Tatort mit Psycho-Kommissar schlägt Vettels Rekordfahrt

Nora Dalay (Aylin Tezel) gewinnt das Vertrauen von Julia
(Matilde Merkel), der besten Freundin des Opfers. © WDR/Thomas
Kost
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Nora Dalay (Aylin Tezel) gewinnt das Vertrauen von Julia (Matilde Merkel), der besten Freundin des Opfers. © WDR/Thomas Kost

 

Kein Wohlfühl-Tatort, kein verkrampftes Kunstwerk, kein Schmunzel-Krimi - der Dortmunder Tatort mit Kommissar Faber ist anders, holt aber dennoch den Tagessieg.

Nein, ein angenehmer Zeitgenosse ist Peter Faber wirklich nicht. Wer von uns war gestern abend nicht heilfroh, dass die unverschämten Kommentare des Dortmunder Kommissars die tapsigen Assistenten oder den schnöseligen Bar-Besitzer getroffen haben, man selber aber verschont blieb? Auch beim Anblick des unrasierten Psycho-Wracks im ewig gleichen Anorak war so manch einer froh, dass es noch kein Geruchs-Fernsehen gibt.

Doch während bei den meisten anderen Kommissaren eine feierabendbierselige Kumpelei herrscht, sieht man im Dortmunder Kommissariat eine bisweilen offene Feindseligkeit. Wer jetzt mit Realitäts-Bezug und den zweifelsohne hohen psychischen Belastungen durch Mobbing um die Ecke kommt, dem sei noch einmal vor Augen geführt, dass es hier um einen Sonntagabend-Film geht, der unterhalten soll. Und unterhaltsam ist Jörg Hartmann als Peter Faber auf jeden Fall. In Sachen Boshaftigkeit lässt er selbst Professor Boerne aus Münster hinter sich - und Faber meint es dabei auch noch ernst!

Mit 8,41 Millionen Zuschauern und einem Anteil von 22,6 % (14-49: 2,98 Mio.; 20 %) lag der Tatort "Eine andere Welt" gestern im gehobenen Tatort-Mittelfeld - und das trotz des parallel übertragenen Formel 1-Rennens. Für eine so sperrige Hauptfigur wie Faber ein sehr guter Wert, und auch Martina Bönisch (Anna Schudt), Daniel Kossik (Stefan Konarske) und Nora Dalay (Aylin Tezel) taugen mit ihren Macken nicht wirklich als Identifikationsfiguren. Gerade deswegen ist der Dortmund-Tatort ein äußerst wertvoller Teil der ganzen Reihe. Die Geschichten sind - bislang - gut, knackig und nicht so überladen wie in einigen anderen Städten. Am wichtigsten ist aber, dass die unbequemen Elemente innerhalb der Story stattfinden und nicht im Rezeptions-Rahmen.

Figuren brauchen ihren dunklen Fleck

Es braucht hier keine hektischen Schnitte und überambitionierte Möchtegern-Kunst, um sich von anderen Krimis abzuheben. Deswegen verstört "Eine andere Welt" den Zuschauer auch nicht, sondern nimmt ihn gefangen. Jeden Sonntagabend einem Faber bei der Selbstzerstörung zuzusehen, wäre zu heftig, doch in den Tatort-üblichen Dosen kommen aus Dortmund wahre Kleinode! Dass Faber dem Unglück seiner Familie ein Stück näher kommt und Martina Bönisch in ihrem Leben aufräumt, ist ein legitimer nächster Schritt. Man muss aber aufpassen, dass den Figuren im weiteren Verlauf nicht der dunkle Fleck genommen wird, der sie spannend macht! In diesem Sinne: Hau rein, Faber!

Die Resonanz bei den Zuschauern war dieses Mal durchwachsen. Während die einen begeistert waren, konnten andere mit dem Dortmund-Tatort nicht viel anfangen.

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