Michelle spricht im TV über "furchtbare" Erfahrungen - und warum sie ihren Eltern verziehen hat
Seit gut 30 Jahren steht Michelle auf der Bühne. Doch im vergangenen Jahr gab die Künstlerin mit der einprägsamen Stimme bekannt: Bald ist Schluss. "Entweder, man hasst meine Stimme oder man liebt meine Stimme", sagt sie am Freitagabend in der MDR-Talkshow "Riverboat".
Schlagerfans lieben sie und brachten Lieder wie "Wer Liebe lebt" oder "Du Idiot" ganz nach oben in die Hitparaden. "Es hat wirklich Spaß gemacht", resümiert die 53-jährige ihre Zeit in der Öffentlichkeit. "Aber es ist schon über die Jahre so gewesen, dass ich gespürt habe, dass ich diese Reiserei nicht mehr möchte. Wir fahren über 100.000 Kilometer im Jahr auf der Autobahn, wir sind permanent in anderen Hotels. Ich habe drei gesunde Töchter, die Älteste ist jetzt 30 und hat ein Kind. Ich bin jetzt Oma und ich finde, jetzt haben andere Dinge Priorität für mich."
Sie habe zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbracht, sagt Michelle. Für ihr Enkelkind möchte sie nun da sein, so oft wie möglich. "Der Entschluss, in diesem Jahr aufzuhören, steht für mich felsenfest. Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. Das ist ein langer Prozess. Ich möchte mich mehr um mich kümmern, um die Dinge, die mich persönlich angehen. Dazu gehört natürlich auch meine Familie. Ich möchte jetzt einfach nur Tanja sein."
Michelle verspricht ihren Kindern: "Wenn sie fallen, bin ich da"
Am 15. Februar feiert Michelle ihren 54. Geburtstag. An diesem Tag findet auch ihr letztes Konzert statt, in Berlin. Ihre ganze Familie wird dabei sein. Darauf freut sie sich natürlich. Und sie sagt: "Ich bin dankbar für die letzten 34 Jahre."
Michelles Leben war nicht leicht, bevor sie ihre ersten Hits hatte. Doch sie hat gelernt: "Alles, was passiert, ist genau richtig, auch wenn es weh tut, auch wenn es ganz furchtbar und schrecklich war. Aber es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin." Sie habe immer hinter ihren Kindern gestanden, sagt sie. Aber sie habe ihnen die Freiheit gelassen, das zu tun, was ihnen ihr Gefühl gesagt habe. "Ich werde immer für meine Kinder da sein, egal, was sie tun. Ich bin der Fels in der Brandung. Wenn sie fallen, bin ich zu 100 Prozent da."
Michelle selber hatte keine wirklich schöne Kindheit. Ihre Mutter war Alkoholikerin, sie wurde als Kind misshandelt. Sie hat auf der Straße gelebt, wuchs in einer Pflegefamilie auf. "Ich habe mir auch das Leben nehmen wollen. Dann hat jemand da gestanden und gesagt: Es ist noch nicht deine Zeit. Du hast drei Leben in ein Leben gepackt, und das hast du selber entschieden, und das lebst du gefälligst. Das habe ich gemacht. Und ich habe ein Lied geschrieben. So ist 'Gespräch mit Gott' entstanden. Heute weiß ich: Ich habe eine andere Reife. Das Leben prägt dich, aber was du daraus machst, entscheidest du selber."
"Wenn man das verstanden hat, kann man einfach jedem Menschen verzeihen"
Und sie hat sich entschieden, ihren Eltern zu vergeben. "Wichtig ist, dass man irgendwann weiß, dass weder Vater noch Mutter schuldig sind. Ich glaube fest daran: Es gibt kein Gut, es gibt kein Schlecht, es gibt nur einen Lernprozess. Und wenn man das verstanden hat, dann kann man einfach jedem Menschen verzeihen, der einem irgendwas antut. Das ist das Allerwichtigste, das wir im Leben lernen müssen."
Schon zu Beginn ihrer Karriere hat Michelle sich nicht gerne beeinflussen lassen. Sie habe sich nie ein Rüschenkleid anziehen lassen sagt die Sängerin. Das sieht man, wenn man sich heute Aufnahmen ihrer ersten Fernsehauftritte anschaut. Mit "Und heut' Nacht werd' ich tanzen" war sie 1993 in der ZDF-Hitparade vertreten. Da zeigte sie sich selbstbewusst, eine junge Frau, die wusste, was sie wollte.
Nur mit den Männern klappte es lange Zeit nicht so. Doch jetzt ist sie glücklich mit Schlager-Kollege Eric Philippi (29). "Wir sind seit drei Jahren zusammen. Viele Frauen klagen, dass sie immer nur Idioten finden. Ich glaube, das ist so, weil man sich genau diesen Menschen aussucht, weil er etwas füllt, das in einem noch leer ist. Erst wenn man das selber gefüllt hat, braucht man so etwas nicht mehr. Und kein Mensch kann dich mit irgendetwas füllen. Das kannst nur du selber machen."
Was die kleine Sängerin mit der großen Stimme machen will, wenn sie nicht mehr auf der Bühne steht, weiß sie auch schon. "Es geht um Tiere, um Heilung und ganz viel um Spiritualität", sagt sie bei "Riverboat". Ein wenig hat sie am Freitag schon damit angefangen, ihre besondere Spiritualität zu zeigen. Und vielleicht wird man bald ihre Memoiren lesen können. Ihr Leben und ihre Erfahrungen böten jedenfalls Stoff für ein sehr dickes Buch.