Porsche K1 mit Artemis-Technik?: Elektro-Crossover aus Leipzig statt Hannover

Porsche K1 mit Artemis-Technik?: Elektro-Crossover aus Leipzig
statt Hannover
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Porsche K1 mit Artemis-Technik?: Elektro-Crossover aus Leipzig statt Hannover

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Porsche plant zum Macan ein zweites E-Modell auf PPE-Basis in Leipzig. Einem Medienbericht zufolge fließen deshalb Millionen an VW Nutzfahrzeuge, weil der Porsche nicht wie geplant aus Hannover kommt, wo er zusammen mit dem Artemis-Audi entstehen sollte. Nutzt Porsche vielleicht auch eine eigene Plattform?

Schon in der Pressemitteilung zur VW-Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember 2021 hieß es, dass Porsche in Leipzig nicht nur den elektrischen Macan bauen wird, sondern auch ein zweites Modell auf Basis der Premium Plattform Electric, die Porsche und Audi gemeinsam entwickelt haben. Was für ein elektrisches Modell das sein sollte, war nicht bekannt. Offenbar handelt es sich um ein Crossovermodell oberhalb des Geländewagen-Bestsellers Cayenne mit der internen Bezeichnung K1.

Porsche zahlt, um nicht Hannover produzieren zu müssen

Zumindest legt das eine Meldung der Automobilwoche nahe. Denn "um sein Artemis-Modell nicht bei VW Nutzfahrzeuge fertigen zu müssen, zahlen die Stuttgarter nach Informationen der Automobilwoche einen hohen Ausgleichsbetrag an die Konzernschwester in Hannover. Von einem ‚kleinen dreistelligen Millionenbetrag‘ ist intern die Rede, mit dem sich Porsche aus dem ungeliebten Projekt freikauft, also gut 100 Millionen Euro", so das Blatt.

Tatsächlich hatte der VW-Aufsichtsrat bereits 2020 beschlossen, das neue Porsche-Modell als eines von drei Modellen, die aus Audis Leuchtturmprojekt Artemis hervorgehen sollten, ab 2025 in Hannover produzieren zu lassen. Das dritte Modell ist ein Bentley. Die Autos werden offenbar sehr groß, weshalb sich das Nutzfahrzeug-Werk mit seiner größeren Lackiererei angeboten hatte. "Von 25.000 Artemis-Porsche pro Jahr war die Rede, die VW Nutzfahrzeuge für die Beschäftigungssicherung bis 2029 fest eingeplant hatte", so die Automobilwoche. Doch im Oktober habe sich Porsche aus dem Projekt zurückgezogen. VWN-Betriebsratschefin Bertina Murkovic zeigte sich enttäuscht "über die Absage von Porsche an den Standort Hannover". Die Ausgleichszahlung aus Stuttgart, so der Bericht, "soll es VWN in Hannover jetzt ermöglichen, die Lücke mit eigenen Modellen zu schließen". Geplant sind dort der ID-California (Camper-Version des ID-Buzz) sowie eine zusätzliche Plug-in-Hybrid-Variante des T7 Multivan mit mehr Reichweite. Zudem ist angeblich auch ein T7 California in Planung. Und das Werk in Hannover soll ab 2026 Karosserien an Audi in Brüssel (E-Tron) liefern – aber nur, so heiße es dort laut Autombilwoche einschränkend, als Überlaufproduktion, falls die Kapazität in dem belgischen Werk nicht ausreichen sollte. "Insgesamt sind wir mit den nun festgelegten Produkten für dieses Jahrzehnt ausgelastet", zitiert das Brancheblatt Betriebsrätin Murkovic.

Zweites E-Modell auf PPE soll Synergien bringen

Einen Hinweis auf die Motive von Porsche für den Rückzug aus Hannover lieferte schon die Verlautbarung nach der VW-Aufsichtsratssitzung. In Leipzig wolle man Synergien bei der Fertigung eines zweiten PPE-Modells nutzen. Das erste ist der elektrische Nachfolger des kleineren Porsche-SUV Macan. Schon dessen Verbrenner-Vorgänger kommt aus Leipzig und bleibt auch nach dem Start des E-Macan noch geraume Zeit im Programm.

