BMW OS7 Remote-Update: Neue Funktionen aus dem Internet für 750.000 BMW

BMW OS7 Remote-Update: Neue Funktionen aus dem Internet für
750.000 BMW
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BMW OS7 Remote-Update: Neue Funktionen aus dem Internet für 750.000 BMW

© BMW

Alle sprechen vom Smartphone auf Rädern, beim BMW funktionieren die Software-Updates "Over the Air" (OTA) tatsächlich. Das neueste Update fürs Betriessystem OS7 verbessert unter anderem den digitalen Assistenten und Android Auto.

Mit dem Start des Betriebssystems OS7 machte BMW 2018 einen großen Schritt – zumindest für einen Autohersteller. Denn OS7, das seit der Premiere im X5 in allen neuen Modellen (1er, 2er, 3er, neuer 5er, 7er, 8er, X5, X6, X7, Z4) zum Einsatz kommt, kann "Over the Air" (OTA) mit Updates versorgt werden. Wichtig: Die Aktualisierungen betreffen nicht nur das Infotainment-System, sondern das gesamte Fahrzeug. Während die BMW-Entwickler zu Beginn noch recht zaghaften Gebrauch von dieser Möglichkeit machten und etwa die schwarz-weißen Icons im Infotainment gegen farbige tauschten, folgt ab dem 19. Oktober 2020 bereits das zweite große Update im Jahr 2020. Es betrifft weltweit über 750.000 Fahrzeuge und ist laut BMW das bislang größte und umfangreichste Upgrade.

Wie beeindruckend dieser Schritt ist, zeigt ein Blick zur Konkurrenz: Mercedes kündigte kurzlich an, mit dem IT-Giganten und Chiphersteller NVIDIA zu kooperieren, unter anderem um das Fahrzeug künftig vollumfänglich drahtlos mit Updates zu versorgen. Los gehen soll es bei den Schwaben mit der neuen E-Klasse – allerdings erst in vier Jahren.

Softwareupdate übers Internet

Bei BMW folgt aber schon jetzt der nächste Streich mit einem noch umfangreicheren Update, das bei BMW Remote Software Upgrade heißt, kurz RSU. Für das Update ist weder ein Werkstatttermin noch ein langwieriger Installationsprozess nötig. Es wird über die serienmäßig verbaute SIM-Karte des Infotainmentsystems aus dem Internet heruntergeladen und kündigt sich per Push-Nachricht im Fahrzeug oder in der BMW App an.

Viele der Neuerungen basieren dabei auf dem Navigationssystem, einem längst totgeglaubten Terrain für Autohersteller, und sollen den Autofahrern einen echten Mehrwert bieten:

  1. Das Navi in BMWs mit OS7 berechnet die Routen nach dem Update cloudbasiert, was laut BMW deutliche Geschwindigkeitsvorteile bringt. Points-of-Interests (POI) erhalten zusätzliche Kontextinformationen zu Öffnungszeiten und Bilder. Außerdem wurde die Zieleingabe maßgeblich überarbeitet.
  2. Android Auto, lange Zeit für BMW-Kunden gar nicht erhältlich, funktioniert nach dem Update drahtlos ohne USB-Kabelverbindung. Navigationshinweise von Google Maps werden im Info Display und Head-up Display angezeigt.
  3. eDriveZones ist für BMW-Plugins, die damit beim Einfahren in Umweltzonen automatisch in den elektrischen Fahrmodus wechseln können. Derzeit sind bereits in über 90 europäischen Städten eDrive Zones verfügbar.
  4. Connected Parking hilft bei der Parkplatzsuche und berücksichtigt nach dem Update auch die Größe des Fahrzeugs beim Abgleich mit der Parkplatzsituation vor Ort.
  5. Der digitale BMW-Assistent bekommt ein neues und emotionaleres Erscheinungsbild und kann zwischen Fahrer und Beifahrer unterscheiden. Zusätzlich werden neue Sprachbefehle hinzugefügt. So lassen sich nach dem Update per Sprachbefehl die Fensterheber bedienen, die Fahrmodi wechseln oder Hinweise zu effizienterem Fahren einholen.

On-Demand-Dienste sollen Gebrauchtwagen attraktiver machen

Generell gilt aber: Die Hardware gerät ins Hintertreffen. Denn neben den neuen Features der aktuellsten OS7-Version verrät BMW auch, wie die zukünftige Strategie des Unternehmens aussieht. Im Vordergrund stehen dabei vor allem On-Demand-Dienste, also Optionen, die nachträglich, befristet oder testweise freigeschalten werden können. Dabei setzten die Marketingstrategen aber nicht nur auf Funktionen, die durch bessere Programmierungen oder Verlagerung in die Cloud möglich werden, sondern auch von Sonderausstattungen wie die Sitzheizung oder den Fernlichtassistenten, die beim Neuwagenkauf auch ohne Bestellung verbaut, aber nicht freigeschalten sind. Auf diese Weise sollen die Autos langlebiger gemacht werden und attraktiver für den Gebrauchtmarkt.

Abzuwarten ist dabei, welche Bezahlmodelle BMW wählt. Denn mit kostenlosen Updates lässt sich kein Geld verdienen. Aus diesem Grund versuchte der Hersteller bereits vor einigen Monaten erste Gehversuche in Sachen Function on Demand und heimste harsche Kritik ein. Damals bot er seine Smartphone-Integration Apple Car Play in der Erstausstattung nur befristetet an. Wollten die Kunden den Dienst weiter nutzen mussten Sie noch einmal Bezahlen und konnten erst ab dem dritten Jahr die zeitlich unbegrenzte Lizenz für 400 Euro buchen.

Ob die Kundschaft bei der Sitzheizung eher bereit ist, bereits bezahlte Funktionen erneut zu kaufen, ist fraglich. Zumal auf Rückfrage von auto motor und sportaktuell noch nicht geplant ist, gekaufte Funktionen über das BMW-Nutzerkonto auch auf andere Fahrzeuge zu übertragen. Wechselt der Wagen also den Besitzer, ist er wieder nackt wie die Serienausstattung und beim neuen Fahrzeug muss dieselbe Funktion zum wiederholten Mal gekauft werden.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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