Skoda Kodiaq 2.0 TSI 4x4 Style (2016) im Test

Skoda Kodiaq 2.0 TSI 4x4, Bremstest
Bild 1 von 21

Skoda Kodiaq 2.0 TSI 4x4, Bremstest

© Achim Hartmann
06.01.2017 - 00:00 Uhr von Heinrich Lingner

Mehr SUV geht nicht in der Kompaktklasse: Der Skoda Kodiaq überragt seine Klassenkonkurrenten mit äußerer Größe und innerer Opulenz. Dem Test stellt sich der 2.0 TSI 4x4 mit 180 PS.

Wahrscheinlich haben Sie nun schon jede Menge über den Skoda Kodiaq gelesen, unter anderem dass der Name sich von einer Bärenart in Alaska herleitet. Stimmt natürlich wieder nur halb. In Wahrheit stammt das Wort aus der Sprache der Alutiiq, der auf dem Kodiak-Archipel und der Alaska-Halbinsel einheimischen Ureinwohner, und bedeutet nicht etwa „Bär“, sondern „Insel“. Der Kodiak-Bär heißt so, weil er auf der gleichnamigen Insel lebt, seit dem Ende der letzten Eiszeit durch die Schelichow-Meeresstraße von der restlichen Bärenpopulation in Alaska getrennt.

Nachdem das nun geklärt wäre, können wir uns dem Auto zuwenden. Genau wie der fast gleichnamige Bär ist der Skoda Kodiaq einer der Größten seiner Art. Mit 4,7 Metern Länge und beinahe 2,8 Metern Radstand sprengt er die Grenzen der Kompakt-SUV-Klasse schon ziemlich. Auch optisch, denn er gibt sich wenig Mühe, zu verbergen, dass er ein mächtiges Auto ist.

Klare Lichtkanten, eckige Radausschnitte – der Skoda steht robust in der Landschaft, und man glaubt auch ohne Messinstrumentarium, dass er eine gute Spanne länger ist als der VW Tiguan, mit dem er sich die Plattform teilt, und den im gleichen Werk in Tschechien gefertigten Seat Ateca sogar um 33 Zentimeter überragt.

Kein Mangel an Kofferraumvolumen

Das ist ja schon eine Ansage, wenig verwunderlich also, dass der Kodiaq innen ebenso üppig daherkommt. Das gilt vor allem für die Sitze in der zweiten Reihe, vorn wirkt der Skoda etwas breiter als ein Tiguan oder Ateca, einen Klassenunterschied gibt es hier jedenfalls nicht. Der kommt, wenn man im Fond zusteigt, die Sitze der dritten Reihe ausprobiert oder mal beide Sitzreihen flach legt. 560 Liter Normalkofferraum (bei dritter Sitzreihe, 650 als Fünfsitzer) sowie 2.065 Liter maximales Ladevolumen, das reicht selbst für verwöhntere Ansprüche. Zudem ist das Ladeabteil durch die große, weit öffnende Klappe bestens zugänglich, die Ladekante ist mit 74 Zentimetern Höhe allerdings nichts für Schwächlinge.

Dazu kommen die vielen typischen Simply-Clever-Lösungen, die das Leben mit dem Kodiaq angenehm gestalten. Über 30 sollen es insgesamt sein, eine der originellsten aus der Simply-Clever-Palette: die Schlafausstattung mit verstellbaren Kopfstützen und einer hübsch verpackten Kuscheldecke. Andere wiederum sind bereits vertraut: die berühmten Regenschirme in den Türen, der Eiskratzer im Tankdeckel oder die per Fußgeste öffnende Heckklappe. Das ist alles ganz nett, doch wie fährt er nun, der Kodiaq 2.0 TSI 4x4?

Hightech-Turbobenziner

Zum ersten Test kommt er als 2.0 TSI mit 180 PS, DSG und Allradantrieb und mit der opulenten Style-Ausstattung. So kostet er mindestens 36.890 Euro, wer sich mit der Ambition-Version bescheidet, kann an dieser Stelle 2.400 Euro sparen. Die ließen sich etwa in das Infotainment-System Columbus investieren (2.290 Euro bei Ambition, 1.560 Euro bei Style) oder eine Lederausstattung Glamour schwarz (1.480 Euro). Aber wir wollten ja fahren.

Los geht’s. Ruhig ist es im Skoda, geschmeidig und leise läuft der Zweiliter-Turbobenziner, das Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Fahrstufen unmerklich, viel besser geht Antriebskomfort mit Vierzylinder-Triebwerk eigentlich kaum. Der Motor ist ja auch eines der Paradestücke aus der Konzern-Antriebspalette, jenes Triebwerk, das vor Jahresfrist im Audi A4 debütierte. Es arbeitet nach dem sogenannten B- oder Miller-Zyklus. Vereinfacht gesagt sorgt eine verkürzte Ansaugphase dafür, dass der Motor im Teillastbereich weniger Luft ansaugt. Dadurch wird die Kompressionsphase verkürzt, was eine höhere Verdichtung erlaubt.

