Frontalangriff bei Maischberger: Boris Palmer kritisiert "Methode Lauterbach"

Werden wohl keine Freunde mehr: Boris Palmer (links) und Karl
Lauterbach lieferten sich bei "maischberger" einen persönlichen
Schlagabtausch.
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Werden wohl keine Freunde mehr: Boris Palmer (links) und Karl Lauterbach lieferten sich bei "maischberger" einen persönlichen Schlagabtausch.

© WDR/ARD

In der ersten "maischberger"-Ausgabe nach der Sommerpause wurde unter anderem über Corona-Proteste und die befürchtete zweite Welle diskutiert. Zwischen Boris Palmer und Karl Lauterbach kam es darüber zu einem persönlichen Schlagabtausch.

Sommer: Das heißt für viele Urlaub, Erholung, einfach mal alles hinter sich lassen. So läuft es dieses Jahr nicht. Die alten Sorgen und Probleme, sie sind immer noch da, und es sind neue hinzugekommen. Eine Pandemie macht schließlich keinen Urlaub, sie kennt auch kein Sommerloch, und so gab es in der ersten Folge "maischberger. die woche" (ARD) nach der Sommerpause auch entsprechend viel aufzuarbeiten.

Die vor einigen Wochen "aufgedeckten" Missstände der Fleischindustrie waren Thema am späten Mittwochabend, ebenso wie die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA, deren Ergebnis Amtsinhaber Donald Trump im Falle einer Niederlage womöglich nicht anerkennen wird. Am spannendsten waren dann aber doch jene Themen, über die in Deutschland ganz aktuell gegrübelt und gestritten wird. Kommt die zweite Welle? Stecken wir womöglich schon mittendrin? Und: Wie umgehen mit Menschen, die zu Tausenden dicht an dicht für ihre Freiheitsrechte demonstrieren und dabei demonstrativ auf alle Standards des Infektionsschutzes pfeifen?

"Konglomerat von Verängstigten, Verwirrten und Verhetzten"

"Zweite Welle": Unter anderem so bezeichneten sich auch die Menschen, die am vergangenen Wochenende in Berlin demonstrierten. Über 20.000 waren es. Die Veranstaltung wurde schließlich von der Polizei aufgelöst, weil ein Großteil der Teilnehmer keine Masken trug und auch der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Natürlich: Bei jedem, der das Virus ernst nimmt, mussten die Bilder von restlos mit Menschen vollgestopften Straßen großes Unverständnis hervorrufen, und so wurde auch beim ARD-Polittalk "maischberger" erst einmal ordentlich draufgehauen.

Studiogast Düzen Tekkal bemängelte unter anderem eine fehlende inhaltliche Logik, sprach von einer "Zeit von alternativer Realität". Die Politikjournalistin finde es "bemerkenswert, wenn Demonstranten von Corona-Diktatur sprechen, die gleichzeitig das Demonstrationsrecht in Anspruch nehmen und gewähren dürfen". Und es mache sie auch "ein bisschen sauer", wenn Teilnehmer solcher Demos sich immer wieder auf das Freiheitsrecht berufen. "Weil ich finde, es geht nicht um individuelle Freiheit, sondern da findet eine individuelle Willkür statt, wo die kollektive Freiheit aufs Spiel gesetzt wird."

Aber wer sind diese Leute, die immer häufiger bei Veranstaltungen wie in Berlin zusammenkommen und immer lauter gegen die Anti-Corona-Maßnahmen anplärren? Investigativjournalist Günter Wallraff, ebenfalls im Studio zu Gast, beschreibt sie als "Konglomerat von Verängstigten, Verwirrten und Verhetzten". Gleichzeitig aber stellt Wallraff auch klar: Man muss mit diesen Menschen reden, vor allem mit der "Masse der Mitläufer", Mundschutz hin oder her. Schließlich sei nicht jeder Teilnehmer bei diesen Veranstaltungen ein Verschwörungstheoretiker oder rechtsradikal.

Daran anknüpfend Rainer Hank, "FAS"-Kolumnist: "Alles in einen Topf zu werfen und dann auszugrenzen - ich glaube, das ist nicht gut." Zudem müsse man aufpassen, so Hank, dass bei der Kritik an den Demos nicht mit "zweierlei Maß" gemessen werde: Alle Corona-Skeptiker verdammen, weil sie die Abstandsregeln nicht einhalten, und gleichzeitig alle Teilnehmer einer Anti-Rassismus-Demo feiern, obwohl sie die Abstandsregeln nicht einhalten, das passe nicht zusammen. Dieser letzte differenzierende Punkt war ein guter und wichtiger in dieser "Diskussion", bei der bis dahin alle Redner mehr oder weniger gleiche Meinungen vertraten.

