als Rosa Herzog im Film "Tatort: Heile Welt" übernimmt. Außerdem wurden im Juli und August unterbrochene Dreharbeiten zu einer Kölner Folge ("Brennen sollst du") sowie einer weiteren Dortmunder Episode fortgesetzt - "Marionetten" soll in der ersten Jahreshälfte 2021 laufen.

Neues Bremer Team mit satirischer "Tatort"-Serie

Die Oldtimer Lürsen und Stedefreund verabschiedeten sich in Bremen 2019. Nun nehmen Jasna Fritzi Bauer ("Jerks"), Dar Salim ("Game of Thrones", "Honig im Kopf") und ihre Kollegin Luise Wolfram, die als BKA-Ermittlerin Linda Selb bereits in fünf Bremer "Tatort"-Folgen mitwirkte, ihre Arbeit auf. Sie beginnt durchaus ungewöhnlich: Am 1. September starteten die Dreharbeiten zu einer Mockumentary namens "How to Tatort". Im Stil einer fiktionalen Dokumentation (sechs Episoden) müssen die Neuen unter Beweis stellen, dass sie das Zeug für eine Rolle in Deutschlands beliebtester Krimiserie haben. Zu sehen ist "How to Tatort" ab 20. November exklusiv in der ARD Mediathek. Dreharbeiten für "Neugeboren", den ersten "richtigen" Fall der Bremer, stehen dann Anfang November an.

Von Nord- und Ostsee nach Franken und Bayern

Auch in Strandnähe entstehen neue "Tatort"-Folgen. Mit den beiden NDR-Produktionen "Tödliche Flut" (Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz) sowie "Borowski und die Angst der weißen Männer" (Axel Milberg) wird der Sender seine Küsten aufsuchen, während der nächste Furtwängler-Kasumba-Fall "Die Rache an der Welt" (Arbeitstitel) noch etwas länger auf sich warten lässt. Dieser Film kommt wohl erst nach der Sommerpause 2021. Und was ist mit Til Schweiger? Für die kommende Saison 2020/2021, so der NDR, ist bislang kein neuer "Tatort" mit dem Kinostar geplant.

Vom NDR aus gesehen am andere Ende der Republik agiert der Bayerischen Rundfunk. Der bereits angesprochene Jubiläums-"Tatort"aus München und Dortmund entstand nach einem Drehbruch des herausragenden Autors Bernd Lange ("Das Verschwinden"). Im ersten Teil, der hauptsächlich in Dortmund spielt, führte Dominik Graf Regie. Im zweiten Teil, dessen Handlung nach München führt, übernahm Pia Strietmann.

Auch ein neuer Franken-"Tatort" befindet sich in der Produktions-Pipeline. Er spielt in Bamberg, trägt den Namen "Wo ist Mike?" und erzählt von einem verschwundenen Jungen, dessen getrennt lebende Eltern (Linda Pöppel, Andreas Pietschmann) Mikes Verschwinden über mehrere Tage nicht bemerken. Die Dreharbeiten wurden wegen der Corona-Pandemie unterbrochen und werden gemäß der Hygienevorschriften im November 2020 fortgesetzt. "Damit wäre eine Ausstrahlung noch in der ersten Jahreshälfte 2021 garantiert", heißt es vonseiten des Bayerischen Rundfunks.

Welche Fälle werden "besonders" sein?

Neben dem Jubiläums-Zweiteiler aus Dortmund und München dürfte - wie immer - der nächste Ulrich Tukur-Fall von sich reden machen. "Die Ferien des Monsieur Murot", zu sehen am 22. November, bietet mal wieder einen ziemlich irren Plot. Er geht davon aus, dass Murot (Tukur) während seiner Ferien einen Doppelgänger kennenlernt - und nach seinem Ableben dessen Identität übernimmt. Auch in Weimar wird wieder gescherzt, das kann allderings noch ein wenig dauern. Unter dem Titel "Der feine Geist" werden Christian Ulmen und Nora Tschirner ihren nächsten Absurdistan-Krimi aus Thüringen ins Programm hieven. Wann ist allerdings noch völlig unklar.

