Sex-Oper schlägt weiter hohe Wellen

Sex-Oper schlägt weiter hohe Wellen
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Sex-Oper schlägt weiter hohe Wellen

23.06.2004 - 13:10 Uhr

Splitternackte Sänger, schwüle Duschszenen, Leichenschändungen und viel Blut: Die Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts "Entführung aus dem Serail" an der Komischen Oper Berlin hat einen Eklat ausgelöst.

Was die "Komische Oper Berlin" aus der Geschichte um die in den Orient entführte Edeldame Konstanze gemacht hat, ist nichts für schwache Nerven. Die Handlung auf der Bühne: ein Wechsel von Sex- und Gewaltorgien, Sadomaso und Vergewaltigungen. Noch vor der Premiere des Stücks rechtfertigte sich Regisseur Calixto Bieto gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Sex spielt immer eine Rolle. Mozart dachte nur an Sex."

Aber ist das ein Grund, aus der Oper direkt einen Porno zu machen? Besuchern der Aufführung wird einiges zugemutet: In drei Szenen müssen sich die Darsteller anpinkeln lassen und die "Ergüsse" trinken. In einer anderen Szene wird einer Darstellerin die Brustwarze "abgeschnitten". Alles täuschend echt. Es fließen Unmengen Theaterblut. Kann man dieses Theaterstück wirklich noch unter dem Deckmantel "Kunst" rechtfertigen?

Jens Larsen, einer der Hauptdarsteller: "Das ist die reine Realität, die wir hier abbilden. Leider." Kultursenator Thomas Flierl von der PDS drückt es so aus: "Die Darstellung von Blut, Sex und Gewalt spiegelt gesellschaftliche Phänomene wider."

Nach der Premiere liefen am Dienstag die Telefone in der Komischen Oper heiß. Freunde und Förderer des Schauspielhauses sind entsetzt. Manfred Hütter, Geschäftsführer des Freundeskreises sagte der "BZ": "Viele Mitglieder des Freundeskreises haben unter Protest die Vorstellung verlassen."

Auch DaimlerChrysler, einer der größten Geldgeber springt möglicherweise ab. Daimler-Berater Matthias Kleinert, einer der sieben Kuratoren im Förderkreis der Komischen Oper, erklärte in der "Berliner Morgenpost", er wolle den Daimler-Vorstand bitten, das Engagement des Unternehmens von jährlich 10.000 Euro zu überprüfen. Die Inszenierung könne man nicht "diskussionslos über die Bühne gehen lassen".

Doch die Veranstalter bleiben hart. Das subventionierte Theatersystem sei Ausdruck einer freien Gesellschaft, die auch unbequeme Kunst als notwendig begreife, erklärte Intendant Andreas Homoki.

Jede verkaufte Eintrittskarte wird vom Berliner Senat mit 165 Euro subventioniert. Geld also, welches letztlich vom Steuerzahler stammt.

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