Schauspielerin, Autorin und Gärtnerin aus Leidenschaft: "Spatzl, schau ..." -Ruth Maria Kubitschek wird 90

Ruth Maria Kubitschek ist eine der großen Damen des deutschen
Films. Am 2. August wird die Schauspielerin 90 Jahre.
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Ruth Maria Kubitschek ist eine der großen Damen des deutschen Films. Am 2. August wird die Schauspielerin 90 Jahre.

© Gisela Schober / Getty Images

Ruth Maria Kubitschek ist eine der großen Damen des deutschen Films. Am 2. August wird die Schauspielerin, Autorin und Gärtnerin aus Leidenschaft 90 Jahre.

"Es geschieht einfach", sagte Ruth Maria Kubitschek gerne, wenn man sie nach ihrem lange anhaltenden Fernsehschaffen fragte. "Warum sollte man nicht spielen, wenn man 80 wird?" Und daran hielt sie sich. Dann, 2013, war es doch so weit. Das zauberhafte Roadmovie "Frau Ella" mit Matthias Schweighöfer, August Diehl und Anna Thalbach wurde ihr letzter Kinofilm: mit ihr in der Titelrolle und dem Filmpreis "Jupiter" für sie in der Kategorie beste deutsche Darstellerin. Danach noch die finale Episode der ARD-"Traumhotel"-Reihe, in der sie siebenmal zu sehen war. Und das war es dann. "Mich interessiert die Schauspielerei nicht mehr. Ich will nicht in irgendeinem Film irgendeine ältere Frau spielen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade", erklärte Ruth-Maria Kubitschek der "Bild" und zog sich aus dem aktiven Geschäft zurück. Am 2. August vollendet sie ihr 90. Lebensjahr.

"Ich habe nicht mehr viel Zeit. Meine Lebensspanne ist nicht mehr lang", sagte sie damals. "Es ist die letzte Phase meines Lebens, und die möchte ich ganz bewusst erleben. Nichts und niemand wird es schaffen, mich noch einmal vor die Kamera zu holen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Ich denke nicht, dass ich dabei noch etwas lernen kann." Seither mied sie öffentliche Auftritte. Ruth-Maria Kubitschek lebt am Bodensee und besitzt seit 2013 auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

"Spatzl, schau wia i' schau"

Geboren wurde sie am 2. August 1931 in Komotau, damals Tschechoslowakei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führte sie der Weg nach Sachsen-Anhalt. Kubitschek erfüllte sich bald schon ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden. Sie besuchte eine Schule in Halle und war dort auch am Theater engagiert. Weitere Bühnen in der ehemaligen DDR folgten, ehe sie 1959 nach einem Theaterengagement im Westen blieb. Mitte der 60er-Jahre wurde sie für das Fernsehen entdeckt. Dort feierte sie nach vielen Krimis und Serien 1983 einen der größten Erfolge ihrer langen Karriere.

Regelmäßig wird der "Monaco Franze" bis heute wiederholt. Die Dietl-Serie und der ihr geltende Satz: "Spatzl, schau wia i' schau" verhalfen ihr deutschlandweit zur Berühmtheit. Selbstverständlich war es nicht, als ehemaliges Kammerspiele-Mitglied und Trägerin seriöser Rollen in diesem Part der immer etwas beleidigten adligen "besseren Hälfte" des Monaco Franze (Helmut Fischer) engagiert zu werden. "Och, ich war ja eine bekannte Schauspielerin", erklärte sie einst dazu selbstbewusst. "Dietl wollte mich also kennenlernen, er fand mich gut für diese Rolle der Frau von Söttingen. Ich war witzig und hübsch. Beide, der Helmut Fischer und der Dietl, wollten, dass ich diese Rolle spiele."

Auch danach hat Ruth Maria Kubitschek immer wieder mit einem leichten Augenzwinkern Adlige gespielt. Etwas später, wieder bei Dietl, in "Kir Royal", war sie die Zeitungsverlegerin Friederike von Unruh, die es gerne vornehmer hätte als der Klatschreporter "Baby Schimmerlos", den sie aber braucht, um Auflage zu machen. Auch Jahrzehnte später war sie die Adelige par excellence, sei es im "Traumhotel" oder in einer der gehobenen Degeto-Komödien. Immer hatte sie dabei etwas faszinierend Unnahbares, verträumt Somnambules, ungefähr so wie ein Mensch gewordener Sonnenuntergang.

Fast ein Dutzend Bücher hat sie geschrieben in ihrer drehfreien Zeit. "Sie schreiben, wenn ein Buch in Ihnen reif ist", sagte sie dazu und zählte gern die Titel her - vom Märchenbuch "Ein Troll in meinem Garten" übers Weihnachtsmärchen "Engel, Elfen, Erdgeister" bis hin zum "Das Flüstern des Pans", einem Loblied auf die Erde, das für sie so "kostbare Gut". Auf die Verfilmungen ihrer Romane ist sie besonders stolz. 2013 erschien unter dem Titel "Anmutig älter werden" keine Biografie, wohl aber eine Bestandsaufnahme. Es geht um Anekdoten aus ihrem Leben und die Lehren daraus. Dazu gab sie Tipps zur Schönheits- und Gesundheitspflege. Die Bilder, die sie malte, wiederum zeigen zuweilen himmlische Wesen. "Ja, es sind Engelswesen", sagte sie dazu, "die über uns sind, jeder Mensch hat irgendeinen Engel. Menschen brauchen diese Bilder."

"Jeder Mensch hat sein eigenes Leben"

Aus einer früheren Ehe hat Ruth Marias Kubitschek einen Sohn. Nach 1976 war sie mit dem Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann liiert. Eine Beziehung, die es gab, über die sie aber ungern sprach: "Immer wieder wird man danach gefragt", sagte sie. "Er wohnt in Berlin, ich lebe am Bodensee, wir sind ein Paar." Und: "Es gibt ein Privatleben, eine Grenze, die man nicht überschreitet. Jeder Mensch hat sein eigenes Leben." Rademanns Tod im Januar 2016 bedeutete einen Einschnitt.

Der Tod vieler Freunde hat Ruth Maria Kubitschek einst, mit 40, zur Spiritualität gebracht. "Ich musste mich mit dem Leben beschäftigen, weil ich den Tod erlebt habe", sagte sie dazu einmal. Täglich meditiert sie, kehrt in sich, spricht ein Gebet oder Mantra. Lebensbejahend und "wieder offen" sei sie dadurch geworden.

Die TV-Sender halten sich rund um ihren Geburtstag leider zurück. Der MDR zeigt am Montag, 2. August, 12.30 Uhr, den TV-FIlm "Im Fluss des Lebens" (2011), der rbb um 14.30 Uhr "Das Wunder der Liebe" (mit Siegfried Rauch).

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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