Brandenburger Tesla-Fabrik soll halbe Millionen Autos bauen

Tesla Gigafactory
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Tesla Gigafactory

© Tesla

500.000 Autos möchte Tesla ab 2021 jährlich in seinem neuen Brandburger Werk bauen. Außerdem steht jetzt fest, welche Fertigungsanlagen nach Grünheide am Rand von Berlin kommen.

Das Tesla in seinem neuen Brandenburger Werk die beiden Modelle Model 3 und Model Y bauen möchte, hat der Elektroautobauer jetzt in einer Bekanntmachung im Brandenburger Amtsblatt bekräftigt. Außerdem stellt Tesla den Bau von jährlich einer halben Millionen Fahrzeuge in Aussicht – das entspricht dem geplanten Ausstoß der gerade fertiggestellten Gigafactory 3 in Shanghai. Der Produktionsstart in Grünheide ist bereits für den Juli 2021 vorgesehen.

In der Fabrik sollen eine Batteriefertigung, ein Presswerk, eine Gießerei, ein Karosseriebau, eine Lackiererei, eine Sitzproduktion und eine Kunststoffverarbeitung arbeiten. Außerdem entstehen in der Gigafactory 4 Antriebe, die Endmontage der Fahrzeuge erfolgt ebenfalls vor Ort. Zusätzlich gibt es ein zentrales Versorgungsgebäude und eine Abwasserbehandlungs-Anlage.

Auf seiner Website bezeichnet Tesla die Fabrik als „Gigafactory Berlin“ – die Gemeinde Grünheide liegt Luftlinie nur drei Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Der amerikanische Elektroautobauer sucht mithilfe der Website bereits 30 Fachkräfte für sein neues deutsches Werk. Die Brandenburger Landesregierung hofft auf bis zu 8.000 Tesla-Arbeitsplätze.

Gegen drei Mitbewerber durchgesetzt

Der Standort im brandenburgischen Grünheide (südöstlich von Berlin) war bereits zusammen mit Emden, Dörpen im Emsland sowie einer Location an der Grenze zu den Benelux-Staaten in der engeren Auswahl. Dort sollte auch schon einmal BMW-Werk entstehen.

Das Bundesland Brandenburg und Tesla haben sich nun auf den Kaufvertrag für das Grundstück geeinigt. Wie die Staatskanzlei am 20. Dezember 2019 mitteilte, stehe der Kaufvertrag. Der Vertrag müsse noch vom Tesla-Vorstand genehmigt werden. Außerdem seien die Antragsunterlagen für die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beim Landesamt für Umwelt eingetroffen. Auch der Haushaltsausschuss des Landtags muss dem Grundstücksverkauf noch zustimmen. Angaben über den Preis gibt es nicht.

Deutsche Gigafactory schafft neue Arbeitsplätze

In der deutschen Gigafactory sollen ab 2021 neben Batterien und Antriebssträngen auch das neue Model Y sowie das Model 3 gebaut werden. Der dpa zufolge könnte das Werk, das vom ersten Quartal 2020 an in mehreren Ausbaustufen errichtet werden soll, bis zu vier Milliarden Euro kosten. Einen Antrag auf staatliche Förderung hat Tesla bereits gestellt. Laut „Bild am Sonntag“ könnten Subventionsgelder von etwa 300 Millionen Euro fließen – vorausgesetzt, die EU segnet dies ab. Wie die Landesregierung Brandenburgs mitteilte, sollen in einem ersten Schritt 3.000 Arbeitsplätze entstehen; im fertigen Werk sollen bis zu 10.000 Menschen arbeiten. Ob das Tesla-Werk allerdings so schnell kommt, wie geplant ist nicht gesichert. Wie RBB24 Anfang Dezember meldet, warnt der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) vor allzu großen Erwartungen an die Neuansiedlung des Autobauers Tesla in Grünheide. Das Genehmigungsverfahren sei noch lange nicht abgeschlossen. 50 Prozent des Weges habe man mit dem Genehmigungsverfahren noch vor sich. Vom Baubeginn sei man aber noch ein ganzes Stück entfernt, sagte Steinbach.

