10 Kauftipps für Campingbusse auf VW-Basis: Es muss nicht immer der California sein

Campmobil Schwerin HK 4.9 SD auf dem VW T6.1.
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Campmobil Schwerin HK 4.9 SD auf dem VW T6.1.

© Martin Lange

Der California ist seit Jahren der Platzhirsch unter den Campingbussen auf VW-Basis. Doch es gibt Alternativen. Wir stellen zehn Modelle vor, die mit dem Werkscamper konkurrieren.

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Der VW California ging 1988 aus dem berühmten Westfalia Joker hervor und zwei der drei heute angebotenen California-Varianten setzen immer noch auf den gleichen, kaum veränderten Grundriss. California Coast und Ocean nutzen das inzwischen klassische Layout mit Schlafsitzbank und durchgängiger Möbelzeile links. Und obendrauf sitzt ein Aufstelldach, in dem man schlafen kann und das tagsüber Stehhöhe ermöglicht. Die Vordersitze lassen sich zudem drehen, sie komplettieren die Sitzgruppe.

Alle VW-California-Alternativen im Überblick

Die 10 Campingbusse auf VW-Basis, die Alternativen zum California darstellen.

Bewährter Grundriss in den meisten Modellen

Bis auf die Modelle von Campmobil Schwerin und Westfalia vertrauen auch alle übrigen Kandidaten in diesem Kauftipp auf die bewährte Aufteilung. Doch bei aller Ähnlichkeit gibt es im Detail relevante Unterschiede. Etwa bei der Schlafsitzbank. Die lässt sich im California umlegen und verschieben – theoretisch auch ganz ausbauen, aber das ist aufwendig. Das kann Spacecamper beispielsweise deutlich besser. Ihre Bank ist nach wenigen Handgriffen draußen. Oder der Octo-Bus von Fischer, der Einzelsitze eingebaut hat statt einer wuchtigen Schlafbank und so sehr flexibel ist.

Auch in Sachen Komfort gibt es große Unterschiede. So schläft man etwa im Reimo Triostyle nicht auf der Sitz- und Lehnenfläche der Bank, sondern auf der weicher gepolsterten und planeren Rückseite. Ähnliches gilt für die Bordtechnik. Beim California schmiegt sich ein relativ großer Wassertank innen an die Seitenwand. Andere Ausbauer setzen zwar kleinere, aber dafür tragbare Wasserkanister ein, die sich an jedem Wasserhahn befüllen und leichter reinigen lassen.

Zum Kühlen von Getränken und Lebensmitteln verwendet VW eine fest installierte Kühlbox. Alternativ gibt es richtige kleine Kühlschränke, wie im Reimo oder Dipa, die mal mit Kompressor-, mal mit Absorbertechnik arbeiten, je nachdem was besser zum Gesamtkonzept passt. Stichwort Gasanlage. Wenn der Brennstoff nur zum Kochen eingesetzt wird, reicht eine kompakte 2,7-Kilo-Flasche, wie im California, gut aus. Wer auch den Absorberkühlschrank oder gar die Heizung damit betreiben möchte, sollte eine oder zwei Fünf-Kilo-Flaschen an Bord haben. Statt mit Gas kann auch mit Diesel geheizt werden – wie im Cali. Moderne Geräte, die regelmäßig im Einsatz sind, verursachen nur noch wenig mehr Lärm und Gerüche als das Gaspendant. Allerdings brauchen sie mehr Strom, was durch eine höhere Bordbatteriekapazität ausgeglichen werden sollte.

Als Schlafdach gibt es bei VW direkt nur die Aufstellvariante zu kaufen, dafür in der Luxusvariante Ocean sogar serienmäßig bequem mit elektrischem Antrieb. Ähnliches haben nur wenige Anbieter wie etwa Reimo auch im Programm. Allerdings lassen viele der hier gezeigten Marken dem Käufer die Wahlmöglichkeit eines festen Hochdachs.

Neben dem formschönen und hochwertigen Hochdach von Zulieferer Polyroof, das allerdings etwas wenig Kopffreiheit bietet, kommen hier vor allem Dächer von SCA, vereinzelt auch von Reimo zum Einsatz. Feste Hochdächer haben Vorteile, vor allem wenn man lange und auch in der kälteren Jahreszeit unterwegs sein will. Tiefgaragen und Parkhäuser sind dann allerdings tabu.

Einmal quer durch Deutschland zum Camper-Ausbau

Die vorgestellten Ausbauer sind allesamt deutsche Unternehmen. Nicht ganz, denn Westfalia gehört seit ein paar Jahren zu einer französischen Gruppe. Die meisten Modelle werden aber auch weiterhin hierzulande ausgebaut, so auch der vorgestellte Club Joker City.