Ein Verbrauchswunder wird der Zweiliter-Benziner dadurch nicht, er kommt im Testmittel auf 9,7 Liter Super je 100 Kilometer, der Normverbrauch beträgt 7,3 l/100 km. Immerhin wiegt der Kodiaq 2.0 TSI 4x4 rund 1,8 Tonnen und ist damit beinahe zwei Zentner schwerer als ein vergleichbar motorisierter Tiguan, das macht sich halt im Testverbrauch bemerkbar. So gesehen sind die Fahrleistungen in Ordnung, sie liegen auf Tiguan- Niveau: 8,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sowie 207 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Exzellenter Komfort

Darüber kann man sich also schon mal nicht beklagen. Noch weniger über den Federungskomfort. Natürlich kommt unser Kodiaq 2.0 TSI 4x4 mit DCC (940 Euro) und Drive Select, so bietet er neben den üblichen Fahrstufen auch ein Offroad-Programm. Es erlaubt auf losem Untergrund dem ABS und der Traktionskontrolle mehr Schlupf, das serienmäßige XDS (elektronisches Sperrdifferenzial) regelt rigoroser, und Bergauf- sowie Bergabfahrhilfe werden dazu aktiviert. Das klappte bei einer kurzen Offroad-Testfahrt sehr gut. Mit fast zwanzig Zentimetern Bodenfreiheit kann der Kodiaq da ohnehin mehr, als man ihm womöglich zutraut.

Auf Asphalt läuft es ebenfalls prächtig. Hier bietet der große Skoda in den DCC-Stufen „Normal“ und „Comfort“ gediegene Geschmeidigkeit, die allerdings mit etwas mehr Schaukelei beim Kurvenfahren erkauft wird. Das ist nicht weiter schlimm. Zum einen verstärkt es das befriedigende Gefühl, einen schweren, komfortablen Wagen zu bewegen, zum anderen lassen sich ja die Dämpfer straffen. Dann legt sich das Schaukeln etwas, dafür wird das Abrollen etwas herber.

So turnt der Kodiaq 2.0 TSI 4x4 noch etwas agiler durch Biegungen, das macht er nicht schlechter als der leichtere Tiguan. Die Messwerte bei Slalom und Spurwechsel unterstreichen den subjektiven Eindruck, hier ist der Skoda jeweils einen Hauch fixer als der Volkswagen.

An der tatsächlichen und gefühlten Agilität hat neben dem sehr schnell reagierenden Allradantrieb die feinfühlig und direkt arbeitende Lenkung den größten Anteil. So eilt der Kodiaq sehr neutral und berechenbar durch schnelle wie langsame Kurven. Selbst abrupte Lastwechsel und mutwillige Lenkkurbelei bringen ihn nicht nennenswert aus der Ruhe.

Gibt es also gar nichts rumzumosern am Skoda-SUV? Ein wenig schon, doch auch das ist Jammern auf hohem Niveau: Die Bedienung, bei der viel über den acht Zoll großen Touchscreen läuft (Serie beim Style), ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, ohne kurzen Blickkontakt zum Monitor geht wenig. Immerhin gibt es ja auch ziemlich viel zu bedienen, etwa ein komplettes Assistenz-Arsenal vom Stauassistenten bis zum 360-Grad-Area-View plus Navi, MirrorLink und Apple CarPlay sowie Android Auto. Da ist der Kodiaq also auch auf der Höhe der Zeit, da kann ihm der Tiguan wenig vormachen. Das gilt gleichermaßen für die Verarbeitungsqualität. Der Testwagen zeigt sich makellos, die Werkstoffe im Interieur sind sauber eingepasst, die sicht- und fühlbare Qualität hat durchaus VW-Niveau. Wer nun der Bessere ist? Das wird ein Vergleichstest zeigen, demnächst in dieser Zeitschrift.

Technische Daten:

Kodiaq 2.0 TSI 4x4

Leistung: 132 KW (180 PS)
Drehmoment (bei U/min): 320
Höchstgeschwindigkeit:207 km/h
Grundpreis:36.890 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
Kommentare
Top-Artikel
Zweirädrige Einheitsware? Vergessen Sie’s. Auch in diesem Jahr scheint das Motorradangebot wie wärmende Frühlingssonne ...mehr
In einem hitzigen Markt gehen die SUV steil und steigern sich um fast 30 Prozent. Im März sind erneut vor allem die ...mehr
350 hübsche Damen aus ganz Europa hatten sich beworben, zwölf davon ziehen ins Finale um die Wahl zur Miss Tunig 2017 ein.mehr
Anzeige
Auto Motor und Sport
Anzeige
Auch interessant
Anzeige
Anzeige
Anzeige