Real-Abgastests - alle Ergebnisse

Der BMW X3 xDrive 20d, (Euro 6, Grenzwert 0,08 g/km) hat zur
Abgasnachbehandlung einen NOX-Speicherkatalysator und emittierte
auf der ams Eco-Runde 0,330 g/km. Damit liegt er um den Faktor 4,13
über dem Grenzwert.
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Der BMW X3 xDrive 20d, (Euro 6, Grenzwert 0,08 g/km) hat zur Abgasnachbehandlung einen NOX-Speicherkatalysator und emittierte auf der ams Eco-Runde 0,330 g/km. Damit liegt er um den Faktor 4,13 über dem Grenzwert.

© Hans-Dieter Seufert
10.02.2017 - 08:45 Uhr von auto motor und sport

Wie viel Stickoxid produziert ein Diesel im realen Verkehr? Welche Abgas-Nachbehandlung arbeitet am besten? Und wie ist ein Benziner im Vergleich? Unsere Kollegen von auto motor und sport haben die NOx-Emissionen von neuen Autos unter Realbedingungen im Straßenverkehr (Real Driving Emissions) mit mobilen Messgeräten (Portable Emission Measurement System, PEMS) gemessen.

Bildershow: Alle Ergebnisse des Abgas-Tests!>>

Erst zum zweiten Mal hat es ein Diesel im Test von auto motor und sport geschafft, seinen NOx-Grenzwert nach Euro 6 im realen Verkehr zu unterbieten. Nach der Mercedes E-Klasse gelang es diesmal dem Audi Q2 2.0 TDI. So gut der Q2 abschnitt, so sehr enttäuschte der Subaru Outback 2.0D: Er überschritt den Grenzwert um den Faktor 14 – schlechter war bisher nur ein Renault Espace dCi 160, der auf Faktor 15 kam. Diesen übertrumpft aber bei den aktuellen Messungen noch der Markenbruder Captur, der auf einen Faktor von 16,7 kommt und damit einen neuen Negativrekord aufstellt.

So wird gemessen

Ein Messsystem für 120.000 Euro, ein ganzer Transporter voller Werkzeug – das sind die Zutaten für Abgasmessfahrten von auto motor und sport mit den Profis der britischen Firma Emissions Analytics. Denn wir wollen nicht wissen, was ein Neuwagen nach heutiger EU-Norm auf einem realitätsfernen Rollenprüfstand ausstößt, sondern dort, wo ein Auto tatsächlich benutzt wird: auf der Straße.

Unser aktueller Test prüft im Wesentlichen aktuelle Dieselmodelle von BMW, Mazda, Mercedes, Renault, Opel, Volvo und VW. Alle erfüllen die Euro-6-Norm, haben damit bereits den Beweis erbracht, dass sie auf dem Prüfstand nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) weniger als 80 mg NOX/km ausstoßen – allerdings sind die Ergebnis-Unterschiede zwischen den getesteten Wagen extrem. Die Kandidaten nutzen unterschiedliche Verfahren zur Abgasreinigung: NOX-Speicherkat, SCR-Systeme und innermotorische Maßnahmen – entweder einzeln oder in Kombination. Die neuesten Ergebnisse sehen Sie in unserer Bildergalerie.

In einem älteren Test fuhr neben den Euro-6-Modellen auch ein Audi Q3 mit dem berühmt-berüchtigten EA-189-Motor mit, dessen Schummelsoftware in den USA den VW-Skandal ausgelöst hat. Für den EA 189 gelten höhere NOX-Grenzwerte (180 statt 80 mg NOX/km), da für den 2007 vorgestellten Motor noch die Euro-5-Norm zählt.

Zum Vergleich ein Benziner

Mit dem Opel Corsa 1.0 Turbo haben wir auch einen Benziner mitgetestet. Benziner galten in der Vergangenheit in puncto NOX als weniger kritisch. Speziell bei Downsizing-Motoren steigt der Stickoxid-Ausstoß jedoch durch die höheren Verbrennungstemperaturen an, weshalb uns die Vergleichswerte des Euro-6-Mondeo mit seinem Dreizylinder interessierten. Für Ottomotoren gilt nach Euro 6 ein Grenzwert von 60 mg NOX/km.

Laborwert trifft Realität

Ziel unserer Tests ist, festzustellen, um welchen Faktor der Stickoxid- Ausstoß im realen Verkehr über dem Grenzwert liegt. Obwohl bei der ersten Runde unseres Abgastests Ende 2015 davon auszugehen war, dass alle Autos über der Euro-6-Grenze liegen, hat uns das Testergebnis dann doch überrascht. Und zwar in mehrerlei Hinsicht: So stieß der Fiat 500X mit seinen 845 mg/km nicht nur mehr als das Zehnfache des Euro-6-Grenzwertes aus, sondern auch fast das Sechsfache des Spitzenreiters VW Golf Variant (148 mg/km). Und das trotz vergleichbarer Abgasnachbearbeitung: Sowohl Golf als auch 500X nutzen einen NOX-Speicherkat.

Im Auto mit den damals zweitbesten Werten, dem T-Modell der Mercedes C-Klasse, kommt hingegen das aufwendigere SCR-System samt Harnstoffeinspritzung zum Einsatz. Mit 215 mg/km kommt die C-Klasse auf das 2,7-Fache des Grenzwerts. Dritter mit 284 mg/km wurde der Mazda CX- 3, der weder Speicher- noch SCR-Kat besitzt. Mazda nutzt vielmehr innermotorische Maßnahmen wie eine niedrige Verdichtung, bei der weniger Stickoxide entstehen – offenbar mit Erfolg.

Viel Technik = viel Nutzen bei der Abgasreinigung?

BMW setzt beim X5 als Einziger im Test auf die Kombination von SCR- und Speicherkat. Trotzdem fiel das Ergebnis mit 462 mg/km enttäuschend aus – wie auch beim Opel Mokka und beim Volvo XC90 (477 bzw. 498 mg/km). Den absolut gesehen höchsten Wert erreichte der Audi Q3 mit 864 mg/km. Bezogen auf seinen höheren Grenzwert (Euro 5) liegt er mit Faktor 4,8 im Mittelfeld.

Der benzinbetriebene Mondeo verfehlte seine Euro-6-Angabe. Absolut gesehen produzierte er zwar die wenigsten Stickoxide, bei ihm fielen jedoch die hohen Werte in der Stadt mit vielen Ampeln und Anfahrsituationen am Berg auf, wo er sogar mehr NOX ausstieß als drei der Diesel.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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