Günstig, aber mit Kompromissen

Mazda bringt den 6e zu einem erstaunlich niedrigen Preis auf den Markt. Doch was auf den ersten Blick überzeugt, wirft Fragen auf.
Mazda geht mit dem 6e einen mutigen Schritt: Fast fünf Meter Länge, E-Antrieb, moderne Assistenten und das Ganze ab 44.900 Euro. Damit unterbietet der Japaner nicht nur Tesla, BMW und Co., sondern auch sich selbst. Doch was zunächst nach einem Preisbrecher klingt, wirft Fragen auf: Wo wurde gespart? Und wie viel echter Mazda steckt noch drin?
Der neue Mazda 6e basiert auf der Plattform des chinesischen Deepal SL03 und genau das macht den günstigen Einstiegspreis möglich. Antriebsstrang, Karosserie und große Teile des Innenraums stammen aus dem Joint-Venture mit Changan. Die Eigenleistung von Mazda? Optische Anpassungen, leichte Veränderungen bei Lichtsignatur und Interieur – technisch bleibt vieles gleich.
Mazda galt lange als Hersteller mit Sinn für Haptik, im 6e regiert nun das Touchpanel. Selbst Außenspiegel, Türöffner oder Fondklima werden digital angesteuert. Ein analoger Lichtschalter? Fehlanzeige. Die Bedienung ist damit zwar futuristisch, aber auch ungewohnt. Was zusätzlich irritiert, die Sprachsteuerung versteht bislang kein Deutsch.
Zwei Akkus, zwei Kompromisse
Mazda bietet den 6e mit zwei Batterieoptionen an: 68,8 kWh mit LFP-Zellen oder 80 kWh mit NCM-Technik. Der Clou: Die kleinere Version lädt mit bis zu 200 kW – fast doppelt so schnell wie die Long-Range-Variante. Trotzdem verspricht der japanische Hersteller beim großen Akku die höhere Reichweite. In der Praxis dürfte die Ladezeit zum entscheidenden Faktor werden.
Beim Fahren zeigt sich der 6e solide, aber ohne echte Highlights. Die Sitzfläche fällt kurz aus, die Rekuperation lässt sich nur umständlich regeln, ein Einpedalmodus fehlt. Auch beim Geradeauslauf muss oft korrigiert werden – hier bleibt unklar, ob es sich um ein Serien- oder Testwagenproblem handelt. Dafür liefert das Kamera-System brillante Rundumansichten und das Head-up-Display sitzt perfekt im Blick. Dennoch gibt es einige Abstriche, die der Käufer für den vergleichsweise günstigen Preis in Kauf nehmen muss.