Neuer Aston Martin Valkyrie: Red Bull baut Supersportler

Aston Martin baut zusammen mit Red Bull ein Hypercar für die
Straße. Alle 150 Exemplare sind bereits jetzt vergriffen.
Ausgeliefert wird 2019.
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Aston Martin baut zusammen mit Red Bull ein Hypercar für die Straße. Alle 150 Exemplare sind bereits jetzt vergriffen. Ausgeliefert wird 2019.

© Aston Martin
22.08.2018 - 11:02 Uhr von Gerd Stegmaier

Aston Martin und Red Bull bauen ein Hypercar für die Straße und die Rennstrecke. Der Valkyrie soll Maßstäbe bei Beschleunigung und in Kurven setzen. Deshalb ist sogar Formel-1-Starkonstrukteur Adrian Newey in das Projekt involviert. Inzwischen sind die Leistungsdaten durchgesickert. Der Cosworth-V12 soll 1.145 PS leisten.

  • V12-Motor von Cosworth
  • Rennversion
  • Adrian Newey
  • Innenraum

150 Hypercars für die Straße: ausverkauft. 25 Modelle für die Rennstrecke im Stil des Ferrari FXX K und McLaren P1 GTR: ausverkauft. Alle 175 Stück, bevor Aston Martin auch nur ein einziges Exemplar des Valkyrie gebaut hatte. Die Kooperation mit dem englisch-österreichischen Formel 1-Rennstall Red Bull fruchtet. Der dritte Partner im Projekt Valkyrie kommt aus der Schweiz. Man stemmt zusammen noch weitere Projekte. AF Racing könnte zusammen mit Red Bull und Aston Martin 2019 in der DTM aufschlagen. Die Verhandlungen laufen.

Cosworth twittert Leistungsdaten

Die Informationen über den Aston Martin Valkyrie sickern nur langsam durch. Es ist die übliche Taktik der Hersteller, Fans und Medien Scheibchenweise mit neuen Details zu versorgen. Die letzte Aussendung, die über das Hypercar verbreitet wurde, scheint aber nicht abgestimmt worden zu sein. Motorenpartner Cosworth preschte über seinen Twitter-Account vor und verkündete: „Wir sind bekannt dafür, Rekorde zu brechen. Unser neuester Motor, der 6,5-Liter-V12 des Aston Martin Valkyrie, wird der leistungsstärkste Saugmotor für die Straße sein mit 1.130 bhp.“ 1.130 brake horsepower sind umgerechnet 1.145 PS. Cosworth löschte den Tweet innerhalb kurzer Zeit.

Ein Hybridsystem, das Rimac beisteuert, soll den Valkyrie zusätzlich aufpumpen. Unklar ist, ob die 1.145 PS nur vom Motor selbst kommen oder die Systemleistung sein werden. Das Twitter-Statement von Cosworth jedenfalls liest so sich, als ob sich die Engländer nur auf den Output des V12 beziehen, dessen Kraft ein Siebengang-Getriebe von Ricardo an die Hinterachse leitet. Bei den Bremsen soll es einen Mix aus Zangen von Alcon und Carbon-Keramik-Scheiben von Surface Transforms geben. Für die Fahrdynamikregelungen wurde Bosch mit ins Boot geholt.

Valkyrie AMR Pro bis zu 400 km/h schnell

Die Rennstrecken-Version soll mit einem LMP1-Rennwagen mithalten können. Sie greift in der Basis auf denselben 6,5-Liter-V12 zurück wie das Straßen-Hypercar. Aerodynamik, Chassis, Antriebsstrang und Gewicht: Überall wollen die Kooperationspartner nachgeschärft haben. Das Ergebnis ist der Aston Martin Valkyrie AMR Pro.

Der Saugmotor erhält ein Software-Update, um aus den zwölf Zylindern noch mehr Leistung und Drehmoment zu kitzeln. Das Team um F1-Stardesigner Adrian Newey überarbeitete für eine effizientere Aerodynamik alle Oberflächen der Karosserie. Ein größerer Frontsplitter und ein zweigeteilter Heckflügel mit mächtigen Endplatten sollen den Anpressdruck steigern. Auch an den aktiven Aerodynamik-Elementen legte man nochmals Hand an, um einerseits mehr Abtrieb zu erzeugen, andererseits den Quasi-Rennwagen windschlüpfrig zu halten. Angeblich soll das Renn-Hypercar etwa 400 km/h schnell sein. Damit überflügelt man das Mercedes-Hypercar. Die Intimfeinde auf der Rennstrecke duellieren sich jetzt auch außerhalb der Formel 1-Strecken.

Red Bull gibt an, dass der AMR Pro derart schnell durch Kurven brezeln kann, sodass maximale Querbeschleunigungskräfte von bis zu 3,3g auftreten. Bei einer Vollbremsung aus hohen Geschwindigkeiten spricht man von Kräften von bis zu 3,5g. Eine Vollcarbon-Bremsanlage stemmt die negative Beschleunigung. Wer so fahren will, muss üben. Red Bull macht dafür den Formel 1-Simulator verfügbar. Außerdem werden die Kunden zu Track-Days ausgeführt.

