Neue Mercedes C-Klasse (W 206) - Mitfahrt: Kein Stern auf der Haube, aber Hinterradlenkung

Neue Mercedes C-Klasse (W 206) - Mitfahrt: Kein Stern auf der
Haube, aber Hinterradlenkung
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Neue Mercedes C-Klasse (W 206) - Mitfahrt: Kein Stern auf der Haube, aber Hinterradlenkung

© Dieter Rebmann/Mercedes-Benz

Wenn die Prototypen rund um Stuttgart nur noch mit leichter Tarnung unterwegs sind, ist die Weltpremiere nicht mehr weit. Wir dürfen ein paar Wochen vor der Vorstellung in der neuen Mercedes C-Klasse mitfahren. Na dann los.

Vielleicht muss man tatsächlich mitunter Ballast über Bord befördern, um Raum für Innovationen zu schaffen, mal richtig neu zu beginnen. Das gilt sicher auch für die neue Mercedes C-Klasse der Baureihe W206, die Ende Februar 2021 an den Start geht. Unter anderem sind das die aktuell noch verfügbare optionale Luftfederung (Air Body Control), die Sechszylinder-Motoren oder der aufrechte Stern auf der Haube.

Mehr Radstand, gleiche Länge

Beides wird es bei der neuen C-Klasse nicht mehr geben. Doch der Reihe nach. Denn nun steht der W206 zu einer ausgiebigen Mitfahrt zur Verfügung. Da ist sie also, die neue C-Limousine, in mattgrauen Lack gehüllt und vorn wie hinten mit einem Hauch von Tarnfolie beklebt. Ein stattliches Auto, das kann man trotz der Tarnung erkennen. Und größer wirkt sie, dabei ist der Radstand lediglich um 25 Millimeter auf 2.865 Millimeter gewachsen. Doch die Außenlänge bleibt bei rund 4,75 Metern. Wir stehen im Hof des Mercedes-Markenlabors in Neuhausen auf den Fildern.

So gesehen kann es ein Zufall sein, dass eine neue S-Klasse, Baureihe W223, ein paar Meter entfernt parkt. Die Ähnlichkeiten sind sehr offensichtlich. Doch die C-Klasse wirkt etwas sportlicher, gedrungener. Zu dem Eindruck tragen die Powerdomes auf der Motorhaube bei, zwei Erhebungen, die andeuten, dass unter der Haube einiges los ist. Und die im Übrigen alle Motorversionen des W206 auszeichnen wird.

Eine Charakterlinie teilt den Wagenkörper und verbindet spannungsvoll LED-Lampen vorn mit den Rückleuchten. Der Prototyp ist ein AMG-Line, der Grill versteckt sich hinter einem mattschwarzen Gitter. LED-Leuchten gibt es ebenso am Heck, ihr endgültiges Design lässt sich unter Folie nur erahnen.

Erster Eindruck von der Mitfahrt

Fahrversuchsleiter Christoph Kühner bittet in den Wagen, auf die Beifahrerseite, denn selbst fahren dürfen wir diesmal noch nicht. Rund vier Millionen Kilometer hat der Mercedes-Fahrversuch insgesamt mit den Prototypen des W206 in den vergangenen eineinhalb Jahren zurückgelegt, entsprechend gut kennt er den Wagen.

"Das ist ein C 300-Benziner mit 4Matic"; erklärt der Ingenieur. Für Vortrieb sorgt hier der neue Vierzylinder der Motorenfamilie M254, 190 kW oder 258 PS stark, die vorläufige Top-Motorisierung der C-Klasse. Später sollen die ebenfalls vierzylindrigen AMG-Versionen C43 und C63e mit deutlich mehr Leistung folgen. Wie bei allen Ausführungen des W206 verfügt auch der C 300 über 48-Volt-Bordnetz und einen integrierten Startergenerator. Die 15-kW-E-Maschine sitzt im Neungang-Automatikgetriebe, was unter anderem für geschmeidige Start/Stopp-Funktionalität sorgt.

Vierzylinder-Motoren ab 170 PS

Das zeigt uns Kühne in der erste Ortsdurchfahrt. Der Übergang von anrollendem E-Motor zu startendem Vierzylinder-Verbrenner ist praktisch nicht spürbar, die Limousine rollt leise und verzögerungsfrei durch den Kreisverkehr. Das bekommen nicht alle Premiumkonkurrenten so sämig hin. Das gleiche System kommt auch in den etwas leistungsschwächeren Varianten C 180 (125 kW/170 PS) und C 200 (150 kW/204 PS ) mit dem 1,5-Liter großen M264-Benziner zum Einsatz.

