Mitfahrt BMW X3 (2017)

Der neue BMW X3 rollt im November 2017 zu ersten Kunden. auto
motor und sport konnte bereits bei der Präsentation Ende Juni ein
paar Runden im X3 M40i auf der Rennstrecke mitfahren.
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Der neue BMW X3 rollt im November 2017 zu ersten Kunden. auto motor und sport konnte bereits bei der Präsentation Ende Juni ein paar Runden im X3 M40i auf der Rennstrecke mitfahren.

© BMW

BMW hat Generation 3 des X3 verlängert, aber den sportlichen Charakter eher geschärft, das suggeriert eine erste Mitfahrt im neuen X3 M40i und dem 30d.

BMW hat die Neuauflage seines Erfolgs-SUV am 26.6.2017 im Werk Spartanburg enthüllt, wo der neue X3 vom Band laufen wird. Die Produktion des Vorgängers wird am 1. Juli eingestellt, ab 1. August wollen die Amerikaner nach Umbauarbeiten in der Produktionspause den neuen X3 bauen.

Auto motor und sport konnte am Rande der Vorstellung bereits in ersten Vorserienautos mitfahren. Und zwar mit dem neuen X3 M40i xDrive auf einem kleinen, aber anspruchsvollen Rundkurs des dem Werk angeschlossenen Performance Center East und mit dem X3 30d xDrive auf dem dazugehörigen Offroad-Parcours.

Ergonomischer Abrbeitsplatz im BMW X3 (2017)

Vorher steht der Fahrersitz im X3 M40i, dem ersten M-Performance vom X3, zumindest zum Trockencheck bereit. Das neu gestaltete Lenkrad liegt prima in der Hand und lässt sich in einem weiten Bereich verstellen. Die bequemen Sportsitze ebenfalls – sogar die Schenkelauflage fährt bei Bedarf elektrisch aus, die Seitenwangen lassen sich enger und weiter stellen. Die Übersichtlichkeit nach vorne ist prima, die A-Säulen stehen nicht zu flach und sind dem Blick in Linkskurven kaum im Weg. So hat die erhöhte Sitzposition auch Vorteile für eine sportliche Fahrweise. Selbst nach hinten sind die Aussichten nicht so sehr eingeschränkt, obwohl das Dach des neuen X3 stärker abfällt als beim Vorgänger. Zum Parken gibt es ohnehin das hervorragende Surround-View, dessen Kamerabild auf dem großen, oberhalb der Mittelkonsole freistehenden Touchscreen eingeblendet wird.

Ab auf die Rennstrecke

Selbst fahren ist noch streng verboten. Ich mache den Fahrersitz für Derek frei. Er ist Instruktor im Performance Center und zeigt sonst ganzen Gruppen aus Firmen oder BMW-Kunden, wie man über nasse Skid-Pad schlittert oder flott über den kurvenreichen Rundkurs steuert. Der X3 der dritten Generation ist auch für ihn neu, was ihn nicht abhält, das Auto zu loben – „amazing“. Er freut sich über den Sound, der spätestens in kräftiges Sechszylinder-Trompeten umschwenkt, wenn der Fahrerlebnisschalter wie jetzt auf „Sport Plus“ steht und die Drosselklappe mehr als gestreichelt wird.

Los geht’s! Dem Beifahrer fällt vor der Einfahrt in die Strecke auf, dass „Sport Plus“ die Dämpfer zwar etwas steifbeinig, aber nicht unangenehm hart macht. Vor allem das Ansprechverhalten bei kleineren Unebenheiten ist immer noch sehr respektabel.

Derek wählt die manuelle Gasse der 8-Gangautomatik, die uns zuvor unauffällig und ruckfrei zur Rennstrecke gewandlert hat. Dann macht Derek Druck, dreht die Gänge aus. Ruckfrei, aber zackig schaltet die Automatik die Gänge durch. Derek schießt auf die erste 90-Grad-Links zu. Der X3 mag neu für ihn sein, aber die Strecke kennt er wie seine Westentasche. Der rund 1,68 Meter hohe SUV neigt sich erstaunlich wenig zur Seite – könnte sein, dass der im Vergleich zum Vorgänger abgesenkte Schwerpunkt die anders als im X5 nicht verfügbare Wankstabilisierung überflüssig macht. Der gehetzte X3 setzt wieselflink die neue Richtung um. Vor dem Scheitel ringen die Reifen hörbar um Grip – der 12 Jahre alte Belag und die gut 30 Grad Lufttemperatur des sonnigen Nachmittags in South Carolina machen sich bemerkbar. Aber lästiges Untersteuern bleibt aus. Stattdessen schieben die 20-Zoll großen Reifen (vorn 245, hinten 275er) praktisch neutral über alle viere – das war’s schon.

