VW Derby (1977-1985): Kennen Sie den noch?

Volkswagen Derby
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Volkswagen Derby

© Motor1

Kaum zu glauben: Der Polo mit Stufenheck war anfangs durchaus beliebt

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Die Geschichte des VW Derby begann vor über 40 Jahren: 1974 stellte Audi den 50 vor, einen modernen Kleinwagen, der für die Fahrer des NSU Prinz gedacht war. Doch auch Konzernmutter VW erkannte das Potenzial des Audi 50 und machte ihn 1975 zum deutlich spartanischeren Polo. Anders als der oft vermutete Golf sollte er den Großteil der bisherigen Käfer-Kundschaft beglücken, die einfache Mobilität suchte. Anfang 1977 kam der Derby dazu, eine stets zweitürige Stufenhecklimousine.

Im Design sind die Audi-Einflüsse unverkennbar, so erinnert die Fensterlinie an den damaligen Audi 80. Tatsächlich wurde der spätere Derby in Ingolstadt entwickelt. Warum der Wagen nicht zum "Audi 60" wurde? Nun, bereits im Juli 1978 nahm Audi den 50 nach nur vier Jahren und 180.828 produzierten Einheiten wieder aus seinem Modellprogramm. Ein geplantes Facelift, das den ihn näher an den Audi 100 und den überarbeiteten Audi 80 rücken sollte, wurde nicht mehr realisiert, weil Audi im Volkswagen-Verbund die obere Mittel- und die Oberklasse bedienen sollte.

Am 7. Januar 1977 geht der VW Derby im Werk Wolfsburg in die Serienproduktion. Auf technischer Basis des Polo entwickelt, ist der Derby rund 30 Zentimeter länger, den Radstand von 2,33 Meter teilten sich beide Modelle. Der Längenzuwachs kommt voll und ganz dem Rucksack am Heck zugute: So hat der stets zweitürige, 3,83 Meter messende Kleinwagen einen 515 Liter großen Kofferraum (genug für acht Wasserkisten!) und Platz für fünf.

Der vorn quer eingebaute 40-PS-Motor ist mit einem DIN-Verbrauch von 7,3 Litern Normalbenzin sparsam, das Leergewicht beträgt nur 730 Kilogramm. Der 60-PS-Motor bringt den Wagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von 150 Stundenkilometern. Mit einem Basispreis von 9.055 DM bietet der Derby "viel Auto für wenig Geld". Die Rechnung geht auf: Bis zum Jahresende 1977 verkauft sich der Derby in 112.783 Exemplaren.

König Kunde kann beim Derby zwischen Motoren mit einer Leistungsfähigkeit von 40 über 50 bis zu 60 PS und verschiedenen Ausstattungen wählen. Neben dem Grundmodell gibt es die Versionen L, LS und GLS, die sich durch zahlreiche Extras und gestaffelten Komfort auszeichnen. Hierzu zählen beispielsweise verchromte Zierleisten, eine mehrstufige Belüftungsanlage oder Stoffbezüge aus Cord. Ein rechter Außenspiegel kostete 1977 hingegen noch Aufpreis.

Ein Tacho, sieben Kontrollleuchten und eine Tankuhr: 1977 reichte das, um zufrieden zu sein. Auffallend sind auch die sehr dünnen Lenkstockhebel, wie wir bei einer Fahrt vor vielen Jahren im Derby feststellen konnten.

Der 1100er-Benziner mit 50 PS füllte damals den Platz unter der Haube aus. In der heutigen Ära von Turbomotoren musste man sich erst einmal zwingen, dem Derby hohe Drehzahlen abzuverlangen. Denn nur dann ging die Post ab: Die maximalen 76 Newtonmeter Drehmoment liegen erst bei 3.500 Touren an. Von null auf 100 km/h braucht die Mikro-Limousine durchaus flotte 15,4 Sekunden.

Wie bereits erwähnt, verkaufte sich die Limousine im Premierenjahr 1977 sogar öfter als der bis aufs Heck baugleiche Polo. Danach ging es stetig bergab. Anfang 1979 erfolgte eine leichte Modellpflege, die an den nun aus Kunststoff bestehenden Stoßfängern zu erkennen war. Innerlich wurde die Armaturentafel überarbeitet und dem Polo angepasst.

Ende 1981 wurde die zweite Generation des Derby (Bild oben) vorgestellt. Nachdem im Jahr 1984 nur noch 5.044 Exemplare des Derby verkauft werden konnten, wurde er im Januar 1985 (gleichzeitig mit dem Stufenheck-Ableger Santana des Passat) mit dem Namen des Basismodells versehen. Der Derby wurde folglich in Polo umbenannt und erhielt wieder runde Scheinwerfer. 1988 war in Deutschland endgültig Schluss.

Unter dem Namen Derby entstanden von November 1981 bis Januar 1985 insgesamt knapp 370.000 Exemplare. Die Idee hinter dem Derby lebt in Brasilien weiter: Dort gibt es den VW Virtus, eine Stufenheck-Limousine auf Basis des aktuellen Polo.

Quelle: Motor1.com
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