Neben der Gigafactory plant Musk auch ein Design- und Entwicklungszentrum „Brain“ in Berlin. Erste Grundstücke sollen schon gesucht werden. Die Standort-Wahl für den Ort im Kreis Oder-Spree begründete der Elektroautopionier mit der „ außergewöhnlichen Qualität deutscher Ingenieurskunst“ und ließ sich zu einem kleinen Seitenhieb auf den verzögerten Bau des Hauptstadtflughafens hinreißen: „Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen“.

Das Vorbild: die Gigafactory in Shanghai

Die Gigafactory 4 dürfte ähnliche Dimensionen wie das Werk in Shanghai, das innerhalb von einem Jahr gebaut wurde, aufweisen. Hier laufen zunächst jährlich 150.000, später 500.000 Fahrzeuge vom Band. Die Verhandlungen über den Bau der Fabrik in Brandenburg wurde erst kurzfristig schriftlich besiegelt: am Dienstag bei einem Treffen zwischen Musk und dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Eine Jahresproduktion von bis zu 500.000 Elektroautos wird auch am deutschen Standort angepeilt. Der gesamte Komplex soll eine Fläche von 420 Fußballfeldern, beziehungsweise 865.650 Quadratmetern einnehmen, wie auch einem Artikel der „Bild“ hervorgeht.

Dr. Jan Burgard, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors: „Elon Musk hat mal wieder alle überrascht: Während uns die deutsche Autoindustrie mit Meldungen zu Sparmaßnahmen eindeckt, verkündigt Musk massive Investitionen in Deutschland. Der weiße Ritter der E-Mobilität betritt sozusagen den Kampfplatz der deutschen OEM, um sich ihnen vor dem eigenen Burgtor zum Duell zu stellen. Diese Furchtlosigkeit verdient Hochachtung, auch wenn ich mich frage, wo das Geld für Factory herkommt. Die Standortwahl nahe Berlin ergibt aus meiner Sicht absolut Sinn, denn natürlich ist die Hauptstadt in vielerlei Hinsicht attraktiv, auch wegen der Start-up-Mentalität, die dort so ausgeprägt ist, wie nirgends sonst in Deutschland.“

Weltweit möchte Musk zehn bis zwölf Fabriken nach dem Vorbild der Tesla Gigafactory 1 im US-Bundesstaat Nevada bauen. Die Gigafactory 1 ließ Elon Musk in Kooperation mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic seit 2014 errichten, 2020 soll der Bau abgeschlossen sein. Die Fabrik produziert bereits während ihrer Bauzeit Batterien. Bei höchster Auslastung soll die Produktionsstätte Akkus mit einer Gesamtspeicherkapazität von 35 Gigawattstunden ausstoßen – dies wäre mehr als eine Verdopplung der aktuell weltweiten Batterieproduktion. Die Herstellung von Batterien gilt momentan als Flaschenhals bei der Serienproduktion von Tesla-Elektroautos.

Deutschland als gefragter Standort

Tesla ist in Deutschland bereits mit einem kleineren Produktionsstandort vertreten: Am 3. Januar 2017 übernahmen die Amerikaner den in Prüm (Rheinland-Pfalz) ansässigen Zulieferer Grohmann Engineering. Der in „Tesla Grohmann Automation“ umbenannte Maschinenbauer betreibt wiederum weitere Standorte im bayerischen Neutraubling, in Chandler im US-Bundesstaat Arizona und in Shanghai. Das Unternehmen hat das Produktionssystem für den Tesla Model 3 erstellt und baut Montagemaschinen zur Fertigung von Batteriezellen und Batteriemodulen. Mit der Übernahme durch Tesla war der Hersteller gezwungen, seine sämtlichen bestehenden Geschäftsbeziehungen zu mit Tesla konkurrierenden Herstellern wie BMW und Daimler abzubrechen.

In Sachen Zulieferer arbeitet Tesla ohnehin schon lange eng mit deutschen Unternehmen zusammen. So kommen wichtige Bauteile von Bosch (Stuttgart), Brose (Coburg), ZF (Friedrichshafen), Continental (Hannover), Elektrobit (Erlangen) und selbst Autobauer Daimler liefert Komponenten an seinen Konkurrenten.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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