Leser-Testdrive Porsche Taycan 4S: Leser unter Strom

Sechs Fahrer samt Begleitung dürfen sich einen ganzen Tag
intensiv mit dem starken Elektro-Porsche bekannt machen. Unter
professioneller Anleitung auf dem abwechslungsreichen PEC und auf
einer ausgiebigen Tour über Landstraßen und Autobahnen rund um
Hockenheim.
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Sechs Fahrer samt Begleitung dürfen sich einen ganzen Tag intensiv mit dem starken Elektro-Porsche bekannt machen. Unter professioneller Anleitung auf dem abwechslungsreichen PEC und auf einer ausgiebigen Tour über Landstraßen und Autobahnen rund um Hockenheim.

© Rossen Gargolov

Ach, Sie waren nicht beim Leser-Testdrive mit dem Porsche Taycan dabei? Eigentlich schade. Aber wir erzählen Ihnen gern, was die zwölf Teilnehmer so alles mit den 571 PS starken E-Limousinen erlebten.

Inzwischen muss man niemandem mehr groß erklären, wie viel Freude Elektromobilität bereiten kann. Oder? Aber ganz kurz vielleicht doch? Vier Sekunden reichen. Vier Sekunden von null auf hundert. Beschleunigung. Einfach so aus dem Stand. Genau die spüren unsere Leser heute auf den Pisten des Porsche Experience Centers (PEC) in Hockenheim. Nicht nur, aber auch, doch dazu gleich.

Also: Sechs Fahrer (ja, es waren Fahrer) samt Begleitung dürfen sich einen ganzen Tag intensiv mit dem starken Elektro-Porsche bekannt machen. Unter professioneller Anleitung auf dem abwechslungsreichen PEC und auf einer ausgiebigen Tour über Landstraßen und Autobahnen rund um Hockenheim – 270 Kilowatt-Schnellladesäule inbegriffen.

Vorher ein kurzes Briefing: Obwohl der Taycan 4S das schwächste (besser: am wenigsten atemraubende) Familienmitglied ist, beschleunigt er in vier Sekunden auf 100, schafft 250 km/h Topspeed. Auf die kommen die Leser heute zwar nicht, können dafür aber gefahrlos und entspannt auf einer langen Geraden als Teil der PEC-Pisten beschleunigen. Dank Launch Control komplett stressfrei und immer wieder reproduzierbar. Großer Spaß bei den Besatzungen, keine Ermüdung beim Material.

Natürlich gäbe es da noch den Taycan Turbo S mit über 1.000 Newtonmetern Drehmoment, aber schon die 650 des 4S bereiten sichtlich Vergnügen. Zumal sie perfekt auf den Boden gebracht werden. Der Taycan hat schließlich einen Ruf zu verteidigen. Den, ein echter Porsche zu sein. Und daran zweifelt keiner der Teilnehmer, nachdem das erste Fahrdynamik-Modul vorbei ist. Voll beschleunigen, bremsen, ausweichen. Hier zeigt der 2,3-Tonner, dass Gewicht für ihn scheinbar kein Thema ist und man sich schon vor der Kaffeepause aneinander gewöhnt hat.

Allradlenkung, Wankstabilisierung, enorm feine Traktions- und Fahrdynamikregelung verbünden sich mit der sportlichen Sitzposition und der exakten Lenkung zu einem begeisternden Paket. So wird aus den Übungen ein großer Spaß, den man den Teilnehmern ansieht. Sie steuern den Taycan zielgenau über die teils bewässerte Piste. Dreher bleiben die Ausnahme und sind – wenn – der Freude am Ausloten des Grenzbereichs geschuldet. Denn wann kann man das sonst so gefahrlos wie hier. Sogar eine kleine Driftschule ist ins Programm integriert.