Der erste Weg führt nach Schwerin, wo die Gebrüder Höhne ihre Firma betreiben. Im Industriebau ist es aufgeräumt, sorgfältig montieren Mitarbeiter die Camper. Wichtigste Besonderheit aller Campmobile ist die Heckküche. Dieses Grundrisskonzept mit der Kombüse hinten, auf einem Bodenpodest stehend für mehr Stauraum, ist einzigartig. "So lässt sich der ganze Innenraum als Wohnraum nutzen", ist man überzeugt. So entsteht ein Dreiraummobil mit der Sitzgruppe unten, der Küche hinten und dem Schlafzimmer oben unter dem Dach. Für mehr Flexibilität kann der Mittelteil des Küchenblocks auch herausnehmbar gestaltet werden. Die hochwertigen Möbel erinnern an den Bootsbau – die See ist von Schwerin aus nicht mehr weit.

Reisen wir in den Süden und finden dort ein richtiges Busbauer-Quartett. Dipa, Fischer, Werz und Köhler sind allesamt schwäbische Ausbau-Tüftler, die gar nicht so weit voneinander rund um Stuttgart arbeiten. Dipa sitzt bei Nürtingen. Die Modelle heißen Merlin und Falke. Die Grundrisse sind klassisch, die Ausstattung ist umfangreich. Bei der Holzauswahl kann man aus einer Vielzahl edler Echtholzfurniere wählen, die nach ökologischen Richtlinien der Waldwirtschaft ausgesucht werden. Weiteres Augenmerk liegt bei Dipa auf einem hohen Schlafkomfort im Camper. Ebenfalls beachtenswert: der clever in die Küchenzeile integrierte Esstisch, der sich raus- und reinschwenken lässt.

Von Nürtingen nach Reutlingen ist es nur ein Katzensprung. Hier ist der Hersteller Fischer Wohnmobile beheimatet und präsentiert seinen Octo-Bus. Ein besonderes Modell, das erst vor wenigen Jahren komplett neu entwickelt wurde und das möglichst flexibel im Alltag wie auf Reisen einsetzbar sein soll. Durch die Trennung der Schlaf- und Sitzfunktion im Parterre und Nutzung von sehr variabel einsetzbaren Einzelsitzen lässt sich der Bus im Alltag mit bis zu sieben Plätzen bestuhlen. Und beim Campen kann man sich wahlweise mit den Cockpitsitzen begnügen und hat dann unter dem Bettrost riesig viel Platz für Sportgeräte. Geschlafen wird auf ausrollbaren Betten – unten, und auch oben, bei Wahl des Hochdachs. In Summe ist der Octo-Bus dann ein besonders attraktives Modell, wenn er auch regelmäßig im Alltag eingesetzt werden soll.

Weiter geht die Reise nach Illingen, nordwestlich von Stuttgart, zu Peter Köhler. Sein Sunvan T42, eine von zahlreichen Grundrissvarianten, bedient ein ähnliches Konzept wie der Octo-Bus. Auch er nutzt herausnehmbare Einzelsitze und ein Lattenrostbett, das in Schienen an den seitlichen Möbelzeilen über die umgelegten Sitze ausgezogen werden kann. Es lässt sich auch komplett ausbauen, genauso wie der hintere Kleiderschrank – sogar ganz ohne Werkzeug. Neben der höheren Flexibilität sind Einzelsitze oftmals auch komfortabler als die üblichen Schlafbänke, die immer einen Kompromiss darstellen. Bei Köhler kann man auch einen gebrauchten Bus zum Ausbau anliefern, eine Möglichkeit, die einige, aber lange nicht alle Marken anbieten.

Auf Basis gebrauchter Fahrzeuge arbeitet die junge Marke Nordvan aus dem niedersächsischen Neumünster sehr häufig. Gebraucht kann dabei bedeuten: von fast neu bis zu zigtausenden von Kilometern auf der Uhr, um günstigere Preise zu realisieren. Typisch für die Modellvariante HS ist die L-förmige Küche mit mehr Stauraum und Kompressorkühlschrank. Mehrere Schlafsitzbänke stehen zur Wahl. Die Möbel können bei Bedarf auch individuell angepasst werden.

Wieder etwas weiter südlich in Egelsbach bei Frankfurt hat Reimo seinen Sitz. Seit 40 Jahren ist die Firma Spezialist für den Ausbau von Campingbussen. Ihr Versandhandel bietet alles zum Selbstausbau, vom einzelnen Möbelbeschlag bis zu kompletten Bausätzen. Der Ausbau von Kundenfahrzeugen ist ebenso möglich wie der Kauf eines komplett ausgebauten Neufahrzeugs.

