Restschuldversicherung: Übertriebene Kostenfalle oder doch sinnvoll?

Die Restschuldversicherung soll auch nach dem Tod für finanzielle Sicherheit sorgen. Doch hält die Versicherung, was sie verspricht?
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Die Restschuldversicherung soll auch nach dem Tod für finanzielle Sicherheit sorgen. Doch hält die Versicherung, was sie verspricht?

© unsplash.com/Greg Ortega
03.04.2017 - 08:00 Uhr von MR

Leben, Haus, Krankheit, Auto, Reisen oder Antiquitäten: Neben den geläufigen Versicherungen werden selbst Kredite bzw. deren Rückzahlung gegen alle Eventualitäten abgesichert. Wir sprechen von der Restschuldversicherung. Gerät ein Kreditnehmer unverschuldet in eine Zahlungsunfähigkeit, springt diese Versicherung ein. Doch wie hoch sind eigentlich ihre Mehrkosten? Gibt es in diesem Bereich Kostenfallen, die sich ohne Probleme umgehen lassen? Im folgenden Artikel geht es um die Restschuldversicherung - ihre Vor- und Nachteile.

Was ist eine Restschuldversicherung?

Ob es sich nun um einen Todesfall oder Arbeitsunfähigkeit handelt: Diese Versicherung springt ein, wenn ein Kreditnehmer die Zahlungen nicht mehr leisten kann. Wobei wir es mit einer unverschuldeten Zahlungsunfähigkeit zu tun haben. In einigen Fällen ergibt diese Versicherung überhaupt keinen Sinn und würde die Kosten unnötig nach oben treiben.

Grundsätzlich ähnelt die Kreditversicherung den Risikolebensversicherungen. Hat also ein Kreditnehmer bereits eine derartige Lebensversicherung abgeschlossen, macht die Kreditversicherung nur wenig Sinn. Wobei man es hier mit einer umfassenderen Lösung zu tun hat, gerade wenn der Kreditnehmer auch der alleinige Verdiener in der Familie ist, von dem alles abhängt.

Bei einem Hypothekendarlehen ist der Kreditnehmer sogar verpflichtet, eine Restschuldversicherung aufzunehmen. Je nach Anbieter variieren die Kosten und die Leistungen enorm.

Zudem ist es möglich, über die Risikolebensversicherung - kurz RLV - die Tilgung eines Kredits im Todesfall abzusichern. Die Versicherung orientiert sich an der sinkenden Restschuld, sodass sich die Kosten zumeist in Maßen halten. Oftmals hat man es mit linear fallenden Verträgen zu tun. Zu Anfang steht eine größere Kreditrate für die Zinsen an, die Monat für Monat sinken.

Wo Kreditnehmer eine Kreditversicherung abschließen?

Im Prinzip ist davon abzuraten, mit dem Wunsch einer Kreditversicherung gleichzeitig auch mit dem Kreditgeber zu verhandeln. Schließlich verfolgen Kreditinstitute ganz eigene Interessen und werden niemals die objektiv besten Konditionen zusammenstellen. Geht es um den eigentlichen Kredit, ist der Kreditgeber der wichtigste Mann.

Bei den Vorteilen und Nachteilen verschiedener Restschuldversicherungen sollten sich findige Kreditnehmer jedoch an einen anderen Ansprechpartner wenden. Hier bieten sich im Internet zahlreiche Ratgeber und kompakte Vergleiche zwischen unterschiedlichen Restschuldversicherungen, die wiederum die besten Konditionen auf einem Blick liefern. Die Redaktion des Fachportals Kreditvergleich.net kam in einer aktuellen Studie, in welcher die Kosten von Restschuldversicherungen bei zwölf Banken ausgewertet wurden, zu dem Fazit, dass Kreditnehmer sich auf bis zu 31 Prozent Mehrkosten einstellen müssen. Dabei betrug die Spanne zwischen teuerster und günstigster RSV mehrere hundert Prozent (im Fall der Laufzeit von 96 Monaten 8,64 bis 31,18 Prozent).

