KI-Browser im Vergleich
Browser wie Brave, Opera oder Firefox bieten KI-Funktionen, um das Surfen im Internet aufzuwerten. Wir zeigen Dir, welche Browser besonders informativ und schnell sind.
Durch Chatbots ist die künstliche Intelligenz längst bekannt geworden, doch sie versteckt sich auch in anderen Anwendungen. Neben Office-Tools sind vor allem die Webbrowser zu nennen. Immer mehr clevere Funktionen halten hier Einzug und helfen dem Nutzer beim Erkunden des Internets. Sie sind direkt in die Oberfläche integriert und bieten zahlreiche Vorteile. So lassen sich die Inhalte von Websites mit nur einem Klick zusammenfassen. Der Besucher erhält also einen schnelleren Überblick. Die KI kann auch Tabs gruppieren und viele andere Aufgaben übernehmen. Das Ziel ist mehr Geschwindigkeit und Komfort für den Nutzer.
Auf dem Markt sind aktuell vor allem sechs dieser KI-Browser besonders interessant. Sie verdienen einen näheren Blick und offenbaren schnell, dass zwischen den Angeboten teilweise erhebliche Unterschiede bestehen.
Was macht ein KI-Browser anders?
In einem KI-Browser ist ebenfalls ein Chatbot integriert. Tatsächlich handelt es sich hierbei sogar um die wichtigste Komponente. Du kannst mit diesem Chatbot interagieren, ihm Fragen stellen und Aufgaben schneller erledigen. Damit das funktioniert, benötigt der Chatbot Zugriff auf die Website, auf der Du Dich aktuell befindest. Die KI scannt den Inhalt, fasst diesen für dich zusammen und kann Deine Fragen dazu beantworten. Es steht Dir also ein Assistent immer zur Seite.
Gerade bei langen Texten sind diese smarten Funktionen nützlich. Eine Zusammenfassung unterstützt den Entscheidungsprozess und hilft Dir dabei, einzuschätzen, ob sich die Lektüre des langen Artikels überhaupt lohnt. Einige Bots gehen sogar noch einen Schritt weiter und können komplett neuen Text für Dich erstellen oder bereits vorhandenen überarbeiten. Besonders praktisch sind hierfür Bots, die der Entwickler in der Seitenleiste eingebaut hat. Wenn Du eine Website besuchst, ist die Funktion also sofort sichtbar.
Brave und Edge können Texte erstellen und überarbeiten und bieten die Zusammenfassung von Inhalten mit nur einem Klick an. Einen in der Sidebar untergebrachten Chatbot bietet mittlerweile auch Firefox an. Bei Opera musst du den KI-Assistenten hingegen umständlich per Tastenkombination aufrufen. Verfügbar ist er dann über ein Overlay, das die Website leider teilweise überdeckt.
Nicht nur Text ist auf Webseiten relevant, auch mit PDFs sollte eine KI umgehen können. Denn viele Nutzer sehen sich PDFs bevorzugt in ihrem Browser an und verwenden diesen als ihren primären Viewer. Tatsächlich sind nur Brave und Edge dazu in der Lage, Fragen bezüglich PDFs zu beantworten.
Videos lassen sich ebenfalls zusammenfassen. Wenn Du zum Beispiel wissen möchtest, was in einem YouTube-Video besprochen wird, kannst Du diese KI-Funktion dafür nutzen. Manche Inhalte musst Du Dir dann vielleicht gar nicht mehr in voller Länge ansehen. Für die Umsetzung greift die KI auf das Transkript zurück, das YouTube für viele Videos bereitstellt. Brave und Edge können das und auch Firefox bietet diese Funktion. Über einen Audioassistenten verfügt hingegen nur Edge, und dieser kann auch nicht die aktuell angezeigte Website lesen. In Bezug auf Sprachein- und –ausgabe sind die Fähigkeiten also noch eingeschränkt.
KI-Funktionen, die jeder kennen sollte
Die KI der Browser beschränkt sich nicht auf den Chatbot. Es stehen weitere Funktionen zur Verfügung, die Dir den Arbeitsalltag erleichtern können. So kann die KI zum Beispiel Tabs für Dich gruppieren. Wenn Du häufig mit vielen gleichzeitig geöffneten Tabs arbeitest, wirst Du das zu schätzen wissen. Die Tab-Leiste lässt sich auf diese Weise viel übersichtlicher gestalten.
Eine Gruppierungsfunktion bieten zum Beispiel Arc und Edge. Bei Opera musst Du erst den KI-Assistenten starten, um diese Funktion nutzen zu können. Das ist deutlich umständlicher. Dafür können aber alle KI-Browser bis auf Chrome Texte umschreiben oder neu verfassen. Edge und Opera können zusätzlich sogar Bilder generieren. Wenn Du Dich bei OpenAI anmeldest, geht das auch mit Firefox.
