Apple Car Projekt: Apple-Auto erstmals visualisiert

Apple Car Projekt: Apple-Auto erstmals visualisiert
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Apple Car Projekt: Apple-Auto erstmals visualisiert

© Vanarama / Patrick Lang

Der britische Leasing-Anbieter Vanarama hat ein Apple Car gebastelt. Für das aufwendige digitale Rendering haben die Briten ganz genau auf die von Apple bereits eingereichten Patente geschaut.

Die Spekulationen um ein eigenes Auto des Tech-Riesen Apple verfolgen uns schon eine ganze Weile. Der US-Konzern führt in dieser Sache vielerorts Verhandlungen, heuert Experten aus der Automobil-Branche an und sichert sich Rechte an innovativen Neuentwicklungen und Systemen.

Genau diese gesicherten Rechte hat sich der britische Leasing-Anbieter Vanarama angesehen, und daraus eine digitale Vision des Apple Cars gebaut. Dem aktuellen Trend entsprechend, haben sich die Briten in Sachen Grundform für ein SUV-Coupé-Crossover-Modell entschieden. An der Front prangt ein Grill, der vom Gehäuse eines Mac Pro inspiriert ist. Aus der Mitte leuchtet das bekannte Apple-Logo, so wie man es von den Laptops des Tech-Giganten kennt. Nachdem unter der Nummer US10309132B1 eine säulen-befreite Fahrzeugstruktur patentiert wurde, verzichten auch die Vanarama-Designer auf A-, B- oder C-Säulen. Die Passagiere nehmen unter einer Glaskuppel Platz, nachdem die gegenläufig öffnenden Türen geentert wurden. Die Sitze lassen sich variabel arrangieren und beispielsweise auch nach Art einer Sitzgruppe einander zuwenden.

Auch Apples größter Clou ist im Fahrzeug zitiert: das iPhone. Einerseits trägt das Concept-Fahrzeug die beim Smartphone beliebte Farbe "Frosted White", andererseits sollen die Türgriffe an die Seitentasten des iPhones erinnern. Das Patent JP2020173835A beschreibt eine Erweiterung des intelligenten Sprachassistenten Siri. Neben Sprachkommandos verarbeitet die automobile Version auch die Innenraum- und Fahrbahnbedingungen und macht dem Fahrer Vorschläge, etwa zur Anpassung der Fahrmodi. Vanarama stellt sich zur optischen Interaktion mit dem Assistenten ein kleines Display in der Lenkrad-Mitte vor.

Hinter der Ziffer EP2581248B1 verbirgt sich die Eintragung eines voll-individualisierbaren digitalen Armaturenbretts. Hier kann der Fahrer nicht nur den Look, sondern auch das Layout bestimmen und sich einzelne Bedienelemente, etwa für die Klimaanlage, selbst auf dem breiten Display positionieren. Jenes Display ist dem Patent US20200214148A1 entsprechend übrigens randlos ausgeführt. Bei dem Apple Car von Vanarama handelt es natürlich nur um eine Idee, die nicht von Apple selbst kommt. Schließlich, und das lassen sich die Briten nicht nehmen, ist das Beispielfahrzeug als Rechtslenker ausgeführt. Aber es gibt dem Projekt endlich mal ein hochaufgelöstes Gesicht.

Apple holt Top-Personal

Auf dem Weg zum eigenen Auto wildert Apple immer wieder in den Personalrevieren der großen Autohersteller. Neu im Team der Amerikaner ist Ulrich Kranz. Der entwickelte bei BMW die Modelle i3 und i8 mit, wechselte dann zum E-Auto-Startup Faraday Future und gründete schließlich mit Canoo eine eigene E-Auto-Firma, die er Anfang des Jahres verlassen musste. Der 62-Jährige soll direkt an Doug Field berichten, der bei Apple das Elektroauto-Projekt leitet.

Zuvor hatte sich das Team aus Cupertino bereits die Dienste von Porsche-Entwickler Manfred Harrer gesichert. Der 48-jährige Harrer gilt als Fahrwerkspezialist und war bei Porsche zuletzt Baureihenleiter für den Cayenne.

Apple Car kann Größe ändern

Im April 2021 ist ein neues Patent aufgetaucht, das eine spannende Idee zeigt. Über ein gasgefülltes Kissen jeweils hinter Front- und Heckschürze soll das Auto in der Lage sein, seine Größe zu verändern. Um beispielsweise in kleine Parklücken zu passen, sollen die Stoßfänger eingefahren werden können, indem die Füllung aus den Kissen gelassen wird.

Damit andererseits Sicherheit und Aufprallschutz gewährleistet bleiben, blasen sich die Kissen vor Fahrtantritt wieder auf und fahren so die Stoßfänger aus. Natürlich meldet ein Konzern wie Apple jede Menge Patente an und nicht zwingenderweise finden alle davon in der Realität Anwendung. Aber eine spannende Idee wäre so ein "Formwandler" auf alle Fälle.

Ende der Verhandlungen

Bei der Suche nach einem Kooperationspartner hat Apple derzeit weniger Glück als mit der Ideenfindung. Wie der koreanische Autobauer Hyundai am Montag (8. Februar 2021) mitteilte, habe man die Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit Apple beendet. Vor knapp einem Monat hatte der Autobauer noch bestätigt, dass man sich mit Apple in Gesprächen zu den Themen Elektroautos und Batterien befände.