In jedem Fall lohnt sich der Vergleich der Institute im Hinblick auf die Gesamtheit der Mehrkosten, die sich zum Teil sogar verdreifachen. Wobei die meisten Banken nur den Todesfall versichern. Hier ist es sinnvoll, nachzufragen und die Arbeitslosigkeit zusätzlich abzusichern. Die Höhe der Mehrkosten für die Kreditversicherung ist von der jeweiligen

  • Kredithöhe,
  • Kreditlaufzeit,
  • dem Umfang der Versicherung und
  • dem Alter abhängig.

Warum sind Restschuldversicherungen bei Banken so beliebt?

Schlussendlich bildet sie einen Sicherheitsaspekt für den Kreditgeber und wird im Rahmen von Darlehen und Krediten sehr gern mit angeboten. Dabei soll die Versicherung für beide Seiten sinnvoll sein. Denn wer möchte unverschuldet in eine prekäre finanzielle Situation geraten?

Was passiert im Versicherungsfall?

In den oben genannten Versicherungsfällen springt die Kreditversicherung ein und übernimmt die Rückzahlung aller Raten. Hier kann es sich um eine vorübergehende Vereinbarung oder um eine vollständige Tilgung des Kredits handeln. Dabei lassen sich mehrere Versicherungsarten unterschieden:

  • Arbeitsunfähigkeit,
  • Todesfall,
  • Arbeitslosigkeit.

Insbesondere für beide Parteien ist die Absicherung bei der Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit am interessantesten. Denn nur so gewährt eine Versicherung einen sinnvollen Rundumschutz, von dem beide Seiten profitieren.

Nicht immer hat der Kreditnehmer eine Wahl

Leider veranschlagen viele Kreditgeber per se eine damit verbundene Restversicherung, bevor sie einen Kredit zusagen. Das ist immer dann der Fall, wenn berechtigte Zweifel an der Bonität des Kunden stehen. 

Mit der Bonität geht es zur persönlichen SCHUFA, zum finanziellen Register des Kreditnehmers. An dieser Stelle sind alle finanziellen Verpflichtungen, laufende Darlehen und Kredite ebenso aufgeführt wie Kreditraten, Handyverträge und Rückzahlungen. Gerade wenn es zu einem negativen Eintrag aufgrund einer offenen Rechnung gekommen ist, fällt es Kreditnehmern äußerst schwer, eine Bank oder ein Finanzinstitut von ihrer eigenen Zahlungsmoral zu überzeugen.

Die Angebote der meisten Banken sind klar formuliert. Ohne eine entsprechende Restschuldversicherung gibt es keine Zusage für das Darlehen.

Nachteile der Restschuldversicherung: die Kostenfalle

Die klare Gegenüberstellung der Mehrkosten macht deutlich, ein Kredit ist mit einer Versicherung immer teurer als ohne. So sollten Kunden die jeweiligen Zinsen, die Kosten und die Konditionen der Bank zusammenfassend mit anderen Kreditinstituten vergleichen. Erst dann liefert ein Kredit ein vergleichbares Angebot.

Laut Angabe des Handelsblattes kritisieren der Handelsverband und der Verbraucherschutz das unzureichende Angebot der Banken, die immer nur eine Versicherung anbieten. Der fehlende Wettbewerbsdruck würde in diesem Fall zu hohen Mehrkosten und unzureichenden Angeboten führen. Für Kunden ist es mehr als schwierig, die anfallenden Mehrkosten für die Versicherung im Blick zu behalten.

Fazit

Eine Restschuldversicherung ist zumeist obligatorisch an einen Kredit oder ein Darlehen gebunden, besonders wenn es sich um eine hohe Kreditsumme wie um eine Hausfinanzierung handelt. Zum einen ist der Kreditnehmer bei einer unverschuldeten Zahlungsunfähigkeit abgesichert und zum anderen der Kreditgeber gegen eventuelle Zahlungsausfälle, die nicht in der Macht seines Kunden liegen. Das schafft auf beiden Seiten Sicherheit, vorausgesetzt die Restschuldversicherung arbeitet mit fairen Konditionen.

Im Idealfall hat der Kreditnehmer die Möglichkeit, vorab einen objektiven Vergleich der Versicherer vorzunehmen, um sich die besten Konditionen zu sichern. Ist dies nicht der Fall, sollte aus der Summe der Kreditkosten, Mehrkosten und Zinsen sowie der Kreditversicherung ein objektives Bild für eine Finanzierung erwachsen, die sich schlussendlich mit anderen Angeboten vergleichen lässt.

Quelle: freenet.de
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