Ferrari-Pleiten gehen weiter: Aero-Upgrade für Russland

Ferrari-Pleiten gehen weiter: Aero-Upgrade für Russland
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Ferrari-Pleiten gehen weiter: Aero-Upgrade für Russland

© Wilhelm

Mugello war kein Ruhmesblatt für Ferrari. Die einzig positive Nachricht beim Jubiläumsrennen waren die fünf WM-Punkte für Charles Leclerc und Sebastian Vettel. Doch sonst ließ Ferrari alles vermissen, was ein gutes Rennauto ausmacht.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto kann sich immer nur wiederholen. "Es war ein sehr enttäuschendes Wochenende. Wir arbeiten hart daran die Fehler unseres Autos zu beheben, aber das ist keine Aufgabe, die man über Nacht oder mit ein paar Upgrades löst. Wir müssen ehrlich mit uns selbst und unseren Fans sein."

Nach dem Samstag hatte Ferrari mit dem fünften Startplatz von Charles Leclerc noch gehofft, dass man es auf einer Strecke für viel Abtrieb wieder zurück in das Mittelfeld geschafft hat. 24 Stunden später dann die bittere Wahrheit: im Renntrim war nur Haas langsamer. Williams lag auf Augenhöhe. Kimi Räikkönen hängte die Werksautos nach dem letzten Re-Start ab.

In der Anfangsphase ließ Leclerc die Tifosi noch träumen. Der zweifache GP-Sieger konnte sich nach einem exzellenten Start 17 Runden lang auf dem dritten Platz halten. Dann begann der peinliche Abstieg. Einer nach dem anderen schnupfte den Ferrari am Ende der langen Zielgerade mit Leichtigkeit auf. Zuerst Stroll, dann Ricciardo, Albon, schließlich Perez.

Ein vorgezogener Boxenstopp erlöste den Monegassen. Leclerc fuhr mit dem Rücken zur Wand. Auf den Geraden fehlte dem Motor der Punch, in den Kurven verlor der SF1000 immer mehr Grip. Bei keinem anderen Auto nutzten sich die Reifen so stark ab wie am Ferrari. Das stellte auch Sebastian Vettel fest. "Unsere Reifen hatten nicht die Reichweite wie auf den anderen Autos." Leclerc fügte hinzu: "Das Auto war sehr schwer zu fahren, speziell auf den harten Reifen."

Ferrari profitiert nur wenig vom Chaos

Nach zwei Nullrunden lesen sich fünf WM-Zähler und zwei Autos in den Punkterängen zuerst einmal wie eine leichte Verbesserung. Doch angesichts der vielen Ausfälle und zahlreichen Drehungen und Wendungen in diesem Rennen, muss mehr dabei herausspringen als so ein Resultat.

Der Rückstand von 28 Sekunden auf die Spitze in nur 14 Runden nach dem letzten Re-Start zeigt das ganze Ausmaß des Ferrari-Dramas. Selbst der siebtplatzierte Daniil Kvyat lag im Ziel 6,5 Sekunden vor dem besten roten Auto. Bei einem normalen Rennen wäre Ferrari zum dritten Mal in Folge leer ausgegangen. Das Ergebnis steht im krassen Gegensatz zu der glanzvollen Feier am Vorabend in Florenz.

Ferrari war immerhin neben Mercedes das einzige Team, das beide Autos ins Ziel brachte. Vettel bestätigte: "Bei so einem verrückten Rennen müssen wir mehr profitieren. Das war bestimmt keine Glanzleistung von uns."

Während Leclerc einigermaßen ungeschoren durch den 1.000. Grand Prix seines Arbeitgebers kam, hatte sein deutscher Teamkollege einen aufregenderen Nachmittag. Es begann schon in der zweiten Kurve. Vettel fand plötzlich den querstehenden McLaren vor Carlos Sainz vor seiner Nase.

"Carlos konnte sich nicht entscheiden, was er machen wollte. Er bewegte sich vor und zurück. Ich habe versucht, mal rechts, mal links auszuweichen und ihn dann doch getroffen." Das Safety-Car spielte Vettel eine zweite Chance zu. So konnte er sich ohne Zeitverlust an der Box eine neue Fahrzeugnase abholen.

Beim Re-Start lag der vierfache Weltmeister mittendrin im Gemetzel und kam trotzdem ohne Streifschuss durch. Vettel vermutete, dass der Stau an der Spitze entstand. "Wenn die vorne keinen konstanten Speed fahren, setzt sich das nach hinten fort. Ich lag auf dem letzten Platz. Kimi hat vor mir einen größeren Abstand zu den anderen Autos gelassen. Das hat wohl uns beiden geholfen."

Wie bei einem Stau auf der Autobahn. Leclerc belehrte den Teamkollegen. Er hatte als Dritter einen direkten Blick auf die beiden Mercedes. "Bottas hat nichts falsch gemacht." Der Auslöser der Massenkollision lag also im hinteren Feld.

Räikkönen im beschädigten Alfa Romeo schneller

Vettel kämpfte das ganze Rennen über mit George Russell und Kimi Räikkönen um den letzten WM-Punkt. Eigentlich war der Zähler schon außer Reichweite, doch der zweite Rennabbruch brachte Vettel noch einmal zurück ins Spiel. Er verlor zwar Positionen gegen Räikkönen und Grosjean, gewann aber eine auf Russell. Und die war wichtig.

Grosjean konnte der neue Aston Martin-Pilot auf der Strecke überholen. Der Franzose saß in einem beschädigten Auto. Und Russell kam dem Ferrari mit der Startnummer fünf nie mehr entscheidend nahe. Den neunten Platz verfehlte Vettel um 0,2 Sekunden.

Bittere Erkenntnis: Räikkönen war trotz Strafe und einem beschädigten Auto zu schnell für ihn. Der Finne saß in einem stark angeschlagenen Alfa Romeo. Frontflügel und Unterboden hatten bei einem Crash in der ersten Runde Schaden genommen und konnten nur notdürftig geflickt werden.

Vielleicht hätte es am Ende mehr sein können, hätten Vettels Re-Starts besser funktioniert. Aber auch das war ihm nicht vergönnt. "Ich stand jedes Mal auf der schmutzigen linken Spur. Da war der Grip eindeutig schlechter. So konnte ich auch bei den Starts keine Plätze gutmachen. Wenn du dann nicht überholen kannst, weil du zu langsam auf den Geraden bist, trifft dich das hart."

Vettel fand nach dem Rennen auch klare Worte zu Ferraris schwacher Form. "Wir waren nicht so schnell wie erhofft. Uns fehlt einfach Speed. Auch die neue Motor-Regel hat uns nicht weitergeholfen. Das ist ernüchternd. Ich hatte zu keiner Zeit den Grip zu attackieren. Es gab heute nicht viele Autos, die langsamer waren als wir."

Leclerc und Vettel hoffen jetzt, dass es in Sotschi mit einem Aerodynamikpaket aufwärts geht. Binotto trübte diese Hoffnung schnell: "Es ist nur ein kleines Upgrade. Das wird das große Bild wohl nicht verändern. Wir müssen unsere anstehenden Entwicklungsprojekte noch einmal überdenken, vor allem mit Blick auf 2021."

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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