Honda HR-V Sport (2019) im Fahrbericht

Fahrbericht, Honda HR-V Sport 1.5 VTEC Turbo
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Fahrbericht, Honda HR-V Sport 1.5 VTEC Turbo

© Manuel Portugal

In der überbevölkerten Welt der Kompakt-SUV galt der Honda HR-V bislang als unterschätzter Geheimtipp. Mit dem 182 PS starken 1.5 VTEC Turbo und weiteren sportlichen Extras wollen die Japaner ihr solides Gesamtpaket nun mehr ins Rampenlicht rücken. Wir haben den Sportler erstmals gefahren.

Bereits die Standard-Version des Honda HR-V macht eigentlich nicht viel falsch – ganz im Gegenteil sogar. Die zweite Generation des auf der Jazz-Plattform basierenden HR-V begeistert und überrascht seit ihrer Einführung im Jahr 2015 regelmäßig Tester, die vor allem die solide Verarbeitung und die pragmatischen Ideen im Inneren positiv anmerken. Gleichsam wird in regelmäßigen Abständen ein reizvoller Einstiegspreis um die 21.000 Euro herum gelobt. Doch trotz mittlerweile über 93.000 verkaufter Exemplare in ganz Europa konnte sich der HR-V im Vergleich zu Segment-Konkurrenten wie dem Opel Mokka oder dem Renault Captur hierzulande nie so richtig in Szene setzen.

Daran konnte bislang auch das Facelift aus dem letzten Herbst kaum etwas ändern, welches hauptsächlich am Exterieur ansetzte. So entspricht hauptsächlich die Front mit ihrer hochglänzenden Chromspange nun der neuen Designlinie. Aber auch im Innenraum kam es zu einigen Änderungen – beispielsweise in der Form einer umfangreich verbesserten Geräuschdämmung und Anpassungen bei den Materialien.

Im Nachgang zu dieser Auffrischungskur hat Honda seinem HR-V nun noch eine Sport-Version mit einem Startpreis von 29.990 Euro spendiert, die unter anderem mit dem aus dem Civic bekannten 1.5-VTEC-Turbo-Direkteinspritzer erhältlich ist. Im Vergleich zur Standard-Motorisierung (1.5 i-VTEC mit 130 PS und 155 Nm maximalen Drehmoment) steht dem Fahrer dank 182 PS und 240 Nm durch diese Option deutlich mehr Leistung zur Verfügung. Doch rechtfertigt das einen Aufpreis von über 8000 Euro hinsichtlich der Basislinie Comfort (21.590 Euro)?

Marschieren statt Spurten

Schon auf den ersten Metern der Testfahrt zeigt der Honda HR-V Sport, wo seine Kernkompetenzen liegen sollen. Geschmeidig und überraschend leise rollt der Kompakt-SUV von seinem Startpunkt in einem engen Flughafenparkhaus weg und fügt sich zügig in den rasch vorbeiziehenden Verkehr ein. Besonders das hier getestete, traditionell knackige Sechsgang-Getriebe (CVT-Automatik mit Schaltwippen für 1300 Euro bestellbar) zeichnet sich schnell und nachhaltig im engen Stop-and-Go der ersten Welle der Rush Hour aus. Großes Rühren im Getriebe? Fehlanzeige! Stattdessen zackige und präzise Gangwechsel.

Der erste zügige Ampelstart zeigt dann aber plötzlich ein etwas anderes Bild vom Japaner mit Sportcoupé-Ambitionen. Vor allem zu Beginn lässt sich die Maschine nur mit gehörigem Nachdruck zu einem fixen und röhrigen Sprint überzeugen. Doch kaum sind die ersten zwei Gangwechsel vollzogen und eine gewisse Reisegeschwindigkeit erreicht, kommt der SUV ins Marschieren und rollt konsequent durch den Verkehr. Vor allem auf Autobahnabschnitten weiß der Fahrer diese Seite schnell zu schätzen – erst recht, wenn er sich sicher sein kann, dass er dank des stärkeren Motors oben heraus noch ein paar Körner in petto hat. Als kleiner Spaßverderber auf mehrspurigen Straßen zeichnet sich indes der etwas übereifrige Spurhalteassistent aus, welcher aber auf Wunsch ausgestellt werden kann.

Gelungener Kompromiss zwischen Abstimmung und Komfort

Doch nicht nur auf städtischen Straßen und Autobahnen kann sich der Honda HR-V Sport beweisen. Selbst enge und hüglige Kurven nimmt der kategorische Fronttriebler schwungvoll und ohne viel Nachkorrigieren. Trotz der genretypischen höheren Position! Und auch stark unebene Straßen werden vom sportlich-hart abgestimmten Fahrwerk überraschend gut geschluckt. Dies kann auf die Performance-Dämpfer des HR-V Sport zurückgeführt werden, die zusammen mit dem variablen Lenksystem (VGR) für viel Fahrspaß sorgen – wenn es nicht gerade längere Strecken über ein Kopfsteinpflaster geht.

Ein weiterer positiver Charakterzug des HR-V Sport ist sein guter Verbrauch. Während unserer mehrstündigen Testfahrten über Stadt und Land meldete das System durchschnittliche Werte zwischen sieben und acht Litern je hundert Kilometer. Im alltäglichen Fahrbetrieb sind Verbräuche im Bereich von sechs Litern also durchaus vorstellbar: Im Sportler steckt somit ebenfalls ein kleiner Sparer. Ein weiteres Kaufargument aus der Kategorie Vernunft ist das umfangreiche Paket an Sicherheitsassistenten, das neben einem City-Notbremsassistenten auch umfassende Einparkhilfen, einen intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzer, Kollisionswarner und viele weitere kluge Helfer enthält. Selbige sind aber bereits ab den mittleren Ausstattungsvarianten serienmäßig erhältlich.

Cleverer Innenraum

Wie für Honda typisch haben sich die Entwickler für den HR-V-Innenraum etliche pragmatische Lösungen überlegt, die natürlich auch ihren Weg in die Sport-Variante gefunden haben. So kann selbst bei ihr fröhlich im Bereich der hinteren Sitze, im Honda-Sprech „Magic Seats“ genannt, umgebaut werden. Neben dem klassischen Umklappen der zweiten Reihe sind ihre Sitzflächen zusätzlich wie im Kino nach oben verschiebbar, wodurch sich hinter der ersten Reihe eine solide Zusatzladefläche zum Kofferraum erschließt. Zusammen mit den bis zu 470 Liter Ladevolumen im Heck ist der HR-V Sport im Vergleich zur Konkurrenz damit ein kleines Stauraumwunder.

Ebenfalls praktisch ist die kleine Ladestation am vorderen Ende der Mittelkonsole, die schräg unterhalb der Schaltung die beiden Fußräume miteinander verbindet. In dieser geschützten Ablagefläche haben mehrere Handys Platz, welche durch Einkehrbungen nicht so schnell ins Rutschen geraten und immer in der Nähe der Anschlüsse verbleiben.

Ein kleiner Wermutstropfen des stilvoll in Schwarz und Rot gehaltenen Armaturenbretts war jedoch das Infotainment auf Android-Basis, das etwas aus der Zeit gefallen wirkt. Vor allem die Navigation ließ häufiger zu wünschen übrig und wird nicht wenige dazu bringen, zornig ihr darunter aufgeladenes Handy zu zücken.

Technische Daten:

HR-V 1.5 VTEC Turbo

Leistung: 134 KW (182 PS)
Drehmoment (bei U/min): 240
Höchstgeschwindigkeit:215 km/h
Grundpreis:29.990 €

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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