Kleben, Dichten und Reparieren am Reisemobil: Wo kommen Klebstoffe zum Einsatz?

Wo werden heute am Reisemobil Klebstoffe eingesetzt und worauf
muss man achten, um selbst eine sichere Klebeverbindung
herzustellen?
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Wo werden heute am Reisemobil Klebstoffe eingesetzt und worauf muss man achten, um selbst eine sichere Klebeverbindung herzustellen?

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Klebe- und Dichtmittel kommen bei nahezu allen Arbeiten am Wohnmobil zum Einsatz. Wer in Eigenregie kleinere Schäden repariert oder Zubehör montiert, sollte wissen, wofür welches Mittel geeignet ist.

Wie im Automobilbau ist das Kleben auch bei der Montage von Reisemobilen inzwischen Usus. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Verkleidungsteile oder Handtuchhalter im Innenbereich, vielmehr sind es strukturelle Verklebungen, die Chassis und Aufbau verbinden.

Auch die Sandwichplatten des Aufbaus werden verklebt und Zubehörteile wie Sat-Anlagen und Markisen mit Klebstoff montiert. Doch welche Vorteile bringt Kleben gegenüber Verschrauben eigentlich? Welche Nachteile muss man berücksichtigen und welche Besonderheiten sind beim Einsetzen von Dachhauben, Fenstern und Serviceklappen zu beachten?

Vorteile und Nachteile der Klebeverfahren

(+) Gleich mehrere Vorteile sprechen dafür, sich bei der Montage eines Bauteils oder der Reparatur für Klebeverfahren zu entscheiden. Es entfallen die Bohrlöcher und die damit verbundene Materialschwächung an dieser Stelle. Korrosion wird vermieden, das Risiko von Undichtheiten wird minimiert, und es gibt keine sichtbaren Fügeelemente.

(+) Zudem führt die größere Kontaktfläche beim Kleben zu einer gleichmäßigeren Kraftverteilung, und die meist dauerelastische Verbindung sorgt für eine höhere Schwingfestigkeit als bei einer Schraubverbindung. Darüber hinaus lassen sich mit entsprechenden Klebstoffen Bauteiltoleranzen wie etwa kleine Unebenheiten auf dem Dach bei der Montage eines Solarpanels oder einer Sat-Anlage leicht ausgleichen.

(-) Nachteilig ist allerdings die oft aufwendige mechanische, chemische oder elektrochemische Vorbereitung des Untergrunds. Zudem sind Reparaturen an geklebten Stellen nur schwer möglich, und das Lösen einer Klebeverbindung, wenn etwa die alte Sat-Schüssel gegen eine neue getauscht werden soll, ist meist nicht einfach.

(-) Während sich Schraubverbindungen auch nach Jahren noch relativ leicht lösen lassen, ist die Demontage eines geklebten Bauteils oft nur mit Spezialwerkzeug möglich oder gar mit Schäden verbunden.

Beispiel: Sat-Anlage

Um die Satelliten-Anlage abzulösen, muss ein Schneidedraht zwischen Fuß und Dach angesetzt und unter ständigem Hin- und Herbewegen so lange durch die Kleberaupe gezogen werden, bis die Verbindung lose ist. Verbliebene Klebereste lassen sich mit Spachtel oder einem oszillierenden Multitool entfernen.

Bei diesem winkelschleifergroßen elektrischen Gerät bewegt sich das aufgesteckte Werkzeug – Schaber, Säge oder Schleifaufsatz – mit bis zu 2000 Hüben pro Minute in einem engen Winkel hin und her. So lassen sich schmale Bereiche exakt bearbeiten. Keinesfalls sollte man an Dach und Wänden versuchen, die Klebeverbindung mit einer Heißluftpistole zu lösen. Zum einen kann sich durch die Hitze die GfK- oder Aluminium-Außenhaut von der Isolationsschicht ablösen, oder es beginnt gar der Dämmschaum selbst zu schmelzen.

Beispiel: Dachhaube, Außenklappe und Fenster

Ein anderer Fall ist der Einbau einer Dachhaube, Außenklappe oder eines Fensters: Hier wird vor allem gedichtet, weniger geklebt. Diese Bauteile werden mit dauerplastischer Dichtmasse eingesetzt und verschraubt.

