ZDF-Doku offenbart, wie Mark Zuckerberg Trump umgarnt
Es ist erst einige Jahre her, da diffamierte Donald Trump den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg öffentlich als "Weirdo" - und forderte gar Gefängnis für den Milliardär. Doch seitdem hat Zuckerberg einen eindrücklichen Sinneswandel hingelegt. Gerierte er sich einst als Unterstützer Barack Obamas, lief in LGBTQ-Paraden mit und plädierte für eine Einwanderungsreform, hat sich der Wind längst gedreht. Wie und warum es zu diesem Kurswechsel kommen konnte, versucht die Dokumentation "Mark Zuckerberg - Tech-Genie auf Trump-Kurs" (ab sofort beim ZDF streambar) zu erklären.
"Donald Trump ist so mächtig, dass er die reichsten Männer der Welt zu sich zitieren und in gewisser Weise kontrollieren kann", versucht sich der Journalist Philippe Corbé an einem Erklärungsansatz. Auch weil sich zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit mit X-Eigner Elon Musk ein großer Konkurrent im unmittelbaren Umfeld des US-Präsidenten aufhielt, hatte Zuckerberg laut Corbé "wohl Angst, Trump könnte ihm das Leben schwer machen".
"Sie nehmen uns die Macht, indem sie uns belügen"
Um den starken Mann im Weißen Haus "milde" zu stimmen, schlug Zuckerberg plötzlich bis dato ungewohnte Töne an. Während er sich auf die "freie Meinungsäußerung" berief und gegen vermeintlich politisch motivierte Zensur ausholte, schaffte der Meta-Chef eben mal so Online-Fakten-Checks ab. "Wenn Tech-Giganten sagen, im Sinne der Meinungsfreiheit geben wir euch die Macht zurück, ist das schlicht falsch", berichtigt CNN-Journalistin Melissa Bell in der ZDF-Doku. "Sie nehmen uns die Macht, indem sie uns belügen. Das erste Opfer einer Diktatur ist immer die Wahrheit."
Doch nicht nur programmatisch folgt Zuckerberg neuen Idealen, auch sein Äußeres hat er verändert. Vom einst verschüchterten Harvard-Soziophob mit Grauer-Maus-Kleidung ist nichts mehr übrig. "Er tritt ganz anders auf, irgendwie maskuliner", beobachtet Melissa Bell. Auf seiner Kleidung finden sich zudem Referenzen auf die antike Kultur, wie Wissenschaftsjournalist Guillaume Grallet erklärt: "Er verherrlicht bestimmte historische Persönlichkeiten. Vielleicht träumt er insgeheim von einer neuen Weltordnung."
ZDF-Doku erklärt: So will sich Mark Zuckerberg "bei Menschen in Machtpositionen anbiedern"
Glaubt man dem, was Mark Zuckerberg im Podcast von Trump-Supporter Joe Rogan erzählte, gehört zu diesem Weltbild auch mehr "maskuline Energie in Unternehmen". Passend dazu argumentierte Zuckerberg im Januar 2025: "Ich finde, es schadet nicht, Aggression wieder etwas mehr zu feiern." Schließlich sei "unsere Gesellschaft quasi kastriert worden". Mit dieser Reproduktion von Narrativen der MAGA-Bewegung wolle Zuckerberg zeigen, "dass er auch ein Mann ist", vermutet Melissa Bell.
Diese Einstellung habe schon immer in dem 41-Jährige geschlummert, ist Ophélie Coelho überzeugt. Facebook sei ursprünglich "total sexistisch" gewesen, erinnert die Expertin für digitale Geopolitik an die Anfänge der Plattform. Zu Beginn waren bei Facebook Harvard-Studentinnen nach deren Aussehen gerankt worden. "Ich glaube, dieser Teil von Zuckerberg ist nie verschwunden. Er war immer da, aber im Verborgenen", meinte Coelho. Nun lasse er diese Facette von sich wieder frei und könne "sich so bei Menschen in Machtpositionen anbiedern".
Zusammengefunden hätten Donald Trump und die Tech-Oligarchen laut Philippe Corbé dank Peter Thiel, eines "einflussreichen, brillanten Mannes". Der Tech-Libertäre stelle "Freiheit über alles" und habe "Trumps Potenzial früher erkannt als andere". Laut Ophélie Coelho eine die genannten Männer eines: "Sie träumen davon, kleine Kaiser zu sein." Auf Verhandlungen, etwa mit der EU, hätten sie keine Lust. Auch deswegen sei es der Expertin nicht zielführend, das Gespräch mit ihnen zu suchen - dies sei vielmehr ein fataler Trugschluss: "Statt unseren eigenen Weg zu suchen, verhandeln wir lieber."