Bis auf Opera beherrschen alle KI-Browser Übersetzungen ins Deutsche. Bei Opera kannst Du diese Funktion aber nachrüsten. Wenn Dir der Datenschutz wichtig ist, solltest Du Firefox ausprobieren. Denn hier erfolgen die Übersetzungen lokal auf Deinem Gerät. KI-generierte Browser-Themes bleiben Edge vorbehalten.
Ebenfalls sind Bildanalysen per KI möglich. Abgesehen von Chrome bietet das aber kein anderer Browser an. Android-Nutzer kennen diese als Lens bezeichnete Funktion bereits. Dabei scannt die KI alle auf einer Webseite sichtbaren Elemente und stößt mit dem Analyseergebnis eine Websuche an.
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Arc Max: Noch nicht ganz am Ziel
Der Arc Browser ist relativ neu und erst seit dem Jahr 2022 auf dem Markt verfügbar. Dabei geht er eigene Wege und möchte sich von der Konkurrenz abheben. Die Entwickler setzen hier bewusst auf eine einfach gehaltene Optik und Bedienoberfläche. Am Arc Max kann aber auch Kritik geübt werden. So sind viele der vorhandenen Funktionen nicht konsequent umgesetzt. Außerdem scheinen viele der Hilfeseiten nicht auf einem aktuellen Stand zu sein.
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Möchtest Du auf einer Webseite nach Begriffen suchen, verwendest Du wie gewohnt die Tastenkombination Strg-F. Über das Suchfeld ist dann auch eine Zusammenfassung per KI zugänglich und Du kannst direkt Deine Fragen zum Inhalt eingeben. Du siehst aber nicht, welches KI-Modell genau daran beteiligt ist. Hierbei könnte es sich zum Beispiel um ChatGPT handeln. Ein anderes Llama-Modell ist aber auch möglich. Du möchtest Text neu erstellen oder umformulieren lassen? Das erfolgt ebenfalls über das Suchfeld. Der Austausch mit dem Chatbot ist aber wenig komfortabel, weil das Suchfeld so klein ist. Arc Max verfügt über keine Seitenleiste. Als Alternative sollst Du Dir ein schwebendes KI-Fenster einblenden lassen können. Die Funktion scheint aber noch etwas wacklig implementiert zu sein. Insgesamt gehört der Arc-Browser damit zu den schwächeren KI-Browser-Angeboten.
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Brave mit überzeugender KI-Integration
Bei Brave hört der KI-Assistent für den Browser auf den Namen Leo. Auch hier haben sich die Entwickler für eine Lösung mit Integration in die Sidebar entschieden. Du kannst Deine Fragen an Leo richten, die Inhalte auf Webseiten und aus PDFs sowie aus Videos zusammenfassen lassen. Leo kann auch neue Inhalte für Dich erstellen und erweist sich damit als flexibler KI-Helfer.
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Meta stellt mit Llama ein Open-Source-Modell vor, das sich für Chattools nutzen lässt. Und auf dieses in der Version 3.1 8B greift Leo zurück. Das Modell wird dabei auf den eigenen Servern des Browserherstellers betrieben. Das soll Vorteile im Hinblick auf den Datenschutz bieten, weil weder Chats noch sonstige persönliche Daten gespeichert werden. Wenn Du möchtest, kann Du aber auch andere KI-Modelle nutzen. Zum Angebot gehört zum Beispiel Claude 3.5 Haiku. Dieses speichert die Chats für 30 Tage und läuft nicht auf den Brave-Servern. Wenn Du also bisher mit Lösungen wie Edge nicht zufrieden warst, könnte der Brave-Browser einen Test wert sein. Die KI ist solide integriert und einfach bedienbar.
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Chrome: Steht noch in den Startlöchern
Anders als viele andere Hersteller hat Google noch keinen KI-Chatbot im Rahmen des hauseigenen Browsers Chrome an den Start gebracht. Es ist kein Chatbot in der Sidebar zu finden und selbst Tabs lassen sich noch nicht per künstlicher Intelligenz sortieren. Chrome läuft damit dem Markt klar hinterher. Denn viele andere Entwickler setzen konsequent auf KI-Funktionen in ihrer Software und haben hier längst die ersten Versionen vorgestellt.