Beim Kleben wirken Adhäsions- und Kohäsionskräfte. Während Adhäsion den Zusammenhalt zwischen Untergrund und Klebstoff beschreibt, bezeichnet Kohäsion die innere Festigkeit des Klebstoffs – also den Zusammenhalt der Moleküle untereinander im ausgehärteten Zustand. Für die Kohäsion sorgt der Klebstoff-Hersteller. Auf die Adhäsion, also die Anhaftung zwischen Klebstoff und Untergrund, hat der Anwender direkten Einfluss.

So klappt's mit dem Kleber: 4 Tipps zur Vorbereitung

Für ein optimales Kleben-Ergebnis müssen Sie einige Punkte beachten.

  1. Eigentlich klar, aber dennoch so wichtig, dass es erwähnenswert ist: Die Sauberkeit der Klebeflächen ist entscheidend.
  2. Sie sollten keinesfalls Produkte kombinieren, die von verschiedenen Herstellern stammen. Grund: Die Inhaltsstoffe eines Klebesystems sind aufeinander abgestimmt sind und stellen so die optimale Aushärtung und damit Haftung sicher
  3. Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 15 und 21°C – bis zehn Grad mehr ist noch tolerierbar. Bei unter plus fünf Grad liegt der kritische Bereich, in dem der Klebstoff nur noch schwer oder nicht vollständig aushärtet. Zudem ist darauf zu achten, dass alle Klebeflächen einheitliche Temperatur haben. Also bei niedrigen Außentemperaturen das Reisemobil rechtzeitig in die Garage fahren und warten, bis sich der Aufbau erwärmt hat.
  4. Ein weiterer Punkt ist die Luftfeuchtigkeit – ideal sind 60 bis 70 Prozent. Ist es zu trocken, kann man sich mit einer Sprühflasche behelfen und immer wieder Wassernebel in die Umgebungsluft um die Klebestelle sprühen. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt ein Hygrometer auf. Diese Geräte zur Messung der Luftfeuchtigkeit gibt es schon für wenige Euro online oder im Baumarkt.

So geht's Schritt für Schritt

Entscheidend für die Sicherheit der Verbindung ist, wie gesagt, die Vorbehandlung der Klebeflächen. Sorgsames Arbeiten beginnt mit dem gründlichen Entfernen loser Partikel. Zum Einsatz kommen je nach Oberfläche Abbeiz-, Schleif- und Spülmittel, eventuell auch eine Drahtbürste. Um Staub, Fett- und Ölreste zu entfernen, haben einige Hersteller speziell auf ihre Klebstoffe abgestimmte Reiniger. Bei Dekalin ist es beispielsweise Dekaclean Ultra. Der Untergrund wird eingesprüht und mit einem Mikrofasertuch gereinigt. Dabei immer nur in eine Richtung wischen und bei jedem weiteren Wischvorgang einen unbenutzten Teil des Tuches verwenden. Ansonsten verteilt man nur den Schmutz auf der Oberfläche.

Neben dem sauberen Untergrund spielt die Oberflächenspannung beim Kleben eine wichtige Rolle. Kunststoffe haben meist eine geringere als Stahl oder Aluminium. Dann muss die Oberfläche zusätzlich aktiviert werden. Das übernehmen Haftreiniger, Haftvermittler oder Primer. Mit einem Wischvorgang werden sie mit Tuch oder Schwamm auf die Oberfläche aufgetragen.

Nach dem Ablüften (wenige Minuten) sorgen sie dafür, dass der Klebstoff den Untergrund optimal benetzt. Ob der Untergrund sauber genug ist und welche Oberflächenspannung er aufweist, lässt sich mit dem Wassertropfentest ermitteln. Hierzu tropft man Wasser auf den Untergrund. Bildet sich ein flacher Wasserfilm, lässt sich die Oberfläche gut benetzen. Die Fläche ist sauber, und je nach Klebstoffentfallen Haftreiniger oder Primer. Formt sich ein rundlicher Tropfen, ist der Untergund entweder fettig oder die Oberflächenspannung zu gering, meist bei Kunststoffen, besonders bei Teflon. Dann muss ein Aktivator zum Einsatz kommen.