Schnell wie ein Carrera

Derek drückt das Gaspedal bereits wieder voll durch, der X3 zeigt, dass er von 0 bis 100 km/h nur zwei Zehntel langsamer beschleunigt, als ein Porsche 911 Carrera. Schon die nächste Links, selbes Spiel. Die folgende Kurve liegt einer Senke, die Sonne knallt drauf, der Wind kommt nicht hin – auf dem heißeren Asphalt schieben die Reifen noch mehr, aber der X3 hält Kurs. Es folgt eine der Cork Screw in Laguna Seca nachempfundene, aber hier ansteigende Links-Rechts-Links-Kombination. Kompression beim Einfahren, kein Thema. Dereks Ideallinie findet fast einen geraden Weg, an dessen Ende wir auf einer kleinen Anhöhe, die beim Motocross einen veritablen Sprung auslösen würde, nach links abknicken.

Alles easy, macht großen Spaß – nur den Verstellknopf für die Seitenwangen finde ich bei dem ganzen Hin-und-her nicht schnell genug. Am Ende lässt sich der Sitz damit zwar schön eng einstellen, aber die Seitenwangen sind einfach nicht hoch genug – der X3 M40i ist zu schnell für seinen eigenen Sitz. Und dabei nicht mal unkomfortabel. In der Stellung Komfort soll das Fahrwerk mit den für die weniger leistungsstarken Motorvarianten aufpreispflichtigen Adaptivdämpfern marginal straffer sein als das Standardfahrwerk. Als weitere Verschärfungsmaßnahme gibt es das M-Sportfahrwerk (Serie beim M40i), mit oder ohne Verstelldämpfer.

Mit dem BMW X3 30d xDrive im Offroadparcours

Ok, der Fahrbahnbelag während der schnellen Runden war sehr eben. Drum Umsteigen in den X30d mit xLine Ausstattung und Matt am Steuer – ab auf den kleinen Offroadparcous! Der 6-Zylinder klingt vertraut souverän und sympathisch. Die Automatik scheint ihn schon kurz nach dem Anrollen fest mit den Rädern zu verbinden. Kein Schlupf oder Gummibandeffekt, das fühlt sich eher an wie ein manuelles Getriebe mit recht kurzem 1. Gang. Der drehmomentstarke Selbstzünder (620 Nm bei 2000/min) hängt aufmerksam am Gas, jederzeit bereit, zügig hochzudrehen.

Die ersten großen Steine fühlen sich unter den 18-Zoll-Rädern ähnlich an, wie ersten Querfugen im M40i: Etwas steifbeinig, aber ohne harte Schläge. Dabei ist es diesmal die Komfortstellung der elektronischen Dämpferkontrolle. Aber die Brocken sind wirklich fies. Matt nimmt Kurs auf eine künstliche Furt oder eher ein längliches Wasserbecken. Der X3 taucht tief ein, das Wasser reicht gefühlt bis einen halben Meter unter die Fensterlinie. In freier Wildbahn hätte man sich das nie getraut, aber der neue SUV nimmt's gelassen, obwohl der unsichtbare Untergrund schlimme Schlaglöcher enthält und das Auto das Wasser ordentlich in Wallung bringt.

Mehr Steigung und Neigung als Du brauchst

Das nächste Hindernis heißt Sky-Mountain, erklärt Matt. Weil ab der Hälfte durch die Frontscheibe nur noch Himmel zu sehen ist. Kein Problem für den X3. Matt hat noch Zeit im iDrive die Neigungsgrafik zu aktivieren. 30 Prozent Steigung zeigt die Zahl neben dem Bild des Autos imm Touchscreen. Abwärts sind es ähnliche Werte. „Als BMW Rover verkauft hat, haben sie zwei gute Dinge behalten: Mini und HDC“. Gemeint ist die Hill Descent Control, also die elektronische Bergabfahrhilfe, die den X3 jetzt ohne Matts Zutun im (einstellbaren) Schneckentempo den Abhang hinunterkriechen lässt. Das geht sehr geschmeidig ohne heftige, hörbare Bremseingriffe. Sicher ein Feature, das man etwa im Winter durchaus mal brauchen könnte – zumindest öfter als die zuvor demonstrierte Wattiefe.

Die letzte Prüfung: eine seitliche Rampe. Bis zu 26 Grad sind kein Problem, sagt Derek – für den X3. Der Beifahrer hängt da schon unangenehm schräg im Sitz, im Seitenfenster tauchen je nach Richtung ausschließlich entweder die rötliche Erde oder der blaue Himmel South Carolinas auf. 90 Prozent der künftigen X3-Fahrer dürften sich hüten, solche Übungen mit ihrem neuen SUV zu vollführen – es sei denn, sie wählen die Werksabholung. Dann könnten Derek oder einer seiner Kollegen es zeigen.

Was Käufer im Fond des X3 erwartet und die komplette Neuvorstellung des neuen SUV lesen Sie hier.

Technische Daten:

X3 M40i xDrive

Leistung: 265 KW (360 PS)
Drehmoment (bei U/min): 500
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Grundpreis:66.300 €

X3 xDrive30d

Leistung: 195 KW (265 PS)
Drehmoment (bei U/min): 620
Höchstgeschwindigkeit:240 km/h
Grundpreis:59.700 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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