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Die KI-Flaute betrifft zumindest den deutschen Chrome-Browser. Denn in den USA tut sich bereits etwas. So ist zum Beispiel mit Canary eine Entwicklerversion des Browsers verfügbar, die über KI-Funktionen verfügt. Google Lens bildet hier aber eine interessante Ausnahme. Mit diesem Tool kannst Du schon jetzt alles analysieren, was Dein Browser anzeigt. Du kannst zum Beispiel Bilder auswerten und das Ergebnis für eine Websuche verwenden.
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Edge mit Copilot: Starke KI-Funktionen
Viele Nutzer waren früher vom Microsoft-eigenen Browser Internet Explorer wenig begeistert und zögern daher vielleicht, Edge eine Chance zu geben. Tatsächlich gehört Edge zu den leistungsstärksten KI-Browsern. Er basiert auf Chromium und weiß mit einer tiefen Integration der KI-Funktionen zu überzeugen. Ebenfalls interessant: Edge nutzt die von OpenAI entwickelten KI-Modelle. Viele der vom Webdienst Copilot her bekannten Funktionen finden sich auch in Edge wieder.
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Edge arbeitet mit vorformulierten Fragen, die Du über die Seitenleiste findest und anklicken kannst. Ein Audioassistent ist auch verfügbar, damit Du die Suche per Spracheingabe anstoßen kannst. Leider kann die KI aber nicht auf den aktuellen Websiteinhalt zugreifen. Tabs kann Edge hingegen für Dich sortieren. Die entsprechende Funktion heißt Registerkarten organisieren. Du kannst den KI-Assistenten übrigens unabhängig von der Bing-Suche verwenden und stattdessen auf Google oder DuckDuckGo wechseln. Die findest Du über “Einstellungen”, “Datenschutz, Suche, Dienst” und dann über “Suche und vernetzte Ergebnisse”. Hier kannst Du die “In Adressleiste verwendete Suchmaschine” ändern.
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Firefox: Halbherzige Umsetzung
Relativ wenige KI-Funktionen hat aktuell Firefox im Angebot. Zudem sind die Funktionen auch noch relativ umständlich zugänglich.
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Über “Symbolleiste anpassen” kannst Du Anthropic Claude, ChatGPT, Google Gemini oder Le Chat Mistral in der Sidebar nutzen. Je nach verwendetem Dienst kann dafür eine Registrierung erforderlich sein. Das Mozilla-Add-on Orbit ist hingegen nicht mehr verfügbar. Das ist schade, weil dieser KI-Chatbot zum Beispiel auf Websites direkt zugreifen konnte. Dafür gibt es neue Funktionen wie die lokale Übersetzung von Text. Das ist ein Vorteil, weil viele andere Browser die Texte an einen Server weiterleiten, was hinsichtlich der Privatsphäre nicht optimal ist. Es fällt jedoch insgesamt auf, dass die KI-Funktionen von Firefox eher beschränkt sind.
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Opera One: Überzeugt nur teilweise
Der KI-Chatbot hört bei Opera auf den Namen Aria und findet sich in der Sidebar. Auf Webseiten kann er aber nicht sofort zugreifen. Erst mit der Tastenkombination Strg-Shift-7 lässt sich das ganze Potenzial von Aria erschließen. Jetzt kann die KI YouTube-Videos oder Webseiten zusammenfassen. Umständlicher ist diese Funktion bei kaum einem anderen KI-Browser umgesetzt. Immerhin stehen mit ChatGPT 4o und Gemini 2.0 leistungsfähige KI-Modelle zur Auswahl.
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Wenn Du möchtest, kannst Du per Sidebar Bilder hochladen und dann von Aria analysieren und neu erstellen lassen. Die Anordnung von Tabs hingegen funktioniert noch nicht reibungslos. Insgesamt scheint die KI-Umsetzung bei Opera One noch ganz am Anfang zu stehen.
Fazit: Diese KI-Browser sind jetzt schon eine Empfehlung
Aktuell gehört Edge zu den führenden Angeboten im Bereich der Browser mit KI-Funktionen. Hervorzuheben ist die gelungene Integration in die Benutzerführung. Viele typische Fragen musst Du nicht eintippen, sondern kannst auf vorgefertigte Schaltflächen zurückgreifen. Der Audioassistent ist hingegen noch ausbaufähig und es steht anders als bei Google noch keine Bildanalyse zur Verfügung. Wenn Du auf eine datensparsame Lösung Wert legst, solltest Du Dir Brave ansehen. Auch Opera One verfügt bereits über KI-Funktionen, hier ist aber die umständliche Bedienung ein Hindernis. Firefox hat die Betaphase noch nicht verlassen und Chrome hat nur wenige KI-Funktionen zu bieten. Als wenig ausgereift erscheint auch Arc Max.