Sexismus-Vorwürfe: Ist "Top Chef Germany" eine Macho-Show?

Geschlechterkampf am Herd: "Top Chef"-Kandidatin Hou Hua, hier
mit Mitstreiter Sven Wesholek, war die Männerdomäne in der TV-Küche
ein Dorn im Auge.
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Geschlechterkampf am Herd: "Top Chef"-Kandidatin Hou Hua, hier mit Mitstreiter Sven Wesholek, war die Männerdomäne in der TV-Küche ein Dorn im Auge.

© SAT.1 / André Kowalski

"Ich will nicht sagen, er ist ein Macho, aber ..." - Aber eigentlich wollte sie es schon. In Folge zwei der neuen SAT.1-Kochshow "Top Chef Germany" rieselte eine Prise "MeToo" in die Kochtöpfe. Die beiden einzigen Damen im Kandidatenkreis waren jedenfalls schwer genervt.

Dass in der Spitzengastronomie überwiegend Männer das Sagen haben, ist der renommierten Köchin Annette Glücklich seit jeher ein Dorn im Auge. In Folge zwei der neuen SAT.1-Show "Top Chef Germany" teilte sie daher ordentlich aus gegen das Macho-Gebaren der Konkurrenz. "Wir stehen da wie bestellt und nicht abgeholt - als wären wir die B-Ware", ärgerte sich Annette Glücklich. Einige Zuschauer fühlten sich beim Anblick der wartenden Power-Blondine und ihrer Kollegin Hou Hua sicher an die Schulzeit erinnert, an das unangenehme Gefühl, im Sportunterricht bei der Mannschaftswahl zu den Letzten zu gehören, die aufgerufen wurden ... Was war passiert?

Zunächst galt es für die zehn Spitzenköche, die noch um den Titel "Top Chef Germany" sowie das Preisgeld von 50.000 Euro kämpften, alles aus einem ganzen Maishuhn herauszuholen, was ihnen einfiel - im übertragenen wie im buchstäblichen Sinne. Dabei wurde es hektisch, und Hou Hua, die ihre Mitstreiter vergebens nach Sojasauce und Löffeln fragte, zeigte sich bereits merklich angefressen. "Wenn man noch nicht mal 'ne Antwort geben kann - das geht gar nicht", ärgerte sich die Deutsch-Chinesin.

Genau wie ihre Kollegin Annette Glücklich wurde sie anschließend von der Jury, bestehend aus Sternekoch Peter Maria Schnurr und Restaurantkritikerin Alexandra Kilian, nicht in die Top Five gewählt. Diese Fünf wurden für Challenge Nummer zwei, bei der es galt, Chefjuror Eckart Witzigmann zu überzeugen, zu Teamchefs erkoren, die sich jeweils einen der verbliebenen Kandidaten als Partner beziehungsweise Handlanger wählen durften. Und so kam es dann zum eingangs erwähnten Szenario. Ein Mann nach dem anderen wurde von den anderen Männern gewählt, bis dem Viert- und Fünftplatzierten, Serkan Güzelcoban und Sven Wesholek, nichts mehr anderes übrig blieb, als sich für Annette Glücklich und Hou Hua zu entscheiden. "Die Männer machen alles unter sich aus", schimpfte Erstere gekränkt.

"Ich will nicht sagen, er ist ein Macho, aber ..."

Doch bald verging den Herren das Lachen, und manch einer wünschte sich, doch Hou Hua gewählt zu haben - denn die nächste Herausforderung war, ohne Rezept und nach bloßem Erschmecken möglichst exakte Kopien von zwei Gerichten zu schaffen, die Küchenchef Guanfeng "Afon" Guan kreiert hatte. China-Küche, das musste doch ... Hou Hua winkte genervt ab: "Alle gehen davon aus, dass ich das perfekt mache ..." Dabei sei ihr als Kantonesin die Shanghai und Szechuan Cuisine von "Afon" alles andere als vertraut. Klar - ein norddeutscher Koch wäre vermutlich auch kein Experte in Sachen Schweinshaxe, Brezenknödel oder Kaiserschmarrn.

Immerhin lief die Teamarbeit zwischen ihr und Kollege Sven Wesholek vergleichsweise harmonisch - ganz im Gegensatz zu der von Annette Glücklich und Serkan Güzelcoban, die ein ums andere Mal aneinander gerieten, weil er jeden ihrer Vorschläge schroff abbügelte. "Ich will nicht sagen, er ist ein Macho, aber er ist schon ein Mann, der gerne den Ton angibt", gab sie sich diplomatisch, betonte aber nach Beendigung der Challenge mehrfach: "Ich hätte es anders gemacht."

Tolle Erfahrung, bittere Tränen

Und womöglich hätte ihr vorübergehender Boss tatsächlich auf sie hören sollen - den Sieg erlangten bei dieser Challenge Sven Wesholek und Hou Hua. Nun wurde das Eis dünn für die verbliebenen Kandidaten. Die Teamchefs mussten entscheiden, wer sich jeweils aus ihrem Team in die entscheidende "Witzigmann-Challenge" wagen musste, die mit einem Ausscheiden enden konnte. Besagte Challenge bestand darin, ein passendes Canapé zur "Cuvée Eckart Witzigmann" zu kreieren, kurz: dem "Witzigmann-Champagner".

Alle vier Köche konnten bei der Jury Lob einheimsen, für den Jüngsten der Runde, Johannes Sommer, war aber schließlich trotzdem Schluss. Seine Avocado-Hummer-Kreation auf Kräuterseitling überzeugte die mittlerweile wieder vereinte Dreier-Jury am wenigsten. Der Ausgeschiedene sprach daraufhin tapfer von einer "tollen Erfahrung", weinte jedoch auch bittere Tränen. Er habe sich beweisen wollen, dass er trotz seiner Nervenkrankheit - seine Fingerspitzen sind taub - nicht eingeschränkt sei. Aber: "Ich bin's halt doch irgendwie." Nun, dafür kann er Gefühle zeigen und ist immerhin kein Macho ... Nächste Woche geht's weiter im Kampf der Geschlech... äh Küchenmeister!

Quelle: teleschau - der mediendienst GmbH
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