In koreanischen Zeitung Korea IT News hieß es seinerzeit, ein Partnerschaftsvertrag für den Bau von autonomen Elektroautos soll bis Ende März 2021 unterschrieben sein. Zudem spekulierte die Zeitung über eine Fertigung der Apple Cars bei der Hyundai-Tochter Kia in einem Werk im US-Bundesstaat Georgia. Zum Produktionsstart im Jahr 2024 sollen jährlich rund 100.000 Autos vom Band rollen. Später könnte die Jahreskapazität auf 400.000 Fahrzeuge hochgefahren werden. Ein erster Prototyp des Apple Cars soll bereits 2022 präsentiert werden. Sämtliche Infos aus den Medienberichten werden allerdings weder von Hyundai noch von Apple kommentiert.

Hyundai will kein Auftragsfertiger werden

Eine mögliche Kooperation zwischen dem Autobauer und Apple wurde innerhalb des Hyundai-Konzerns kontrovers diskutiert. Die Koreaner stehen traditionell Zusammenarbeiten mit externen Partner kritisch gegenüber. Sogar den Stahl für die eigenen Autos fertigt Hyundai innerhalb eines eigenen Lieferverbunds selbst. Die Tochter Kia habe zwar in seinem US-Werk noch Produktionskapazitäten frei, man wolle aber keinesfalls zum reinen Auftragsfertiger für Apple werden. An diesem Punkt sind nun wohl die Gespräche auch gescheitert.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte vor wenigen Tagen noch mit Bezug auf koreanische Medien gemeldet, dass bereits am 17. Februar 2021 eine Vereinbarung zwischen beiden Unternehmen unterzeichnet werden könnte. Zudem seien die Amerikaner bereit in den Produktionsdeal rund drei Milliarden Euro in die Hyundai-Tochter Kia zu investieren.

Viele Hinweise auf Apple-Car

Zuletzt heizte Apple im Sommer 2019 die Spekulationen um ein eigens entwickeltes Elektroauto wieder an, als der iPhone-Hersteller mit Michael Schwekutsch Teslas ehemaligen Entwicklungsleiter für Elektroantriebe eingestellt hatte.

Vor seiner Tätigkeit bei Tesla war Schwekutsch bei mehreren Autoherstellern angestellt und verantwortete dort unter anderem die Entwicklung der Elektro- und Hybridantriebe von BMW i8 und Porsche 918 Spyder sowie von Fiat 500eV und Volvo XC90. In Bereich der Elektromobilität besitzt der Manager also jede Menge Fachwissen, von dem jetzt anscheinend auch Apple profitieren möchte. Bei Apple erbeitet Schwekutsch in der "Special Project Group" – einer nicht näher bekannten Projektgruppe, die dem Namen nach zu urteilen an Produkten abseits des bestehenden Apple-Portfolios arbeitet.

Zuletzt schrumpfte Apple sein Autoteam. Nachdem bereits 2016 hunderte Entwickler vom Project Titan abgezogen wurden, verkleinerte der Tech-Riese Anfang 2019 das Team erneut um 200 Stellen. Dabei gab es sowohl Entlassungen, als auch firmeninterne Versetzungen. Einige der betroffenen Mitarbeiter arbeiten wohl künftig an Technologien zu maschinellem Lernen weiter.

Spekulationen zum Aus des geplanten Apple-Cars wurden zu diesem Zeitpunkt aber nicht bestätigt. Der Konzern sehe nach wie vor große Chancen und Möglichkeiten in autonomen Systemen, betonte ein Apple-Sprecher damals gegenüber CNBC. 2019 wolle sich Apple auf bestimmte Schlüsselbereiche fokussieren, weshalb manche Mitarbeiter aus dem Projekt in andere Unternehmensbereiche versetzt wurden.

Restrukturierung hatte sich bereits angekündigt

Mit der Wiedereinstellung des ehemaligen Tesla-Managers Doug Field im August 2018 hatt sich die Restrukturierung im Project Titan bereits angekündigt. Field arbeitete bis 2013 an der Entwicklung der Mac-Produkte und wechselte dann zum Elektroauto-Hersteller Tesla, wo er sich zum Chefingenieur entwickelte. Denkbar also, dass der erneute Umbau im Project Titan unter der Führung von Field initiiert wurde.

Über das Autoprojekt von Apple wird schon rund vier Jahren viel spekuliert. Von den ehemals über 1.000 Entwicklern, die sich mit dem Apple Car befassen sollten, haben bereits 2016 einige Hundert – darunter auch hochrangige Projektmanager – das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen und bei anderen Elektroauto-Startups angedockt. Statt eines eigenen Autos sollte ab diesem Zeitpunkt eine Software zum autonomen Fahren entwickelt werden. Mit dieser Software wollte sich Apple dann Kooperationspartner in der Autoindustrie suchen. Gerüchte, dass Apple mit BMW und Daimler einen Kooperationspartner suche, wurden aber bereits im Vorfeld dementiert. Eine Zeitlang wurde der i3 als Basis für ein autonomes Auto aus Cupertino gehandelt. Apple imponierte offenbar, dass BMW beim Bau eines Elektroautos mit dem i3 einen ganz neuen Weg gegangen ist. "Die haben uns immer wieder gesagt, wie mutig sie diesen Schritt finden", sagte ein hochrangiger BMW-Manager gegenüber auto motor und sport.

Übernahme von Drive.ai

Im Sommer 2019 hatte Apple zudem das auf autonomes Fahren spezialisierte US-Startup Drive.ai übernommen und Medienberichten zufolge "Dutzende" der Mitarbeiter angeheuert – hauptsächlich aus den Bereichen Entwicklung und Produkt-Design.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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