Die Auswahl des Klebstoffs richtet sich nach der Art der Anwendung. Ein Blick in die Produktinformation mit den Verarbeitungshinweisen klärt, ob der Klebstoff primerlos oder mit Haftvermittler angewendet werden muss. Um ein komplettes Bauteil (Sat-Schüssel, Solarpanel) auf dem Dach zu verkleben, benötigt man einen starken, elastischen, UV- und alterungsbeständigen Strukturklebstoff. Elastisch deshalb, weil der Klebstoff während der Fahrt auftretende Schläge, Scherbewegungen und Schwingungen ausgleichen muss. Zudem dehnen sich die Materialien bei Temperaturschwankungen unterschiedlich stark aus. Auch das muss der Klebstoff kompensieren, ohne zu reißen und an Klebekraft zu verlieren.

Auftragen des Klebstoffs

Das Auftragen des Klebstoffs erfolgt in der Regel mit einer Kartuschenpistole. Um die Elastizität des Klebers zu gewährleisten, gilt: Je größer die Ausdehnung des Stoffes, desto dicker muss die Raupe sein. Ist die Öffnung in der Kartuschenspitze zu klein, schneidet man vorn ein Stück ab. Dadurch vergrößert sich der Durchmesser, die Kleberaupe wird dicker.

Wer beim eigenen Projekt unsicher ist, welche Raupenstärke optimal ist, und in der Verarbeitungsanleitung keine Hinweise findet, kann sich folgendermaßen behelfen. Dekalin bietet etwa eine Hotline per Telefon (0 60 41/82 03 80) und per E-Mail ( info@dekalin.de). Bei Sika ist die Informationsbeschaffung etwas schwieriger, da nur wenige Produkte freiverkäuflich sind. Deshalb steht die Sika-Hotline ausschließlich gewerblichen Nutzern zur Verfügung. Privatkunden können sich aber an den Händler oder eine Werkstatt wenden, die mit Sika-Systemen arbeiten.

Entscheidend bei Klebeverbindungen ist zudem das Kraft-Last-Verhältnis – also die Frage: Welcher Belastung hält ein Klebemittel stand? Wichtig besonders bei Sat-Anlagen mit einem gewissem Gewicht und Luftwiderstand. Auch die Art, wie das Klebemittel aufgebracht werden kann, ob flächig oder punktuell, bestimmt über die Haftkraft am Wohnmobil. Für einen Laien ist dieser Punkt mitunter nur schwer einzuschätzen. Wie bei allen sonstigen Arbeiten am Wohnmobil gilt deshalb auch für den Einsatz von Klebe- und Dichtmittel: Wer unsicher ist, sollte einen Fachmann zu Rate ziehen.

Achtung: Ist die Sat-Schüssel, das Solarpanel oder die Markise verklebt, darf das Reisemobil einige Stunden nicht bewegt werden. Wie lange der eingesetzte Klebstoff für den von außen nach innen verlaufenden Aushärtungsprozess benötigt, steht auf der Kartusche beziehungsweise in den beiliegenden Verarbeitungshinweisen.

Klebereparatur leicht gemacht

Weniger komplex als die Montage eines ganzen Bauteils läuft dagegen eine Reparaturverklebung ab. Auch dafür gibt es spezielle Zweikomponenten- und Kontaktkleber, mit denen selbst starke Strukturverklebungen, das Füllen von Rissen und Löchern sowie Eckverklebungen möglich sind. Wie für die Montage gilt auch bei Reparaturverklebungen: Der Untergrund muss mit einem passenden Reiniger gesäubert und, falls nötig, Haftvermittler aufgetragen sowie die Aushärtezeit des Klebers beachtet werden.

Im letzten Schritt geht es sowohl beim Reparieren als auch beim Anbringen via Kleber um das Entfernen von Klebstoffresten und das Glätten von Sichtnähten. Auch hier empfiehlt sich, innerhalb eines Produktsystems zu bleiben. Wer mit Dekalin klebt, reinigt mit Dekaclean Ultra (ab 19 Euro, www.frankana.de) und glättet die Nähte mit Dekafinisher (ab 16 Euro). Nicht ausgehärteter Sika-Klebstoff lässt sich mit Sika Remover 208 entfernen (ab 25 Euro, www.fritz-berger.de). Dann steht einer starken und dauerhaften Verbindung nichts mehr im Wege.