Driften mit einem 2,3 Tonnen schweren Elektro-Allradler, geht das überhaupt? Aber hallo, wie die Leser schon nach kurzer Zeit zeigen. Der spezielle Nasskreis eignet sich perfekt dazu. Ganz innen und ganz außen mit griffigen, dazwischen mit rutschigem Belag versehen, erleichtert er das Herantasten ans Querfahren. Erst mit etwas Leistung das Heck kommen lassen und dann kontrolliert gegenlenken und mit dem Fahrpedal stabilisieren. Klingt gar nicht mal so schwer und scheint es auch nicht zu sein, denn die Probanden gucken schon nach wenigen Versuchen lässig aus den Seitenfenstern.

Was folgt, ist das Finale auf dem großen, 2,8 Kilometer langen Handlingkurs. Der Instruktor fährt voraus, gibt Tempo und Linie vor, dirigiert per Funk, die drei Teams folgen. Dabei wechseln sie regelmäßig die Reihenfolge, damit jeder mal direkt hinter dem Instruktor fährt. Um die Sache auf dem trickreichen, kurvenreichen Kurs mit reizvollen Höhenunterschieden (und dem nachgebauten "Karussell" der Nürburgring-Nordschleife) weiter zu vereinfachen, zeigen Pylonen jeweils die Einlenk- und Scheitelpunkte an.

Wie sagte der Porsche-Sprecher zu Beginn: "Wir möchten die Marke anfassbar machen." Spätestens jetzt auf den flotten Runden mit zart quietschenden Reifen und den regelmäßig beim Bremsen aus- und einfahrenden Heckspoilern ist dieses Versprechen erfüllt. Blickführung, das Auskosten von Längs- und Quergrip, stabiler und instabiler Fahrzustand: läuft bei den Lesern. Und bei den Taycan 4S, die leise surrend um den Kurs flitzen. In der Mittagspause tauschen die Teams, die Landstraßentruppe vergnügt sich auf dem PEC, während die anderen drei samt Begleitung zur großen Runde rund um Hockenheim ausrücken. Auch wenn die Akkus noch genug Reichweite fürs Zurückfahren hätten, den Ladevorgang an einer Schnellladesäule lässt sich niemand von ihnen entgehen. Bis zu 270 kW fließen durch die dicken wassergekühlten Kabel der HPC-Charger.

Spätestens jetzt steht fest: Dies war ein buchstäblich spannungsgeladener Tag mit zwölf entspannten Teilnehmern und spannenden Porsche Taycan. Und eins ist eh klar: Der Funke sprang bei allen über!

Das Experience Center von Porsche

Im Oktober feierte das Kundenerlebniszentrum mit Handlingkursen und Gastronomie am Hockenheimring seinen ersten Geburtstag. Wobei es eigentlich "im Hockenheimring" heißen müsste, denn das PEC integriert sich geschmeidig in die Traditionsrennstrecke. Neben Asphalt-Passagen gibt es ein 5.200 Quadratmeter großes Offroad-Areal mit 17 Modulen wie Steigungsstrecken, Wasserdurchfahrt oder Holzwippe. Dort zeigen speziell Macan und Cayenne, was sie draufhaben. Auf der 2,8 Kilometer langen Handlingstrecke längs- und querbeschleunigen dann alle Porsche. Herausfordernde Kurven wechseln sich dabei mit Geraden ab, von der eine für Tempi bis über 200 km/h gut ist. Besonders interessant: die hängende Linkskurve, die dem "Karussell" der Nürburgring-Nordschleife nachempfunden ist. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Gleiches gilt für die unterschiedlichen Kreisfahrbahnen, Fahrdynamikflächen und die Schleuderplatte. Viele Passagen besitzen zudem einen speziellen Gleitbelag und sind bewässerbar, etwa um Driften zu lernen oder generell instabile Fahrzustände zu beherrschen. Das Angebot der unterschiedlichen Trainings und Events vom Beifahren bis zum professionellen Sport-Coaching nutzten bislang rund 9.000 Kunden und Fans, die dabei etwa 225.000 Kilometer zurücklegten, allein 45.000 davon rein elektrisch im Taycan.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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