Der SUV mit dem Saxophon
Mehr als 100 Jahre hat es gedauert, bis Maserati sich entschloss, ein SUV zu bauen. Erster Eindruck nach einer längeren Ausfahrt: Maserati-Fans werden den Levante lieben. Und nicht nur die.
Als Porsche den Cayenne in den Markt brachte, fragten sich auch vermeintliche Insider, was dieses große Auto denn solle im Programm eines Sportwagenherstellers. Wie wir heute wissen, hat der Cayenne Porsche in goldene Zeiten geführt, die bis heute anhalten. Denn SUV boomten und boomen überall auf der Welt, und die Klientel ist bereit, für diese Art Auto tiefer als üblich in die Tasche zu greifen.
Maserati Levante mit Einstandspreis ab 70.500 Euro
Nun springt also auch Maserati auf die SUV-Welle. Levante heißt der knapp über fünf Meter lange SUV. Im Mai wird der SUV mit dem großen Kühlergrill und den flachen Scheinwerfern in Deutschland als Maserati S mit einem 430 PS starken V6-Turbo-Benziner starten, im Juli folgt der Diesel mit 275 PS. Ihn wird es zu Preisen ab 70.500 Euro geben, während der Benziner nicht unter 88.000 Euro zu haben sein wird.
Noch sind noch nicht alle Optionspreise kalkuliert, doch schon ohne Extras kommt der Levante nicht wirklich ärmlich daher. Ledersitze sind ebenso serienmäßig wie ein Navigationssystem oder ein Luftfeder-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern. Auf anderen Märkten gibt es auch noch einen 350 PS starken Benziner und speziell für Italien einen Diesel mit 250 PS, doch in Deutschland bleibt es vorerst bei den zwei Power-Versionen. Für 2018 ist eine Hybrid-Version angedacht.
Maserati Levante immer mit Achtstufen-Automatik
Fürs erste Kennenlernen wählten wir den Benziner, dessen Dreiliter-V6 gegenüber dem Ghibli von 410 auf 430 PS erstarkte. Die Power bringt eine schnell und weich schaltende Achtstufen-Wandlerautomatik an die Hinterräder, bei Bedarf stellt eine elektronisch gesteuerte Kupplung den Kraftschluss zur Vorderachse her, wobei die Kräfte sehr frei hin- und herfließen können. Natürlich kann der Fahrer aus seinem großen, nicht schraubstockengen Sitz heraus auch diverse Fahrmodi wählen. Darunter sind, na klar, ein Effizienz-Modus, ein Offroadmodus mit zwei verschiedenen Levels bis hin zu 210 Millimetern Bodenfreiheit sowie ein Sportmodus.
Der schärft in der ersten Stufe Getriebe und Motorelektronik, was sich in späterem Hochschalten und früherem Zurückschalten äußert. In einer zweiten Stufe dann straffen sich die Dämpfer, was dem auf kleinen Unebenheiten nicht brillanten Federungskomfort noch einmal etwas an Sanftheit nimmt.
Maserati Levante mit tollem Motorsound
Nun stöckelt der Levante, der auch hinten reichlich Raum für Erwachsene Mitfahrer hat, ziemlich steifbeinig übers Parkett, aber dafür entschädigt er: Mit machtvollem, feinnervigen Antritt bei jeder Drehzahl zum Beispiel, und schon im ersten Sport-Level mit einem Soundgewitter, das den Levante zum Freund der Audiophilen machen wird. Was da so abgeht in den Regionen um 3.000 und jenseits der 4.000 Umdrehungen, klingt so unterhaltsam und leicht schmutzig wie eine kunstfertig gezogene Posaune. Und der Levante S geht, wie er klingt: 264 km/h Spitze verspricht Maserati und 5,2 Sekunden von Null auf 100. Diese Werte klingen glaubhaft, der NEFZ-Verbrauch von 10,9 Litern eher nicht.
Erfreulich ist, dass der Levante im Normalmodus ein leises Reiseauto ist. Trotz der rahmenlosen Seitenscheiben sind Windgeräusche kaum vernehmbar, und bei geschlossener Auspuffklappe hält der Motor sich langstreckenkompatibel zurück. Ein stilvolles, leises Familienauto also, das mit 580 Litern Kofferraumvolumen auch für den größeren Urlaub taugt.
Maserati Levante mit agilem Fahrverhalten
Wenn die Straßen kurviger werden, kommt vor allem der Fahrer auf seine Kosten. Denn dass der Levante gut 2,1 Tonnen wiegt, ist nach dem ersten zackigen Einlenken vergessen. Es ist schon erstaunlich, wie agil dieser Brocken der angenehm gefühlsechten Lenkung folgt und ohne bremsendes Untersteuern um die Ecken pfeift. Ein Fahrerauto, das schnell vergessen lässt, wie tapfer es sich auch im Gelände schlägt. Das zeigte ein Ausflug auf die Offroad-Pisten von Fiat-Chrysler im italienischen Balocco, wo so mancher Jeep an seine Grenzen gebracht werden kann.
Ein erfreulicher Neuzugang also im Kreis der noblen SUV, dem man allerdings manche Eigenheiten nachsehen muss. So schön das Cockpit anzusehen ist, so stiefmütterlich behandelte Maserati dabei manche Erkenntnisse des Autofahreralltags. Es ist schlicht unpraktisch, Sitzheizung oder –lüftung nur über den Touchscreen regeln zu können oder zum Aktivieren der Fahrerassistenzsysteme in Untermenüs einsteigen zu müssen. Bei den meisten Wettbewerbern genügt dafür der schnelle Druck aufs klassische Knöpfchen. Dennoch: Spät kam er, der Levante. Aber das Warten hat sich gelohnt.