Fachwissen: Kleben und Dichten am Reisemobil

Wassertropfentest: Bleibt der Tropfen rundlich, ist die Fläche nicht fettfrei oder die Oberflächenspannung zu gering. Dann kann der Klebstoff den Untergrund nicht richtig benetzen.

Wirkungsweise des Primers: Bei Untergründen mit niedriger Oberflächenspannung (z. B. Kunststoff) verbessern Primer, Haftvermittler und -reiniger die optimale Benetzung des Untergrunds mit Klebstoff.

Profi-Tipps zum prozesssicheren Kleben

  • Bei 2K-Klebstoffen muss man sich um die Mischung der Komponenten nicht kümmern. Sie erfolgt automatisch in der Kartuschenspitze.
  • Wenn die Stärke der Klebstoffraupe zu dünn ist, schneidet man einfach mit dem Cuttermesser ein Stück von der Spitze ab.
  • Markisenadapter sollten zusätzlich zur Verklebung auch mit der Sandwichwand verschraubt werden, damit die Last nicht nur an der Außenhaut hängt.

Produkte zum Kleben und Dichten

Dekalin Dekaseal 8936

  • System: Dauerklebrige, UV-beständige, nicht aushärtende, abtupfbare Dichtmasse auf Polyisobuten-Basis
  • Anwendung: Für Aluminium, ABS, PMMA, Holz, Sperrholz. Zum Abdichten von Dachhauben, Türen, Luken, Klappen, externen Aufbauten, Löchern, Bohrungen, Öffnungen, Durchlässen, Abflüssen, Leitungen und Zierleisten.
  • Gebinde: 310-ml-Kartusche ab 16 Euro

Henkel Teroson 2759

  • System: Dauerplastische, alterungs- und witterungsbeständige Dichtmasse auf Butylbasis
  • Anwendung: Für Aluminium, ABS, PMMA, Holz, Sperrholz. Zum Abdichten von Dachhauben, Türen, Luken, Klappen, Löchern, Bohrungen, Öffnungen, Durchlässen, Abflüssen, Leitungen u. v. m.
  • Gebinde: 310-ml-Kartusche ab 16 Euro

Dekalin Dekasyl MS-5

  • System: Klebstoff mit hoher Anfangsfestigkeit
  • Anwendung: Für Polyesterteile auf Metallrahmen, Eckprofile aus Aluminium, Dachklima-, Solar- und Sat-Anlagen, Rahmen und Radverkleidungen.
  • Gebinde: 290-ml-Kartusche ab 22 Euro

Sika Sikaflex 252i

  • System: Dichten und einfache Verklebungen
  • Anwendung: Für Holz, Metalle, insbesondere Aluminium, Stahlblech, keramische Materialien und Kunststoffe.
  • Gebinde: 300-ml-Kartusche ab 20 Euro

Sika Sikaflex 552

  • System: Klebstoff für dynamisch beanspruchte, strukturelle Verklebungen
  • Anwendung: Für Aluminium, Stahlblech, keramische Materialien und Kunststoffe.
  • Gebinde: 300-ml-Kartusche ab 25 Euro

Produkte für Reparaturverklebung

Dekalin Dekapur 2K-90

  • System: Zweikomponentenklebstoff für strukturelle Reparaturen
  • Anwendung: Für Kunststoffteile, Stoßfänger, Scheinwerfer sowie zum Verfüllen von Löchern, Rissen und Fugen auch für Holz und Metall.
  • Gebinde: 50-ml-Zwillingskartusche ab 16 Euro

Dekalin Dekapren 3649

  • System: Schnellhärtender Kontaktklebstoff
  • Anwendung: Für die Verklebung von Profilgummi, Leder, Kunstleder mit Geweberückseite aus Naturfaser und Filz auf Metall, lackiertes Metall, Holz und Kunststoffe wie z. B. Hart-PVC, ABS und PA.
  • Gebinde: 660-g-Dose ab 25 Euro

Henkel Loctite 3090

  • System: Schnellhärtender Zweikomponentenklebstoff
  • Anwendung: Für das Verkleben von Metallen, Kunststoffen, Gummi, Holz, Papier und Textilien.
  • Gebinde: 10-g-Zwillingskartusche ab 32 Euro
Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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