Das SID-Kalenderblatt am 5. Juni: Graf triumphiert 1999 in Paris - gegen maulende Hingis

Das SID-Kalenderblatt am 5. Juni: Graf triumphiert 1999 in Paris
- gegen maulende Hingis
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Das SID-Kalenderblatt am 5. Juni: Graf triumphiert 1999 in Paris - gegen maulende Hingis

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Das Publikum in Paris johlt, sie lieben die Gräfin, die am 5. Juni 1999 bei den French Open ihren letzten Grand-Slam-Titel holt.

Hamburg (SID) - Irgendwann hat Steffi Graf genug. "Was ist jetzt, wollen wir weiterspielen oder rumdiskutieren", fragt sie also an diesem 5. Juni 1999 genervt in Richtung der Stuhlschiedsrichterin. Diese solle doch bitte die maulende, bockige Martina Hingis auf der anderen Seite des Netzes zur Contenance bringen. Das Publikum in Paris johlt, sie lieben die Gräfin, die an diesem kühlen Nachmittag bei den French Open ihren letzten Grand-Slam-Titel holt. Es ist eine kleine Sensation - mit ganz besonderer Dramaturgie.

Die damals 18-jährige Schweizerin Hingis ist als Nummer eins der Welt angetreten, mit dem letzten noch fehlenden Titel ihren Karriere-Grand-Slam zu komplettieren, doch dann entgleitet ihr nicht nur das Match. 

Den ersten Satz hat Hingis bereits 6:4 gewonnen, und Graf, in den Wochen zuvor von Verletzungen und Zweifeln gebeutelt, scheint nicht viel gegen die zwölf Jahre jüngere Gegnerin einzufallen. Auch im zweiten Satz legt Hingis ein 2:0 vor - dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

Schiedsrichterin Anne Lassere gibt einen Return von Hingis "Aus", eine Entscheidung, die diese keinesfalls hinnehmen will. Um sich zu vergewissern, bricht Hingis eine eherne Regel im Tennis: Sie spaziert auf die Seite ihrer Gegnerin, um den Abdruck des Balles selbst zu überprüfen. Es bleibt dabei: Der Ball war draußen. 

Hingis setzt sich auf ihren Stuhl und weigert sich weiterzuspielen. Sie kassiert eine Verwarnung, wenig später den Satzausgleich, sie jammert und lamentiert ununterbrochen. Ihre Mutter und Trainerin Melanie Molitor versucht von der Tribüne aus vergeblich, die Tochter einzufangen, die verspielt derweil das Finale und alle Sympathien. 

Im dritten Satz hat Steffi Graf bei 5:2 und 40:30 Matchball, Hingis schlägt von unten auf, das Stadion brüllt die Schweizerin nieder. Graf ist so perplex, dass sie den Return ins Netz schlägt, aufzuhalten ist sie nicht mehr. Wenig später bringt sie ihren sechsten French-Open-Titel nach Hause. Es ist ihr 22. - und Letzter.

Und Hingis? Die verlässt von einem Weinkrampf geschüttelt den Platz, ihre Mutter kann sie kaum überreden, zur Siegerehrung zurückzukehren. Bei dieser Zeremonie findet Graf dann versöhnliche Worte für die junge Schweizerin: "Du wirst noch viele Titel gewinnen, du hast so viel Zeit." 

Graf nicht mehr: Vier Wochen später verliert sie das Wimbledonfinale gegen Lindsay Davenport, einen weiteren Monat später beendet sie ihre Karriere. Übrigens: Hingis gewinnt nie mehr einen Grand-Slam-Titel im Einzel. 

Quelle: 2021 Sport-Informations-Dienst, Köln
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