Diesel wird es selbstverständlich ebenfalls geben. "Der bleibt wichtig für unsere Kunden in Deutschland und Europa". weiß Kühner. Immerhin wurde rund ein Viertel der insgesamt über zehn Millionen Mercedes W201 bis 205 auf dem heimischen Markt abgesetzt. Die Diesel erhalten den neuen Oelmotor (Mercedes-Jargon) OM 654 – inklusive der Plug-in-Version C 300 de. Die wird Ende des Jahres an den Start gehen. Und bleibt vermutlich ein Mercedes-Alleinstellungsmerkmal.

Eine flott gekurvte Landstraße öffnet sich vor dem Mercedes. Christoph Kühner wechselten mit ein paar lässigen Tipps auf dem großen Touchscreen in den Sportmodus.

Overboost plus Schub vom Starter-Generator

"Das hilft auch dem Sound ein wenig", erklärt er und drückt das Fahrpedal durch. Die Overboost-Funktion mit maximal 20 kW steht jetzt für etwa 30 bis 40 Sekunden ebenfalls zur Verfügung. Bis zu 20 Zusatzleistung (36 PS) liefert der Benziner über Ladedruck- und Einspritzungsanpassung. Und der Starter-Generator kann mit 15 kW mitschieben. Über ansteigende Abgastemperaturen meldet der Verbrenner dann, dass es nun genug ist mit dem Overboosten.

Die Demonstration fällt eindrucksvoll aus, Traktion und Fahrstabilität scheinen von der über die Räder hereinbrechenden Über-Power jedenfalls wenig beeindruckt. Das läge unter anderem daran, dass unser C 300 mit 4-Matic-Allradantrieb, Sportfahrwerk und Hinterradlenkung ausgerüstet sei. Ein fahraktives, sportliches Auto bei größtmöglicher Fahrstabilität, habe bei der Entwicklung im Fokus gestanden, sagt Kühner. Das macht vom Beifahrersitz aus schon einen sehr reifen Eindruck. Sportlich-straff, doch sensibel ansprechend präsentiert es sich bei unserer Ausfahrt südlich von Stuttgart.

Guter erster Raumeindruck

Das Interieur ist gewachsen, mehr noch als das Auto drumherum. Vor allem die Innenbreite habe gewonnen, heißt es. Und im Fond gebe es nun 35 Millimeter mehr Beinfreiheit. Tatsächlich wirkt die Limousine mehr als nur Hauch luftiger als jene der 205er-Baureihe. Fliegender Wechsel auf die Rückbank, der luftigere Eindruck bleibt. Gerade hier wirken ein paar Millimeter mehr Luft um die Schultern oft Wunder fürs Raumgefühl. Vorn sind dennoch die besseren Plätze, allein schon weil sie freie Sicht auf den großen Monitor in der Mittelkonsole gewähren, die Kommandozentrale des Wagens mit der jüngsten Generation des konzerneigenen MBUX.

Fotografieren dürfen wir es leider noch nicht, weshalb schwarze Matten den Instrumentenbereich vor neugierigen Kameras schützt. Während der Fahrt wird aufgedeckt, wir können nun gucken und anfassen. Der Bildschirm zeigt den Nordrand der Schwäbischen Alb mit einigen Straßen, die sich durch die Schichtstufenlandschaft schlängeln.

Zwei Versionen des Screens wird es geben, eine sparsamere mit neun Zoll-Diagonale. Oder die üppige mit 11,9 Zoll, wie hier. Die Klimabedienung ist bei der großen Variante Teil des Touchscreens, bleibt jedoch eingeblendet und touchbereit. Eine Tastenleiste gibt es dennoch unterhalb des Schirms. So können die Fahrmodi, der Parkassistent, die Standheizung oder die Lautstärkeregelung mit leichtem Zugriff bedient werden. Auch ein Fingerabdrucksensor ist hier untergebracht.

Assistenz wie in der S-Klasse

Das Assistenzprogramm, sagt Christoph Kühner zum Abschluss der Dienstfahrt, entspräche jenem der S-Klasse, mit ein paar Abstrichen. Autonom fahren auf Level 3 beherrscht die C-Klasse nicht, etwas Abstand zur viel größeren und teureren S-Klasse muss schließlich sein. Und LED-Licht ist nun Serie, in allen Varianten. Das serienmäßige Halogenlicht wird künftig nicht mehr angeboten. Das wird – anders als womöglich die Sechszylindermotoren, das Luftfahrwerk oder den Stern oben auf der Haube – ganz sicher keiner vermissen.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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