Impfdebatte eskaliert bei "Hart aber fair": Philosophin fetzt sich mit Frank Plasberg

"Sie haben ein völlig anderes Demokratieverständnis als ich",
warf Philosophin Svenja Flaßpöhler Moderator Frank Plasberg am
Montagabend vor.
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"Sie haben ein völlig anderes Demokratieverständnis als ich", warf Philosophin Svenja Flaßpöhler Moderator Frank Plasberg am Montagabend vor.

© ARD

Am Montagabend sorgte Svenja Flaßpöhler nicht nur im "Hart aber fair"-Studio für Kopfschütteln. Auch im Netz zeigte sich das Publikum irritiert von den Thesen der Philosophin. Mit Moderator Frank Plasberg geriet sie über die Frage der Coronaschutzimpfung hart aneinander.

"Wer hat Schuld, wenn wieder viele Menschen sterben und für alle Corona kein Ende nimmt?", wollte Frank Plasberg zu Beginn seiner "Hart aber fair"-Sendung am Montagabend wissen. Geladen, um darauf eine Antwort zu finden, waren Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Journalist Georg Mascolo, Notärztin Lisa Federle, Immunologe Carsten Watzl sowie die Philosophin und Journalistin Svenja Flaßpöhler.

Letztere argumentierte, die Berichterstattung über das Coronavirus sei unausgeglichen, dazu berief sie sich auf eine aktuelle Studie, nach der einige Stimmen der Debatte unterproportional abgebildet würden. Frank Plasberg versuchte wiederholt, die Philosophin zu einer klareren Aussage zu bewegen. "Würden Sie sich wünschen, dass zwischen Ihnen und Herrn Weil ein dezidierter Impfgegner sitzt, der alternative Meinungen hat, vielleicht auch alternative Fakten? Würden Sie das unter ausgewogener Berichterstattung verstehen?"

Die wichtigsten Standpunkte bei "Hart aber fair":

  1. "Sie haben ein völlig anderes Demokratieverständnis als ich", warf Philosophin Svenja Flaßpöhler Moderator Frank Plasberg am Montagabend vor.
  2. Man werde "ja wohl noch über ein paar Fakten berichten dürfen und zwar über alle Sendungen hinweg", empörte sich der zugeschaltete SPD-Politiker Stephan Weil.
  3. Svenja Flaßpöhlers Vergleich, Nicht-Impfen sei wie Rauchen, ließ Dr. Lisa Federle nicht gelten. Ihr Fazit: "Falsche Argumentation!"
  4. "Die wesentlichsten Zahlen, die ich kenne, sind, dass wir fünf Millionen Infizierte und demnächst 100.000 Tote haben", fasste Journalist Georg Mascolo die aktuelle Lage zusammen.
  5. "Wer hat Schuld, wenn wieder viele Menschen sterben und für alle Corona kein Ende nimmt?", lautete die ursprüngliche Frage, die Frank Plasberg seinen Gästen gestellt hatte.

Stephan Weil: "Man wird ja wohl noch über ein paar Fakten berichten dürfen"

"Was heißt denn jetzt alternative Fakten?", erwiderte Flaßpöhler. Der Moderator schlug jemanden vor, der wie 68 Prozent der Ungeimpften finde, Corona sei für die Poltik ein willkommender Vorwand für mehr staatliche Kontrolle. Die Philosophin: "Ich verstehe überhaupt nicht, was an so einer Position so schrecklich ist."

Stephan Weil schaltete sich sichtlich fassungslos in die Diskussion ein. Er habe an sich halten müssen, erklärte der Ministerpräsident. Man werde "ja wohl noch über ein paar Fakten berichten dürfen und zwar über alle Sendungen hinweg", schimpfte der SPD-Politiker. "Erklären Sie bitte mal, wo hier die Einseitigkeit besteht!" Auch Georg Mascolo wies Flaßpöhler auf die Faktenlage hin: "Die wesentlichsten Zahlen, die ich kenne, sind, dass wir fünf Millionen Infizierte und demnächst 100.000 Tote haben. Insofern: Wohin führt Ihre Argumentation?"

Flaßpöhler: "Politik der Bevormundung" schadet der Gesellschaft

Flaßpöhler holte zum Gegenschlag aus und zog Schweden als Beispiel heran, wo die Impfquote nur "unwesentlich höher" sei als in Deutschland, die Menschen die virale Lage jedoch "ziemlich gut im Griff" hätten. Plasberg wies darauf hin, dass die Zahl der Toten in Schweden proportional zur Bevölkerung deutlich höher sei als hierzulande. Flaßpöhler hielt es jedoch nicht für ausgemacht, dass die Schweden nicht auf lange Sicht besser durch die Pandemie kämen. Was wirklich zähle, sei doch, dass die schwedische Regierung ihrer Bevölkerung vertraue, so die Chefredakteurin des "Philosophie Magazins". In Deutschland werde durch eine "Politik der Bevormundung" eigenverantwortliches Handeln "systematisch abtrainiert".

Plasberg warf sie zudem vor, sie in eine Ecke mit der Querdenker-Bewegung stellen zu wollen. Auch sei es in einer Gesellschaft völlig normal, dass Menschen selbstverschuldet krank werden, etwa Raucher, argumentierte Flaßpöhler. Dieser Aussage trat die Medizinerin und Tübinger Pandemie-Beauftragte Federle entschieden entgegen: Beim Rauchen schade man hauptsächlich sich selbst, so die Notärztin. Um dies sicherzustellen, gebe es seit einigen Jahren immerhin auch Rauchverbote in öffentlichen Räumen wie Gaststätten.

Fassungslosigkeit auf Twitter

Auch Georg Mascolo und der Immunologie-Professor Carsten Watzl widersprachen der Philosophin, die mit ihrer Haltung in der Runde isoliert wirkte. Immer wieder attackierte Flaßpöhler, die laut eigener Aussage selbst gegen das Corona-Virus geimpft ist, die anderen Gäste der Sendung und schoss auch gegen Frank Plasberg. "Sie haben ein völlig anderes Demokratieverständnis als ich! Sie reden von Kindern, auf die man Druck ausübt und die dann ihr Verhalten ändern", warf sie dem Moderator vor. Der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo sprach der Buchautorin daraufhin entnervt das intellektuelle Niveau ab: "Sie brechen diese komplexen Entscheidungen auf eine Argumentation herunter, die der Sache nicht angemessen ist."

Im Netz sorgte der Auftritt der Svenja Flaßpöhlers ebenfalls für Kopfschütteln, bei Twitter sammelten sich Tausende überwiegend empörte Tweets zu den Hashtags #Flaßpöhler und #hartaberfair. So lautete das Fazit einer Twitter-Userin: "Dass Frau Flaßpöhler hier Blödsinn erzählen darf, ist der Beweis dafür, dass die Medien eben nicht einseitig (= wissenschafskonform) berichtet haben." Ein weiterer Nutzer wies auf die Widersprüchlichkeit in der Argumentationsweise Flaßpöhlers hin. Sie beschwere sich, "dass sie mit Querdenkern in einen Topf geworfen wird. Nur, um dann immer und immer wieder Querdenker-Argumente wiederzukäuen".

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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