Reimo-Bestsellermodell ist seit Jahren der Triostyle. Dieses Ausbaukonzept wurde stetig weiterentwickelt und ist auch für andere Transporter verfügbar. Neben dem sehr praxisnah gestalteten Möbelbau überzeugt vor allem die eigens konstruierte Schlafsitzbank, die dem Modell auch seinen Namen gibt. Sie bietet aber nicht nur drei Gurtplätze, sondern erfreut auch mit hohem Schlafkomfort. Denn man liegt dabei nicht auf der konturierten Sitzfläche, sondern auf der weich abgepolsterten Rückseite. Die Bank hat zudem eine praktische Stauschublade integriert und lässt sich leicht verschieben und umlegen – zum Ausbau müssen allerdings zwei kräftige Personen anpacken.

Anders ist das bei Spacecamper aus Darmstadt. Sie waren die Vorreiter einer jungen Riege von Ausbauern, die inzwischen fast unüberschaubar zahlreich ist. Die Ideen der Spacecamper-Protagonisten und ihre oftmals simple, aber geniale Umsetzung haben für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Insbesondere die Konstruktion ihrer Schlafsitzbank war eine kleine Revolution. Sie lässt sich nicht nur kinderleicht umlegen, sondern ist auch im Handumdrehen herausgenommen – mit nur wenig Kraftaufwand. Sitzfläche und Lehne sind separate Teile. Die Klappmechanik und Verankerung übernehmen seitliche Träger, die mit der Karosserie verschraubt bleiben. Auch der Küchenblock ist spacecamperlike speziell. Die Unterschranktür dient gleichzeitig als Tischplatte und wird über eine Gasdruckfeder aufgestellt. Pfiffig ist auch eine Küchenblockvariante, die sich durch eine zweite Schiebetür links komplett nach draußen schwenken lässt – zum Open-Air-Kochen.

Wer bei den ambitionierten Preisen der Darmstädter große Augen bekommt, kann mal bei Summermobil im bayerischen Landshut vorbeischauen. Die Marke hat eine ansehnliche Auswahl an Modellvarianten im Programm. Auch Ausbauten von Gebrauchtfahrzeugen oder komplett nach Kundenwunsch sind möglich. Das aktuelle Edition-Modell kann mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Vollausgestattet mit Möbelzeile, Schlafbank aus eigener Fertigung, Küchenzeile mit sämtlicher Technik und dem eigenen Aufstelldach, ist der Edition ein kompletter und sympathischer Campingbus.

Schöne Vans bauen kann Uwe Werz aber auch. Reisen wir noch mal auf die Schwäbische Alb zu Werz Wohnmobile. Hier entstehen hochwertige Ausbauten, bestens isoliert, mit sieben- bis neunfach verleimten Möbeln. Die Qualitätsarbeit sieht man dem hier vorgestellten Piccolo A auch an. Er hat eine vollwertige Möbelausstattung, viel Stauraum und lässt die Wahl zwischen gleich drei Dachvarianten. Im Heck findet sich zudem ein Auszug, auf den Normkisten und die Wasserkanister passen. Übrigens: Werz ist auch kompetenter Ansprechpartner in Sachen offroadtaugliche Camper.

Der letzte Abstecher durch die Campingbus-Welt geht zur Wiege des Vanlife, nach Rheda-Wiedenbrück zu Westfalia. Der Club Joker auf T3 war einer der erfolgreichsten Campingbusse aller Zeiten und ist bis heute bei seinen Fans begehrt. Mit langem Radstand und Hochdach kam er vor ein paar Jahren unter gleichem Namen erneut auf den Markt. Dann folgte der kürzere "City" mit bemerkenswertem Grundriss.

Da Westfalia seit ein paar Jahren zur Rapido-Gruppe gehört, spürt man die Einflüsse französischer Vorlieben. Kompakt-Camper, die dennoch eine Kassettentoilette besitzen, sind vor allem jenseits der Grenze gefragt, können aber auch hier den ein oder anderen überzeugen, insbesondere den, der auf das eigene, möglichst komfortable Klo unterwegs großen Wert legt. Die Küche steht rechts im Heck und ist durch das hinten öffnende Dach im Stehen nutzbar – ähnlich wie im Campmobil Schwerin ganz am Anfang unserer Tour.

Damit endet unser wilder Ritt durch die Republik. Natürlich konnten nicht alle Marken angesprochen werden, die es hier gibt. Die Auswahl beschränkte sich auf die, aus unserer Sicht, interessantesten California-Alternativen.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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