Was passiert im Südwesten? "Tatorte" aus Baden-Württemberg ...

Fest steht, dass der nächste Stuttgarter Fall "Der Welten Lohn" am 1. November laufen wird. Barnaby Metschurat spielt einen ehemaligen Mitarbeiter aus dem mittleren Management einer Stuttgarter Firma, der in einem Korruptionsfall in den USA zum Sündenbock für die Firma wurde. Nun hat er seine Strafe abgesessen, kommt zurück und perlt mit seinen Forderungen am Chef der Firma ab. Ein "Tatort" über brodelnde Wut.

Ein echtes Highlight 2021 könnte sich mit dem zweiten "Tatort" von Dietrich Brüggemann ankündigen, dessen Erstling "Stau" - ebenfalls mit dem Stuttgarter Team - bereits als moderner Klassiker der "Tatort"-Reihe gilt. Brüggemanns neue Arbeit trägt den Titel "Das ist unser Haus" und ist wiederum ein Ensemblefilm, in dessen Mittelpunkt eine Baugemeinschaft in einem Stuttgarter Vorort steht, auf deren Baustelle eine weibliche Leiche gefunden wird.

Auch der nächste Schwarzwald-"Tatort" nach "Rebland" musste wegen der Pandemie verschoben werden. Nun inszeniert Franziska Schlotterer mit "Was wir erben" im September den nächsten Fall von Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner). Wie sieht es mit Lena Odenthal aus? Die langlebigste Ermittlerin der Reihe wird Ende des Jahres in "Unter Wölfen" die zwielichtige Rolle von privaten Sicherheitsdiensten zwischen kleinkriminellem Rotlichtmilieu und Jobs für staatliche Stellen untersuchen.

2021 folgt für Schauspielerin Ulrike Folkerts dann "Hetzjagd", in dem es um den Mord an einem Aktivisten des linken Milieus geht, der auf Todeslisten der rechten Szene stand. Heike Makatsch in Mainz erhält ebenfalls eine neue Aufgabe. In ihrem dritten Fall "Blind Date" (Arbeitstitel) geht es um eine blinde Zeugin, die einen Mord in einer Tankstelle mitbekommt, was in ihrem Fall heißt: hört. An der Seite Makatschs ist wieder Sebastian Blomberg zu sehen. Der Drehbeginn für das Projekt liegt ebenfalls im September.

Und wer ermittelt sonst noch?

Relativ zeitnah kommen in diesem Herbst Mark Waschke und Meret Becker zum Einsatz. Ihr Fall "Ein paar Worte nach Mitternacht" läuft am 4. Oktober. 2021 wird sich Meret Becker mit ein oder zwei Filmen vom "Tatort"-Publikum verabschieden. Ab 2022 übernimmt Corinna Harfouch an ihrer Stelle.

"Der Herr des Waldes", zweiter Film des jungen Saarländer Männerduos Hölzer (Vladimir Burlakov) und Schürk (Daniel Sträßer), ist für Ostermontag, 5. April 2021, zur Erstausstrahlung im Ersten vorgesehen. Abgedreht wurde der Film Ende Juli 2020. In den nächsten MDR-Tatorten aus Dresden wird die Rolle des Dr. Falko Lammert, gespielt von Peter Trabner, durch einen neuen Gerichtsmediziner ersetzt. Er war das letzte Mal im Tatort "Nemesis" zu sehen. Der Kriminaltechniker Ingo Mommsen, gespielt von Leon Ullrich, wird das letzte Mal im Tatort "Rettung so nah" (Arbeitstitel) zu sehen sein, der 2021 ausgestrahlt wird. Beide Schauspieler möchten sich "neuen Rollen und Herausforderungen widmen", wie es so schön heißt.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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