Das SID-Kalenderblatt am 21. November: Deislers Depressionen

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Das SID-Kalenderblatt am 21. November: Deislers Depressionen

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Am 21. November 2003 bestätigten Hitzfeld, Hoeneß und der Mediziner Holsboer in einer Pressekonferenz, dass Sebastian Deisler an Depressionen leidet.

Köln (SID) - Ottmar Hitzfeld hat alles versucht. "Ich habe mich immer wieder umgehört hier in Lörrach, habe ihm auch mal geschrieben", sagte der Erfolgstrainer Anfang des Jahres über seinen früheren Schützling Sebastian Deisler. "Aber da kam gar keine Antwort."

Sebastian Deisler, das frühere Supertalent des deutschen Fußballs, ist inzwischen 40. Er will, soweit sich das sagen lässt, mit dem gnadenlosen Geschäft seit vielen Jahren nichts mehr zu tun haben.

Am 21. November 2003 hatten Hitzfeld, Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß und der Mediziner Florian Holsboer in einer Pressekonferenz bestätigt, dass Deisler an Depressionen leidet. "Ich kann nicht mehr. Ich bin fertig. Ich brauche Hilfe", habe Deisler ihm am Telefon gesagt, berichtete Hoeneß.

2019 erzählte er auf einer Podiumsdiskussion der Teresa-Enke-Stiftung von den letzten Tagen in der Karriere des Nationalspielers im Januar 2007: Deisler habe im Trainingslager in Dubai zusammengerollt in Hoeneß' Suite geschlafen, es gab Gespräche bis nachts um halb fünf. "Irgendwann hat er gesagt: Ich möchte aufhören, Fußball zu spielen. Das war der Wahnsinn." 

Sein bislang letztes Interview gab Sebastian Deisler 2009. "Am Ende war ich leer, ich war alt, ich war müde", erzählte er, "ich habe Krieg geführt gegen mich, bis ich es nicht mehr ausgehalten habe." Deshalb sei er ausgestiegen.

Dem übermenschlichen Druck im Haifischbecken Profifußball war Deisler nicht gewachsen. "Ich galt als Heilsbringer des deutschen Fußballs. Ich war 19!", sagte er. Schon mit dem Wechsel von Borussia Mönchengladbach zu Hertha BSC 1999 habe er über Nacht kein Privatleben mehr gehabt: "Man wollte aus mir den Beckham von der Spree machen, aber das war ich nicht."

Im Oktober 2001 stand Sebastian Deisler dann auch noch als Gierschlund und Verräter da. Die Bild-Zeitung hatte aufgedeckt, dass er für den bevorstehenden Wechsel zum FC Bayern bereits 20 Millionen Mark überwiesen bekommen hatte. "Plötzlich wurde ich gehasst in Berlin. Ich wurde beschimpft, als ich mit Krücken auf der Tribüne saß und nicht spielen konnte", sagte er. "Ich hätte damals aufhören müssen, aber ich konnte noch nicht loslassen." 

Das schaffte er erst 2007.

Quelle: 2020 Sport-Informations-Dienst, Köln
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