Licht am Ende des Tunnels?

Von den Tunneln der Moskauer U-Bahn an die von mutierten
Bestien, Banditen und durchgeknallten Kulten bewohnte Oberwelt:
"Metro: Exodus" kokettiert mit dem Open-World-Genre.
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Von den Tunneln der Moskauer U-Bahn an die von mutierten Bestien, Banditen und durchgeknallten Kulten bewohnte Oberwelt: "Metro: Exodus" kokettiert mit dem Open-World-Genre.

© Deep Silver / 4A Games
14.02.2019 - 13:00 Uhr

Endlich frische Luft: Neun Jahre nach ihrem Start verlässt 4A's Adventure-inspirierte Ego-Shooter-Reihe die düstere Tunnelwelt der Titel-gebenden Moskauer "Metro" und wagt sich an die Erdoberfläche. Ein Schritt, der vieles verändert.

Unten war es düster, eng. verwinkelt. Doch jetzt wagt die "Metro"-Reihe den nächsten Schritt, hinaus ins Licht. In eine Welt, die den Atomkrieg doch irgendwie überlebt hat. "Exodus" heißt der neue Ableger der Shooter-Reihe, der sechs Jahre nach dem letzten Abenteuer "Last Light" in die Läden gekommen ist.

Darin zieht es die Helden von den U-Bahn-Tunneln Moskaus in die Weiten Russlands: Was genau Held Artjom, Herzblatt Anna und ihre wackere "Spartaner"-Truppe dort suchen, soll nicht verraten werden. Die erzählerischen Hintergründe der "Metro"-Welt zu erkunden, macht wieder mal einen wesentlichen Reiz des ebenso stark im Adventure- wie im Shooter-Genre verwurzelten Ego-Trips aus.

Der in der Ukraine beheimatete Entwickler 4A Games nutzt den Szenario-Wechsel, um die bisher eher geradlinige Struktur seiner von Dmitri Gluchowskis Romanen inspirierten Spielwelt aufzubrechen und den Gamer in weitläufigere Gebiete zu locken. Ein echtes Open-World-Game ist der Exodus aus der Metro und die anschließende Odyssee durchs postnukleare Russland aber nicht: Die Expeditionen - von der "Kaspischen Wüste" bis in die Taiga - sind strikt voneinander getrennt. Beim Wechsel per Zugfahrt wird eifrig nachgeladen.

Innerhalb dieser meist weitläufigen Instanzen kann sich der nach wie vor wortkarge Held Artjom allerdings ziemlich frei bewegen - vorausgesetzt, er trifft auf keine natürlichen Grenzen wie Berge oder Flüsse. Und in letzterem Fall liegt vermutlich irgendwo ein Boot vertäut, mit dem er durch das von Riesenfischen und schnappmäuligen Mega-Shrimps bewohnte Gewässer paddeln kann.

Will er dagegen eine von Banditen belagerte Ruine filzen, um die dort verborgenen Ressourcen zu erobern, darf er sich die entsprechende Taktik selber zurechtlegen: Die Fieslinge aus sicherer Entfernung mit dem Zielfernrohr erledigen, brutal mit der Tür ins Haus fallen oder die Wachen nach erfolgreichem Schleichgang hinterrücks meucheln? Das bleibt Geschmack und Geduld des Spielers überlassen. Und ist nicht zuletzt dem zu Spielbeginn gewählten Schwierigkeitsgrad geschuldet: Denn bereits ab "Normal" sind die Feinde so zäh und die zur Munitionsherstellung nötigen Rohstoffe derart knapp, dass im Zweifelsfall Schleichen die erste Manöver-Wahl ist.

Tolles Abenteuer, mittelmäßiger Shooter

Bei all dem kann der "Metro"-Held seine Gasmaske die meiste Zeit stecken lassen: Anders als in den Vorgängern ist die Luft nicht verstrahlt oder toxisch - Artjom darf also kräftig durchatmen! Und gerät er doch mal in ein verseuchtes Gebiet, dann heißt es wie bei Teil 1 und 2: Gasmaske abwischen, aufsetzen und regelmäßig den Luftfilter wechseln, bevor die Heldenpuste knapp wird.

Schade nur, dass "Exodus" als Shooter nicht ganz so gut funktioniert wie als Abenteuer: Wirklich großen Spaß hat man hier nur, solange man sich der wunderbar bedrückenden Spielwelt und den vielen kleinen bis großen Geschichten widmet. Sobald man exzessiv die Waffen sprechen lässt, gerät das Erlebnis ein wenig ins Stocken: Eine träge Steuerung und nicht immer glücklich agierende Computer-Gegner trüben das Shooter-Vergnügen. Darum heißt es im Kugelhagel oder beim Kampf gegen entstellte Monstrositäten: Augen zu und durch. Und auf den Moment freuen, in dem man die Bleispritze wieder in den Holster stecken darf. Wer sich mit den eroberten Ressourcen hinter eine Werkbank klemmt und fleißig Ausrüstungs-Updates bastelt, der kann zwar halbwegs gegen diese Probleme anbasteln, aber flüssiges Game- beziehungsweise Gunplay sieht anders aus.

Dass der "Exodus" an die Oberwelt am Ende eines verstrahlten Spieltages trotzdem einen guten Eindruck hinterlässt, ist der Detailversessenheit von 4A's Grafik-Künstlern zu verdanken: Selten hat eine Apokalypse so gut ausgesehen - oder waren ihre mutierten Bewohner so furchteinflößend. Wer einen packenden Horror-Trip mit dezenter Survival-Note oder einfach nur eine untergegangene Welt entdecken will, ist hier goldrichtig. Denn hat man 4A's Spielwelt erstmal betreten, will man sich nicht mehr verlassen, bevor man nicht jeden Winkel durchleuchtet und alle Rätsel geknackt hat. Möchte man dagegen in erster Linie einen flotten Shooter oder ein ausgewachsenes Open-World-Spektakel erleben, schaut man sich besser woanders um.

Quelle: teleschau - der mediendienst GmbH
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