China will, dass auch E-Autos sparsam werden
Ab 2026 gelten in China neue Maximalverbrauchs-Vorschriften für Elektro-Autos. Das wird auch Auswirkungen auf den europäischen Markt haben.
Der Verbrauch von Elektroautos war bislang ein Wert, der (Stichwort Reichweite) vor allem für Autokäufer von Bedeutung war. Von staatlicher Seite gab es keine Limits oder Auflagen – bis jetzt. In China wird ab 2026 ein neuer Maximalverbrauch festgelegt. Modelle, die darüber liegen, fallen aus der staatlichen Förderung und werden damit unverkäuflich. Die neue Regelung ersetzt ein bisheriges Regelwerk, das lediglich als Empfehlung galt.
Der Standard legt verbindliche Obergrenzen für den Stromverbrauch fest, gestaffelt nach Leergewicht und technischen Merkmalen der Fahrzeuge. Grundlage der Grenzwerte sind Auswertungen zum aktuellen Verbrauchsniveau rein elektrischer Pkw in China. Gegenüber der bisherigen Empfehlung verschärft die neue Vorgabe die zulässigen Verbrauchswerte um rund elf Prozent.
Sieben Prozent mehr Reichweite
Für Fahrzeuge mit einem Gewicht von zwei Tonnen sieht der neue Standard beispielsweise einen maximalen Stromverbrauch von 15,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometer vor. Nach Angaben chinesischer Behörden sollen Fahrzeuge mit gleicher Batteriekapazität nach der hierfür nötigen Überarbeitung im Durchschnitt rund sieben Prozent mehr Reichweite erzielen. Die Regelung bezieht sich ausschließlich auf batterieelektrische Pkw. Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender (REV) sind davon nicht erfasst. Die erwarteten Reichweitengewinne sollen aus Effizienzverbesserungen auf Systemebene resultieren (also Effizienzgewinne bestehender Technik oder auch neue, sparsamere Motoren) und nicht aus größeren Batterien. Eine Stoßrichtung, die auch der neue Mercedes CLA (siehe Test) einschlägt.
Mit Inkrafttreten der Vorgabe müssen Hersteller neu produzierte Modelle entsprechend anpassen. Fahrzeuge, die die Grenzwerte nicht einhalten, gelten als nicht konform. Parallel wird der neue Effizienzstandard in das System der steuerlichen Förderung integriert. Für die Jahre 2026 und 2027 haben das Industrieministerium, das Finanzministerium und die Steuerbehörde technische Mindestanforderungen festgelegt, die für eine Befreiung von der Kaufsteuer erfüllt sein müssen. Reine Elektro-Pkw erhalten diese Vergünstigung nur noch, wenn sie die neuen Verbrauchsgrenzen einhalten.
Modelle, die bis Ende 2025 im chinesischen Verzeichnis der steuerbegünstigten Fahrzeuge geführt werden und die aktualisierten Vorgaben erfüllen, sollen in das Verzeichnis für 2026 übernommen werden. Fahrzeuge ohne Konformität können aus dem Katalog gestrichen werden. Im selben Maßnahmenpaket werden auch die technischen Schwellen für Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit REV-Technik angehoben, unter anderem durch höhere Anforderungen an die elektrische Mindestreichweite.
Bereits im Juli hatten mehrere chinesische Behörden angekündigt, Standards für Energieverbrauch und Batterierecycling zügiger einzuführen. Die nun festgelegte Verbrauchsnorm setzt diesen Ansatz um und tritt zum Jahresbeginn 2026 in Kraft. Große Hersteller wie BYD oder Geely verfügen nach Behördenangaben bereits über zahlreiche Modelle, die die neuen Grenzwerte erreichen. Für andere Fahrzeuge, insbesondere in höheren Gewichtsklassen, werden technische Anpassungen oder im Extremfall das Produktionsende die Folge sein.
Die Verbrauchsangabe muss allerdings im Vergleich gesehen werden. In China basiert die Verbrauchsnorm auf dem sogenannten CLTC-Zyklus, dem China Light-duty Vehicle Test Cycle. Dieser Fahrzyklus wurde aus realen chinesischen Verkehrsdaten abgeleitet und ist im Vergleich zum europäischen WLTP deutlich weniger dynamisch. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei rund 29 km/h, die Höchstgeschwindigkeit bei 114 km/h, die Beschleunigungen sind moderat, und der Anteil von Stop-and-Go-Phasen ist hoch. Der Zyklus dauert länger als der europäische WLTP, bleibt aber überwiegend in einem Lastbereich, der für Elektroantriebe energetisch günstig ist.
Die China-Norm ist freundlicher
In Europa ist der WLTP-Zyklus die maßgebliche Messgrundlage. Der WLTP ist dynamischer, mit stärkeren Beschleunigungen, einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 46 km/h und einer Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h. Zudem enthält er einen höheren Autobahnanteil und stärkere Lastwechsel. Für Elektroautos führt das regelmäßig zu höheren gemessenen Verbrauchswerten und geringeren Normreichweiten als im chinesischen CLTC. Eine exakte Umrechnung zwischen CLTC und WLTP ist zwar nicht möglich, es gibt aber inzwischen genügend Vergleichsdaten aus chinesischen und in Europa angebotenen Modellen, um eine belastbare Größenordnung anzugeben. Ein CLTC-Grenzwert von 15,1 kWh pro 100 km entspricht demnach im WLTP ungefähr einem Bereich von rund 17,5 bis 19,0 kWh pro 100 km.
Die neuen Verbrauchsvorschriften werden sich auch auf das Angebot in Europa auswirken. China gilt als weltweit mit Abstand größter Markt für Elektroautos, weshalb die dort geltenden gesetzlichen Standards praktisch alle Modelle chinesischer und "westlicher" Hersteller betreffen, die sowohl in China als auch im Rest der Welt angeboten werden.