Damit wäre der mit dem Audi Q6 verwandte elektrische SUV auf Sicht das einzige E-Modell aus Leipzig – für den Taycan auf der J1-Plattform hatte Porsche das Stammwerk in Zuffenhausen aufwendig umgebaut. Dort dürfte ab 2024 auch der ebenfalls elektrische Nachfolger der 718-Baureihe (Cayman und Boxster) entstehen, während Porsche neben dem Macan in Leipzig auch den Panamera produziert; der Cayenne läuft hingegen mit den technisch verwandten VW Touareg und Audi Q7 im VW-Werk in Bratislava vom Band.

Die entschiedene Umrüstung des modernen Werks in Leipzig auf Elektroantriebe scheint Porsche die gut 100 Millionen wert zu sein. Die Frage ist: Was bedeutet das für die Technik des neuen Modells K1, das ähnlich wie der Taycan nah am Panamera positioniert ist und in einem ähnlichen Segment wie der Cayenne antreten könnte, ohne den Offroader mit der üppigen Anhängelast (3,5 Tonnen) gleich ersetzen zu wollen. Denkbar wäre freilich auch eine Mischung aus Cayenne und Panamera, flacher als ein SUV, aber höher als die sportliche Limousine. Das würde wegen der vertretbaren Stirnfläche und dem entsprechend geringeren Luftwiderstand gut zu einem E-Auto für die Reise passen. Damit wäre Porsches K1 nah an dem, was man von Audis erstem Artemis-Modell "Landjet" weiß.

Kommt aus Leipzig trotzdem ein Artemis-Porsche?

Dann bliebe es bei der Ankündigung von Audi-Chef Markus Duesmann, dass das zweite Artemis-Modell ein Porsche werden wird. Synergien mit PPE-Modellen müsste das nicht ausschließen. Denn Artemis basiert ebenfalls auf der PPE, packt aber quasi noch eine neue Elektronik-Architektur der  Scalable Systems Platform (SSP) der VW-Konzerns oben drauf, die vor allem ausgeprägte Fähigkeiten zum Autonomen Fahren gewährleisten soll. Denn Audi träumt beim Landjet von einem großen Reiswagen, der seine Passagiere auch mal komfortabel von einer Stadt in die andere bringen können soll, ohne dass die Insassen etwas dazu tun müssen. In der Bildergalerie sehen sie Bilder vom Concept Car Audi Grandsphere, das zeigt, wie der erste Artemis-Audi aussehen könnte.

Das ist natürlich nicht das, was man von einem Porsche erwartet. Porsche-Chef Oliver Blume meinte nämlich auf der Los Angeles Auto Show 2021, "dass wir bei Porsche Sportwagen bauen und keine Schlafwagen." Und ergänzte: "Ich verspreche Ihnen, dass ein Porsche immer ein Lenkrad haben wird, dass es immer um Fahrspaß gehen wird!". Die Automobilwoche schließt daraus, dass Porsches Verlagerung von Hannover nach Leipzig auch ein Ausstieg aus Artemis ist und als Basis des neuen Elektro-Porsche diene "nicht Audis Artemis-Baukasten, sondern die Plattform des zuvor geplanten Elektro-Panamera, der 2024 oder 2025 startet. Die bisher 4300 Mitarbeiter starke Belegschaft wird aufgestockt. 2023 und 2024 sollen insgesamt 150 neue Stellen entstehen." Der Umzug soll allerdings eine Verzögerung bringen: Statt 2025 soll der neue Elektro-Porsche erst 2026 kommen.

Autonom Parken oder im Stau braucht auch Sensoren

Allerdings kommt auch ein elektrischer Panamera dem bisher skizzierten Profil des Audi Landjet recht nahe. Und ein großer Reisewagens könnte selbst Porsche-Kunden Komfort in unbeliebten Fahrsituationen bieten, wie auch Oliver Blume einräumt: Manche Anwendungen des autonomen Fahrens seien auch für Porschefahrer interessant, etwa beim Parken oder im Stau. Die für solche Anwendungen nötige Technik muss ohnehin fast die gleichen Anforderungen erfüllen, wie die in einem autonomen Audi. Von dort heißt es denn auch, dass sich Porsche zwar aus Hannover, aber nicht aus Artemis zurückzieht. Bei der Elektronik-Architektur verzichtet Porsche aber wohl auf die neueste SSP-Generation, die autonomes Fahren nach Level 4 ermöglicht, weil das eben für Porsche nicht entscheidend ist – Level 3 reicht. Das soll wohl auch einen Launch wenige Monate nach dem Audi Landjet (2025) wie ursprünglich geplant erlauben.  

Quelle: 2022 Motor-Presse Stuttgart
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