Sportwissenschaftler Singler verklagt Freiburger Uni-Rektor Schiewer

Sportwissenschaftler Singler verklagt Freiburger Uni-Rektor
Schiewer
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Sportwissenschaftler Singler verklagt Freiburger Uni-Rektor Schiewer

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Sportwissenschaftler Andreas Singler hat gegen den Rektor der Universität Freiburg Strafantrag wegen Urheberrechts-Verletzung gestellt.

Freiburg (SID) - Der Mainzer Sportwissenschaftler Andreas Singler hat im Zuge der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit der Universität Freiburg gegen Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer Strafantrag wegen Urheberrechts-Verletzung gestellt. "Die Universität Freiburg hat am heutigen Tage erneut gegen meinen ausdrücklichen Willen ein wissenschaftliches Gutachten widerrechtlich auf ihrer Homepage veröffentlicht, diesmal geht es um ein über 500-seitiges Gutachten zu Professor Armin Klümper", teilte Singler mit.

Für eine solche Veröffentlichung liege der Universität, so Singler, nicht nur keine Publikationsgenehmigung durch ihn als verantwortlichem Autor vor. "Eine Publikation des Gutachtens wurde aufgrund ungeklärter Honorarverpflichtungen der Universität mir gegenüber ausdrücklich untersagt, was u.a. in der Pressemitteilung vom 14.03.2017 zum Ausdruck gebracht worden ist", sagte Singler.

Wie die Universität ebenfalls am Freitag erklärte, habe die Staatsanwaltschaft unterdessen allerdings die Ermittlungsverfahren nach zwei vorherigen Strafanzeigen Singlers eingestellt. "Damit hat sie die Position der Universität Freiburg, die aus der Arbeit der Evaluierungskommission hervorgegangenen Gutachten zu Recht veröffentlicht zu haben, bestätigt", hieß es in der Mitteilung.

In dem nun veröffentlichten Gutachten über den ehemaligen Freiburger Mediziner Klümper berichtet Singler über ein flächendeckendes bundesdeutsches Dopingsystem mit womöglich Tausenden involvierten Sportlern über mehrere Jahrzehnte. Singler beschreibt den umstrittenen Sportarzt als zentrale Figur eines riesigen Manipulations-Apparates, der von der Politik zwar nicht gesteuert, aber toleriert wurde. Es gebe "gute Gründe, für die Bundesrepublik Deutschland von systematischem und teils auch flächendeckendem Doping (...) zu sprechen", heißt es in dem Gutachten.

Wie die Hochschule zu einem früheren Zeitpunkt erklärt hatte, wäre Singler nur zur Übergabe der Gutachten an die Universität bereit gewesen, wenn die Uni einen Betrag in Höhe von fast 100.000 Euro bezahlen würde. Diese Forderung wies die Universität zurück. Singler pochte daher weiter auf seine alleinigen Nutzungsrechte. Diese seien mit der Veröffentlichung am Freitag verletzt worden.

Die Albert-Ludwig-Universität Freiburg hatte neben dem Gutachten zu Armin Klümper noch weitere Einzelgutachten aus der einstigen "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin", zu der auch Andreas Singler gehörte, auf seine Homepage gestellt. Diese behandeln unter anderem die Sportmediziner Herbert Reindell, Joseph Keul und das Thema Doping beim Team Telekom/T-Mobile. Für alle zeichnet Singler verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich. Nicht publik gemacht wurde eine weitere Studie zu Manipulationen im Radsport und Fußball.

Die Evaluierungskommission war 2007 ins Leben gerufen worden, um die Geschichte der skandalumwitterten Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen. Anfang 2016 hatte sich die Kommission im Streit getrennt, ohne ein Ergebnis veröffentlicht zu haben. Die Mitglieder der Gruppe hatten damit gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch die Uni protestiert.

Quelle: 2017 SID (Sport Informationsdienst Neuss)
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