Palmer findet Lauterbach "zu apokalyptisch"

Echte Zwiesprache gab es in dieser ersten neuen "maischberger"-Ausgabe erst, als Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (B'90/Die Grünen) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach aufeinandertrafen. Moderatorin Sandra Maischberger warf immer wieder lustvoll ein, wer von beiden wen wie kritisiert hatte im "Fernduell" der letzten Monate. Jemanden, der sie anstachelt, hätten Palmer und Lauterbach aber gar nicht gebraucht. "Wir sind am Anfang der zweiten Welle", erklärte Lauterbach, das könne man von einem Blick auf jene Regionen ableiten, die "ein bisschen weiter" sind, etwa Israel, Singapur oder Japan. Er wünsche sich jetzt in dieser heiklen Situation wieder mehr Richtung, mehr Klarheit aus Berlin - und eine andere Form der Berichterstattung, die auch die Entwicklung in anderen Ländern verstärkt einbezieht. "Brauchen wir Bilder, die uns Angst machen?", fragte Maischberger nach. Dazu Lauterbach: "Wir brauchen Bilder, die realistisch sind." Auf diesem Weg müsse man die Bevölkerung daran erinnern: "Wir können in wenigen Wochen wieder dort sein, wo wir im März waren."

Boris Palmer, ungefähr in Schienbein-Tritt-Distanz zu Lauterbach platziert, sah das alles ganz anders. Ihm seien diese Ausführungen "zu apokalyptisch". Eine zweite Welle sehe er derzeit nicht unbedingt, die Situation könne sich in den nächsten zwei Wochen ja durchaus auch wieder stabilisieren. Dann setzte Palmer sogar zu einem persönlichen Angriff auf Lauterbach an. Er finde seine Vorträge generell "demoralisierend". Bei ihm bleibe da immer hängen: "Die nächsten 18 Monate oder zwei Jahre muss im Wesentlichen nach Methode Lauterbach gelebt werden und das heißt ziemlich viel Shutdown."

Und weiter, in Richtung Lauterbach: "Sie könnten auch ein Mal sagen: 'Ich habe mich geirrt.' Sie haben sich geirrt, als Sie im Mai gesagt haben, wir müssen jetzt noch vier Wochen lang den Shutdown weiterziehen. Das hätte uns nach Berechnungen der Wirtschaftsforscher 200 Milliarden gekostet. Und die von Ihnen prognostizierte zweite Welle im Mai oder Juni hat es nicht gegeben."

"Es gibt keine Methode Lauterbach"

"Es gibt keine Methode Lauterbach", verteidigte sich der sichtbar gereizte Epidemiologe. "Ich habe schlicht im Konsens mit vielen anderen Wissenschaftlern versucht, den jeweiligen Stand der Wissenschaft zusammenzutragen, nach bestem Wissen und Gewissen." Außerdem habe er gar nicht vor einer zweiten Welle im Mai gewarnt. Er habe seinerzeit lediglich betont, welche Vorteile ein längerer Shutdown gehabt hätte "Es ist nicht ganz richtig, was Sie sagen, aber es soll mir ehrlich gesagt auch egal sein."

Immerhin, in einigen Fragen fanden Palmer und Lauterbach dann doch eine gemeinsame Linie. Beide waren sich einig, dass die Kinder und deren vernünftige Beschulung in den nächsten Monaten höchste Priorität haben müssen. Und durchaus ähnlich wie Lauterbach warnte auch Palmer: "Wir müssen jetzt vorsichtig sein. Es gibt eine Gefahr und wir sind viel zu nachlässig geworden und leichtsinnig." Man solle jetzt "zusammenstehen und die Bevölkerung wieder mitnehmen bei den Schutzmaßnahmen".

Auch bei Maischbergers Frage nach einem möglichen Verbot solcher Demonstrationen, bei denen offensichtlich ein hohes Infektionsrisiko herrsche (wie etwa zuletzt in Berlin), waren Palmer und Lauterbach einer Meinung. "Die Verfassung gilt weiter, das Demonstrationsrecht besteht", erklärte Palmer. Die Polizei könne dann eingreifen, wenn der Infektionsschutz nicht eingehalten werde. Auch Lauterbach bezog klar Stellung zu den kürzlich in Berlin aufgekommenen Gedankenspielen, das Demonstrationsrecht einzuschränken: "Das trage ich nicht mit, das geht nicht."

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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