"Gollum" in Gefahr? Deutscher Publisher Daedalic in finanzieller Schieflage

Die "Deponia"-Reihe um den schusseligen Anti-Helden Rufus gehört
mit vier Teilen und mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren
zu den größten Erfolgen des Hamburger Studios. Nun aber ist
Daedalic in Schieflage geraten.
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Die "Deponia"-Reihe um den schusseligen Anti-Helden Rufus gehört mit vier Teilen und mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren zu den größten Erfolgen des Hamburger Studios. Nun aber ist Daedalic in Schieflage geraten.

 © Daedalic

Eigentlich wollte das Hamburger Traditions-Studio Daedalic mit seiner "Herr der Ringe"-Linzenz "Gollum" bald den internationalen Markt erobern. Doch jetzt steckt der Entwickler und Publisher in finanziellen Schwierigkeiten.

Mit modernen Point&Click-Klassikern wie "Edna bricht aus", "Whispered World" oder der "Deponia"-Reihe ist der Hamburger Games-Entwickler Daedalic zum Vorzeigestudio geworden. Doch nun sind die Adventure-Experten aus Hamburg offenbar in eine finanzielle Schieflage geraten: Das 2007 von Carsten Fichtelmann und "Deponia"-Designer Jan Müller-Michaelis alias "Poki" (seit Kurzem Jan Baumann) gegründete Studio ging 2014 mit einer Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent in den Quasi-Besitz der Kölner Verlagsgruppe Bastei Lübbe AG über. Diesem Konstrukt verdankt die Software-Schmiede unter anderem die Lizenz zu den "Säulen der Erde"-Bücher, aus der 2017 eine mehrteilige Adventure-Reihe hervorging.

Allerdings hat sich das Geschäft der Hamburger seit der Übernahme nicht so entwickelt, wie von Bastei Lübbe erwartet: Nach dem Abebben des großen Point&Click-Hypes hierzulande sucht das Studio eifrig nach neuen, moderner inszenierten Spiele-Konzepten. Die Folge war eine mehrjährige Odyssee, aus der experimentelle Spiele wie "State of Mind" (2018), die mit 3D-Elementen angereicherte "Whispered World"-Fortsetzung "Silence" (2016) und jüngst der Team-basierte Echtzeit-Strategie-Titel "A Year of Rain" hervorgegangen sind.

Außerdem versucht man sich mit Titeln wie dem VR-Abenteuer "Intruders" (2019) oder der Multiplayer-Hatz "Wich it" als Publisher. So richtig gezündet hat allerdings keines der teils kunstvoll ambitionierten Projekte - und das, obwohl das Studio immer wieder mit Preisen überhäuft wurde. Zuletzt geriet mit "A Year of Rain" im letzten Jahr ein großer Hoffnungsträger sogar zum ausgesprochenen Flop.

Doch kein "Gollum"-Game?

Die Folge: Die holperige Reise von Daedalic soll maßgeblich dafür verantwortlich sein, dass Bastei Lübbe nun hochrote Zahlen schreibt. Anstelle eines Gewinns vor Steuern in Höhe von 3,5 Millionen bis 5,3 Millionen Euro droht im laufenden Geschäftsjahr nun ein Verlust von bis zu 10,5 Millionen Euro - bei einem Gesamtumsatz von rund 85 Millionen Euro. "Das Geschäftsmodell unserer 51-prozentigen Finanzbeteiligung erweist sich als nicht zukunftsfähig", urteilt Carl Halff, Vorstands-Chef der Kölner Bastei Lübbe AG in einer Ad-Hoc-Meldung.

Gleichzeitig kündigte der Verlag eine Wertminderung von zwölf bis 14 Millionen Euro für das Studio und dessen Spieleportfolio an. Fünf Millionen schreibt man allein vom Firmenwert ab. Weiterhin wolle man zusammen mit dem Entwickler eine "Neu-Positionierung des Geschäftsmodells" anstreben. Aufgrund der Geschäftsentwicklung sei die finanzielle Situation bei Daedalic aber "belastet" - und das zur Verfügung stehende Fremdkapital "nahezu ausgeschöpft". Für das Studio, das 90 Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und München beschäftigt, könnte das schmerzhafte Einschnitte bedeuten, sofern keine frischen Geldquellen erschlossen werden.

Ob ambitionierte und Finanz-intensive Entwicklungen wie das für PS5 und die neue Xbox angekündigte "Herr der Ringe"-Spiel "Gollum" vor diesem Hintergrund dann noch realisierbar sind, ist unklar. Der Titel soll 2021 auf den Markt kommen und war einer der Gründe, warum Bastei Lübbe die Verkaufs-Pläne für Daedalic Entertainment vorerst auf Eis legte.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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