Microlino trennt sich von Artega

Microlino (2018)
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Microlino (2018)

© Microlino

Einigung im Kabinenroller-Streit: Artega und Microlino trennen sich. Artega darf den Karo verkaufen, Microlino will 2021 in den Markt starten.

Kommt er nun, oder kommt er nicht? Seit der Kickboard-Hersteller Micro auf dem Genfer Autosalon einen Prototypen des Isetta-ähnlichen Elektro-Kleinstwagens Microlino gezeigt hatte, wurde der Serienstart immer wieder verschoben. Zuletzt sollte die Serienfertigung 2020 in Delbrück beginnen. Daraus wird nun wieder nichts. Die Produktion soll 2021 beginnen. Allerdings nicht bei Artega in Delbrück, sondern bei einem neuen Produktionspartner in Italien.

Artega und Micro einigen sich auf Trennung

Artega und Micro haben sich nach einem monatelangen Rechtstreit außergerichtlich geeinigt: „Die Unternehmen gehen per sofort getrennte Wege“, erklärt Micro in einer Pressemitteilung. Die Einigung sei schon im November 2019 zustande gekommen.Artega darf seinen eigen en Kabinenroller „Karo“ auf den Markt bringen. Damit können beide Firmen einen Elektro-Kleinstwagen im Isetta-Look vertreiben. Wer zuerst auf den Markt kommt, ist noch nicht klar; Microlino will die Produktion 2021 starten. Bis dahin sollen fahrverhalten, Sicherheit und Qualität der 22 Vorserienfgahrzeuge verbessert werden. Neuer Entwicklungsparter ist die italienische Firma CECOMP, die unter anderem das Elektroauto Bluecar entwickelt und produziert hatte. Das Bluecar wurde bis Sommer 2018 in Paris als Sharingauto angeboten; es gab auch Kauf- und Mietoptionen.

Micro hat im September außerdem Peter Müller als Cheftechniker eingestellt. Müller war unter anderem bei BMW und Porsche im Vorstand tätig und soll helfen, den Microlino zur Serienreife zu bringen.

Artega übernahm Microlino-Partner TMI

Artega hatte im Herbst 2018 den Microlino-Entwicklungspartner TMI übernommen. In der Folge sollte der Elektro-Kleinstwagen überarbeitet und serienreif gemacht werden. Artega hatte in die Produktion etwa drei Millionen Euro gesteckt und angekündigt, 50 Arbeitsplätze zu schaffen. Pro Jahr sollen in Delbrück jährlich 8.000 Fahrzeuge gefertigt werden. Nach bisheriger Planung sollte 2021 das erste Jahr sein, in dem tatsächlich 8.000 Microlino aus der Halle rollen. Der Umzug der Produktion von Italien nach Deutschland und die Übergabe von Tazzari zu Artega hätten den Start der Produktion verzögert, wie Microlino-COO Oliver Ouboter erklärte. Nach der ursprünglichen Planung hätte die Produktion Anfang 2018 beginnen sollen, dann solten im Januar 2019 die ersten Microlino in Delbrück entstehen. Doch zunächst gab es Streit über die Qualität, anschließend über die Frage, ob Artega einen eigenen Elektro-Kleinstwagen mit dem Namen Karo bauen und verkaufen darf.

450 kg leichter Zweisitzer

Der Microlino ist 2,40 Meter lang und wiegt ohne Batterie 450 Kilogramm. Er ist als L7e eingestuft und muss darum keine Crashtests bestehen. Laut Hersteller besteht er trotzdem einen Crashtest mit 50 km/h. Anders als die Original-Isetta hat der Microlino eine Heckklappe. Dahinter ist Platz für einen 300 Liter großen Kofferraum. Der Zweisitzer hat einen 15 kW starken Motor mit 110 Nm Drehmoment. In fünf Sekunden soll er aus dem Stand auf 50 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 90 km/h begrenzt. Den Einstiegspreis gibt Microlino mit „rund 12.000 Euro“ an.

120 bis 215 km Reichweite

Zwei Batteriegrößen gibt es: Die kleine Variante mit 8 kWh kommt 120 Kilometer weit und lädt mit Typ-2-Stecker in einer Stunde von null auf 80 Prozent. Mit dem größeren 14,4-kWh-Akku kommt der Microlino bis zu 215 km weit. Je nach Anschluss lädt der Akku in zwei bis sechs Stunden von leer auf 80 Prozent.

Platz für zwei Personen

Der Einstieg in den zweisitzigen Microlino gelingt durch die weit öffnende Tür an der Front überraschend problemlos. So, als ob es ganz normal und alltäglich war, ein Auto von vorne zu entern. In der modernen Kugel kauert selbst der 1,92 Meter große Autor dieser Zeilen einigermaßen kommod, zumindest Kurzstrecken lassen sich auch zu zweit auf der überraschend bequemen Sitzbank abreißen. Die wenigen Bedienelemente sind in der Fronttür eingelassen, die Pedale stehend aufgrund des engen Baumraums aber für große Menschen recht nah. Stark angewinkelte Knie sind die Folge.

Prototyp 2016 in Genf

Ganz neu ist der Microlino nicht, der Scooter- und Kickboard-Hersteller-Micro hatte 2016 einen Prototypen auf dem Genfer Autosalon gezeigt und nach eigenen Angaben 500 Reservierungen erhalten. Bei der Entwicklung kooperierte Micro mit der Fachhochschule ZHAW und Designwerk. Zunächst hatte Micro sogar eine alte Isetta elektrifiziert.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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