Bei solchen Kräften braucht es auch klebrige Reifen. Aston Martin verschraubt 18-Zoll-Rennreifen, die von Michelin kommen, und derselben Spezifikation entsprechen sollen, wie sie die LMP1-Autos aus der Sportwagen-WM tragen. Die Straßenversion trägt größere Räder. Gewicht ist bei einer Rennstreckenversion immer ein Thema. Man verzichtet auf die Monitore für das Infotainment im Innenraum ebenso wie auf eine Heizung und ein Gebläse. Die Windschutzscheibe und die Seitenscheiben sind aus leichtem Polycarbonat gefertigt. Auch das Kohlefaser-Bodywork soll abgespeckt haben. Aus Carbon bauen Aston Martin und Red Bull für den AMR Pro die Querlenker der Aufhängung.

Adrian Newey träumte vom Straßensportwagen

Wenn es Weltmeister-Pokale für Formel-1-Konstrukteure gäbe, dann hätte Adrian Newey den Schrank voll davon. Insgesamt zehn Autos aus der Feder des 59-jährigen Engländers haben Titel abgeräumt, zuletzt die Red Bull von 2010 bis 2013. Aber schon als kleiner Junge träumte er von einem eigenen Straßensportwagen – und tut es noch immer. „Von Zeit zu Zeit, wenn Du gelangweilt am Strand sitzt, fängst Du an, Skizzen zu kritzeln und wirfst sie auf einen Haufen, der immer größer wird“, sagt Newey.

Weil Red Bull seinem genialen Konstrukteur gerne Freiheiten einräumt, wird Neweys Traum wahr. Und weil Nissans Nobelmarke Infiniti Sponsor von Red Bull war und Ex-Nissan-Vorstand Andy Palmer seit Oktober 2014 Chef von Aston Martin ist, ergab sich eine Konstellation aus englischen Kontakten, die Neweys Traumwagen in Kooperation mit der britischen Traditionsmarke entstehen lässt.

Seit Mitte März 2016 ist diese Kooperation von Red Bull und Aston Martin offiziell. Schon eineinhalb Jahre zuvor hatte Newey den Lieblingsentwurf seines Skizzenhaufens zu Aston-Martin-Chefdesigner Marek Reichmann gebracht, der zusammen mit seinem Team versuchte, mit möglichst wenig Änderungen die Anforderungen an ein Straßenauto einzubringen. Das Ergebnis erinnert je nach Perspektive an ein schöneres LMP1- oder ein verkleidetes Formel-1-Auto wie Neweys Playstation-Entwurf X1. „Es gibt durchaus eine Verbindung von der Formel 1 über das Playstation-Auto X1 bis zum Aston Martin Valkyrie (Code: RB 001); nebeneinandergestellt könnte man bei den Autos eine Evolution wie vom Schimpansen zum Homo sapiens sehen“, beschreibt Newey.

Der 59-jährige Engländer gilt als Aerodynamik-Guru. Aber für seinen Straßensportwagen sieht der den Umgang mit Luftströmen nicht als Hauptcharakteristikum. „Das Gesamt-Paket ist entscheidend.“ Das Auto solle genauso mit „ansprechender Optik und durchdachter Mechanik“ glänzen, indem es die Technologie zur Schau stellt ähnlich wie es bei teuren Motorrädern zu beobachten ist. Der Valkyrie ist kein Flügelmonster. Gezielte Aussparungen in der Karosserie und viel Luft unter dem Auto sorgen für hohen Abtrieb ohne sichtbare Spoiler.

Valkyrie auch für den Alltag

Auch großgewachsene Personen sollen den Valkyrie fahren können. „ Ich bin 1,95 Meter groß, Andy Palmer ist auch ein gestandener Mann und wir haben gut Platz“, erklärt Designer Reichmann. „Man soll mit dem Auto auch ganz normal im Alltag fahren können“, sagt Newey. Selbst im Stau solle man sich noch wohlfühlen. Und damit man abseits des Staus sorglos etwas schneller fahren kann, verspricht Newey natürlich auch die üblichen Fahrsicherheitssysteme, die sich freilich abschalten lassen werden.

Der Innenraum zeigt jede Menge Carbon und ein abnehmbares, beidseitig abgeflachtes Sportlenkrad mit zahlreichen Bedienelementen sowie verschiedene Displays – eben ein waschechtes Rennwagencokpit. Die Carbonsitzschalen sind fest am Fahrzeugboden fixiert, die Sitz- ist mehr eine Liegeposition. Verstellbar sind nur die Positionen von Lenkrad und Pedalerie. Monitore an den A-Säulen zeigen das Bild der Außenkameras, die die Rückspiegel ersetzen sollen.

Anfang 2019 sollen die ersten Kunden mit dem „schnellsten Straßensportwagen der Welt“ unterwegs sein können. Sie müssen zuvor aber etwa 3 Millionen Euro aufbringen. Dass es nicht mehr als 175 Glückliche werden, liegt allerdings nicht am Preis. Die Stückzahl ist limitiert, obwohl Aston Martin in ersten Veranstaltungen bereits etwa 350 „ernsthaft Interessierte“ gefunden hat. Mit der Rennversion dürfen sich die 25 Glücklichen ab 2020 austoben.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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