Mercedes-Benz O 321 H/HL (1954-1964)

Das Gesicht der 50er-Jahre: Grill und Rundscheinwerfer erinnern
an die Pkw der Marke.
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Das Gesicht der 50er-Jahre: Grill und Rundscheinwerfer erinnern an die Pkw der Marke.

© Daimler

Mit diesem Bus fuhren Oma und Opa zur Schicht und in die Ferien: Der O 321 war nicht nur der erste, modern konstruierte Bus von Mercedes-Benz, sondern auch Transportmittel der Aufbaugeneration in zahlreichen Ländern.

Praktisch gleichzeitig mit dem Mercedes 300 SL Flügeltürer brachte Daimler-Benz 1954 einen Omnibus auf den Markt. Der O 321 war nicht nur optisch wie die Pkw der Marke gestaltet; auch die Technik bewegte sich weg vom schwerfälligen Lastwagen-Ableger.

Leichter und bis zu 95 km/h schnell

Eine Rahmenbodenanlage mit tragendem Mittelteil brachte Stabilität für die Karosserie, schuf Platz für die Technik und sparte Gewicht: Pro Fahrgastplatz wog der neue Bus 138,5 Kilogramm. Das Vorgängermodell O 3500 musste zu jedem Passagier noch 172,5 Kilogramm schleppen. Gleichzeitig stieg die Leistung: Der Sechszylinder-Diesel OM 321 leistete aus 5,1 Litern Hubraum 110 PS. Das genügte für 95 km/h Höchstgeschwindigkeit und beeindruckt vor allem, wenn man weiß, dass ein 180D 112 km/h schnell lief und ein 180 Benziner maximal auf 126 km/h kam.

Der beste Bus seiner Zeit

Die Zeitschrift Lastauto Omnibus erklärte, „dass es sich bei dieser absoluten Neuentwicklung um einen der besten, wenn nicht gar den besten serienmäßigen Omnibus in dieser Größenklasse handelt, den es zur Zeit gibt.“ Erfolgreich ist O 321 auf jeden Fall: In zehn Jahren baut das Werk Mannheim 18.083 Busse, Fahrgestelle und CKD-Teilesätze zur Montage in Exportmärkten. Am beliebtesten ist der Bus im Iran, der Vereinigten Arabischen Republik, in der Türkei, Österreich, Saudi-Arabien und Argentinien. In manchen Ländern prägt er noch jahrzehntelang das Straßenbild.

Ein Bus für die Stadt und die Reise

Je nachdem, wo er gebraucht wird, gibt es den O 321 als Stadtbus mit Falttüren, als Überlandbus mit Drehtüren oder als Fernreisebus. Der hat eine Dachrandverglasung wie ein Samba-Bus von VW und auf Wunsch auch ein Schiebedach. Wegen der teiltragenden Bauweise können Aufbauhersteller den Bus für eigene Karosserien nutzen.

Praktischer Mittelträger

Die Grundlage dafür bildet ein Mittelträger, in dem Heizung, Kabel und Druckluftleitungen unterkommen. An dem Mittelträger befinden sich hohe Seitenwände, die ein Stahlprofil-Gerippe aufnehmen. Die schraubengefederte Vorderachse ist mit einem Fahrschemel verbunden, vier Gummikissen halten Erschütterungen vom Aufbau fern. Hinten hängt ganz klassisch eine Starrachse an Blattfedern unter dem Aufbau. Konstruktionsmerkmale wie den Fahrschemel und die selbsttragende Bauweise hatten sich die Entwickler aus der Pkw-Konstruktion abgeschaut. Auch die Gestalter orientierten sich an Ponton und Flügeltürer: Die Form des Grills und der Scheinwerfer erinnert an die Pkw der Marke.

Stolz sind die Entwickler auf den Wendekreis von nur 16 Metern, mit dem auch in Kehren auf Alpenstraßen nicht zurückgesetzt werden muss. Zur Erprobung fahren die Ingenieure ans Stilfser Joch, wie Aufnahmen aus der Zeit belegen.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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